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Manche Software lässt sich bereits auf dem Internet mieten

Wenn die Marktforscher recht behalten, dann wird Software nicht mehr gekauft oder lizensiert, sondern künftig über das Internet gemietet. Alle reden von ASP - so die Kurzform dieses Angebots.

HB MÜNCHEN. Kaufen oder mieten? Seit gut einem Jahr beschäftigt das Thema Application Service Providing (ASP) die IT-Verantwortlichen in den Unternehmen. Der Reiz für den Kunden besteht darin, dass er zunächst praktisch keine Investition in Software tätigen muss. Die Anwendung läuft stattdessen auf irgendeinem Rechner in der Welt, über eine sichere Internet-Verbindung kann der Anwender jederzeit darauf zugreifen. Was lange nur angekündigt wurde, soll nun endlich in die Praxis umgesetzt werden. Auf der Computermesse Systems 2000 werden einige Lösungen gezeigt.

Die Firma Tecoplan AG aus Ottobrunn bei München fand mit ihrem Dienst "Xbrioso" die Aufmerksamkeit bei Messebesuchern, die aus dem Lager der Konstrukteure mittelständischer Fertigungsindustrie kommen. Der neue Ingenieurdienst wurde erst im vergangenen Juli angekündigt und jetzt pünktlich zur Systems in Betrieb genommen. Unter dem Produkt "Webtime Engineering" verbirgt sich nach der Erläuterung des Geschäftsführers Dieter Höfler das Angebot an die Konstrukteure, gemeinsam mit anderen Unternehmen ortsunabhängig Produkte entwickeln zu können. In der "Virtuellen Werkstatt" arbeiten Konstruktionsteams an verschiedenen Orten gemeinsam an einem Projekt. Zum Erstellen der Einzelteile können alle bekannten CAD/CAM- Systeme (Computer Aided Design, Computer Aided Manufacturing - computerunterstütztes Entwerfen und Fertigen) benutzt werden.

Als Hardware nutzt Tecoplan ein Cluster (Bündel) von Unix-Servern von Sun Microsystems mit einer clusterfähigen Datenbank von Oracle. Bestimmte Anwendungsteile laufen auf vorgeschalteten NT-Servern von Compaq Computer. Als Dienstleister für den notwendigen Internet-Service arbeiten die Ottobrunner mit Cable & Wireless.

Kunden konzentrieren sich aufs Kerngeschäft "Als erster deutscher Application Service Provider mit einem eigenen Glasfasernetz" - so die Angaben - ging die Einsteinet zur Systems an den Start. Seit Montag können Unternehmen Software, Rechnerleistung und IT-Dienste bei Einsteinet mieten. Durch eigene Data Center und ein eigenes breitbandiges Glasfasernetz will das Münchner Unternehmen höchste Sicherheit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit bei allen Anwendungen garantieren. Einsteinet verfügt in Deutschland über einen eigenen fast 3000 Kilometer langen Glasfaserring. Die Investitionen in den Aufbau von Netzwerk, Data Centern und Dienstleistungen belaufen sich auf rund 300 Mill. EUR. Für die technische Realisierung der gesamten Infrastruktur hat Nortel Networks gesorgt.

Die Deutsche Telekom AG hat ihre Angebotspalette im E-Business in Zusammenarbeit mit der BroadVision AG erweitert. Das teilten beide Unternehmen ebenfalls in München mit. Broadvisions "One- to-One Enterprise-Software" werde über das ASP-Modell von der Telekom vermarktet, heißt es. Es sei für Unternehmen geeignet, die ihren Kunden individuell zugeschnittene Internetshops anbieten. Die Software unterstütze das Erkennen von Käuferbedürfnissen.

Die Krefelder Victorvox hat mit Microsoft einen Lizenzvertrag abgeschlossen, der die Vermietung von Software via Internet vorsieht. Für eine Monatspauschale von 64 DM pro Arbeitsplatz kann das MS-Office-2000-Paket weltweit online genutzt werden. Zu diesen Nutzungsrechten kommen 25 MB Speicherplatz im - wie versichert wird - "hochgesicherten Rechenzentrum" bei Victorvox. Die erfolgreiche kostenlose Testphase mit über 6 000 Anwendern will das Krefelder Unternehmen nun mit mehr als 20 Programmen (etwa Übersetzungs-, Rechts- und Steuerhilfe- oder Konstruktionsprogramme) fortsetzen.

Als Vorteile von ASP wird von den Anbietern in erster Linie die Kostentransparenz genannt. Die Gesamtkosten (Total Costs of Ownership) für IT-Lösungen sinken. Die Pflege der Software, die Sicherung der Daten und die Systemwartung werden im fernen Rechenzentrum vom ASP-Anbieter vorgenommen. Die Kunden können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und brauchen sich nicht mehr um knappes IT-Personal zu kümmern.

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