Manchester-Aktie verliert deutlich
Schock für ManU

Erneut sorgt der russische Öl-Milliardär Roman Abramowitsch im englischen Fußball für Wirbel. Diesmal geht es aber nicht um den millionenschweren Kauf eines Superstars auf dem Feld. Der neue Besitzer des Londoner Clubs FC Chelsea hat im Handstreich Peter Kenyon, bislang Vorstandsvorsitzender des Erzrivalen Manchester United, abgeworben.

LONDON. Nicht nur für die Fans ein Schock: Die Aktie der Manchester United Plc gab nach Bekanntgabe des spektakulären Transfers deutlich nach.

Für den Verein, der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichste in England, ist der Verlust von Kenyon ein Schock. Nach dem Weggang von Top-Spieler David Beckham verliert Manchester nun den Manager, der "ManU" zur weltweiten Marke mit 53 Millionen Fans aufgebaut hat. In einer eilig einberufenen Nachtsitzung wurde der Stellvertreter David Gill als neuer ManU-Boss berufen.

Abramowitsch hatte den FC Chelsea im Juli in einer ebenfalls spektakulären Aktion übernommen. Nun hat der angeblich zweitreichste Mann Russlands dem eingefleischten Manchester-Fan Kenyon ein unwiderstehliches Angebot gemacht. Dessen Jahresgehalt als Clubchef soll sich bei Chelsea auf mehr als 1 Mill. £ (1,4 Mill. Euro) fast verdoppeln. Im Vergleich zur bisherigen Einkaufstour von Chelsea ist der Betrag aber eher bescheiden: In den vergangenen zwei Monaten hat Abramowitsch für seinen Club Spieler im Wert von 158 Mill. Euro gekauft.

Kenyon war 1997 vom Sportartikelhersteller Umbro zu Manchester United gewechselt, zunächst als Finanzdirektor. Der Marketing-Experten baute die Position des Vereins als reichster Club der Welt aus. Er schloss lukrative Millionenverträge mit dem Mobilfunkunternehmen Vodafone und dem Sportartikelkonzern Nike. Kenyon soll nun auch Chelsea weltweit vermarkten, erklären Analysten den Wechsel.

Manchester United ist einer der wenigen schuldenfreien Vereine und macht seit Jahren Gewinn. Wenn der Verein Ende September seine Bilanz vorlegt, erwarten Analysten erneut einen Umsatzrekord nach 146 Mill. £ im Vorjahr. Der Aktienkurs des dreimaligen Meisters ist in den vergangenen zwölf Monaten von 100 auf bis 170 Pence gestiegen, der Wert des Vereins liegt bei rund 616 Mill. Euro.

Allerdings wurde der ManU-Kurs dieses Jahr vor allem durch Übernahmespekulationen getrieben. Die Aktien sind weit gestreut, angeblich planen einige Investoren eine Übernahme. Diese Spekulation könnten wieder Aufwind bekommen. Vor drei Jahren war ManU an der Börse das Dreifache wert.

Der Wechsel an der Vereinsspitze wird nach Ansicht von Analysten keinen dauerhaften Kursschaden anrichten. "In David Gill bekommt der Konzern einen perfekten Chef", sagt Andrew Burnett von Merrill Lynch. Dennoch reduzierte die Hausbank ihre Empfehlung für den Wert auf "neutral", was jedoch mit dem monatelangen Kursanstieg begründet wurde. Auch Andrew Lee, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, sieht die starke Position von Manchester United nicht gefährdet. Die Früchte von Kenyons Arbeit seien in langfristigen Verträgen mit Nike und Vodafone gesichert. Als Unsicherheitsfaktor gilt die TV-Vermarktung. Der neue Vertrag mit dem Pay-TV-Sender BSkyB drückt die Einnahmen, zudem droht Einspruch aus Brüssel. Im vergangenen Jahr machten die TV-Rechte ein Drittel der Einnahmen ManU aus.

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