Mancher Anwalt akzeptiert Natural-Entlohnung statt Geld
Suche Rechtsberatung, biete Malerarbeiten

Der Saab 9-5 war kaum gefahren, ein schwarz-blau schimmerndes Schmuckstück mit Lederausstattung und Klimaanlage. Doch die Unternehmensberatungs-AG, der er gehörte, war so klamm, dass sie nicht einmal mehr ihren Anwalt bezahlen konnte.

ms DÜSSELDORF. Jens Neuner sah die Hoffnung schwinden, an sein Geld zu kommen - bis ihm die rettende Idee kam: Er übernahm einfach den Wagen, der nach dem Rauswurf eines Vorstandsmitglieds ohnehin ungenutzt herumstand. "Bei mir hätte ohnehin die Anschaffung eines Fahrzeugs angestanden", freut sich der Anwalt.

Seit letztem September sei die Zahlungsmoral seiner Mandanten drastisch eingebrochen. Mit dem Ausweg, sich durch Natural-Entlohnung schadlos zu halten, hatte Neuner schon zuvor gute Erfahrungen gemacht: "Da gab es auch schon mal Malerarbeiten, oder eine Fressrechnung im Restaurant."

Ähnliches berichtet Johannes Koch: Der Rechtsanwalt aus Hannover ist viel für Bauunternehmen tätig - eine notorisch klamme Branche. Handelt es sich um einen geschlossenen Immobilienfonds, so lässt sich Koch schon mal mit Fondsanteilen bezahlen. Ähnliche Geschäfte sollen übrigens auch in den besten Häusern vorkommen: Im edlen Fusionsberatungsgeschäft lassen sich die Anwälte ihre Leistungen bisweilen durch Aktienpakete entlohnen, deren Umfang an der Beratungsleistung gemessen wird.

In der Bauwirtschaft hat das Phänomen einen anderen Hintergrund: Die Baukunden zahlen oft wegen vorgeblicher oder tatsächlicher Mängel am Bauwerk nicht. Kommt es, wie meist, zum Vergleich, bleibt der Unternehmer auf seinen Anwaltskosten sitzen - und die fressen den erstrittenen Geldbetrag zu einem Gutteil wieder auf. "Da einigt man sich dann eben auf andere Weise", meint Koch lakonisch.

Berufsrechtlich spricht wenig dagegen, sagt Ulrich Scharf, Sprecher der Bundesrechtsanwaltskammer. "Nur, das wird häufig nicht ordnungsgemäß verbucht." Wie in der gewerblichen Wirtschaft sei auch für Anwälte die Versuchung groß, solche Kompensationsgeschäfte vor dem Fiskus zu verstecken. "Aber das ist kein anwaltliches Problem."

Quelle: Handelsblatt

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