Manchester Business School, England
Alfred Dietel

Seit September 2001 bin ich hier an der Manchester Business School. Einen Kommentar aus unserer Einführungswoche habe ich immer noch im Ohr: "Wenn Sie diese 18 Monate hinter sich haben, sind Sie ein anderer Mensch". Große Worte - ich bin gespannt, ob sie sich bewahrheiten werden. Auf jeden Fall werde ich an dieser Stelle regelmäßig über meine Erfahrungen berichten.

Einführungstext


Tagesablauf MBS


Die Einführungswochen


Der Autumn Term


Der Winter Term


Personal Development Program


Das Merger and Aquisition Project oder Interdisciplinary Project


Das Business Environment Project


Mein Internship (Praktikum) bei einem Venture Capitalist und das „Manchester Gold Program“















Mein Internship (Praktikum) bei einem Venture Capitalist und das „Manchester Gold Program“

Man spürte deutlich den Wirtschaftsabschwung. Allenfalls als Trost konnte -herhalten, dass es „viel“ besser sei, als das Jahr zuvor - wovon rede ich eigentlich? Bewerbungen! Ja, es stimmt: es sind mittlerweile mehr Angebote bzgl. Praktika zu finden, vor allem Consultancy und I-Banking zieht an und offerieren mehr sogenannte „Interns“. Wer einen Job in I-Banking sucht, hat die besten Chancen nach einem Praktikum - fast alle Banken rekrutieren aus ihren Interns. Der Bewerbungsprozess für einen Praktikumplatz ist ähnlich zum Job Recruiting Prozess. Bewerbungen schreiben, Interviews, evtl. Assessment Center.

Leider gibt es Branchen, welche gerade eben sehr schlechte Aussichten auf Besserung haben und genau so eine Branche habe ich mir für meinen weiteren Karriereweg ausgesucht - Venture Capital oder Private Equity. Venture Capital heißt soviel wie Risikoinvestments, d.h. es wird in Unternehmen investiert, welche von den normalen Banken kein Geld bekommen, weil das Risiko für sie zu hoch ist. Dafür gibt es dann die Venture Capitalisten, welche sich das Unternehmen sehr genau ansehen, sogenannte „Due Dilligence“ (Risikoanalyse) betreiben und dann Geld investieren.

Als Risikoausgleich fordert der VC einen Teil der Firma, welchen der nach 3-5 Jahren verkauft - natürlich mit hohem Gewinn. Diese Branche boomte in der Internet bubble Ende der ´90er. Es haben sich zu der Zeit allerdings viele die Finger verbrannt, Investitionen in Millionenhöhe nur für eine Hightech Idee, dass gibt es heute nicht mehr. Trotzdem sind viele Investment Manager aus der Zeit immer noch bei den Firmen beschäftigt und leider wurde auch seitdem kaum mehr eingestellt. Ich denke, dass ich mir hiermit eine der schwierigsten Branchen ausgesucht habe und ich wollte auch nur in dieser Branche ein Intern machen. Drei Internship Offerten habe ich zurück gewiesen, alle samt sehr interessante Projekte, aber halt kein VC…

Ich musste mich also frühzeitig auf eigene Faust bewerben, unser Karriere Center in MBS konnte mir dabei kaum helfen, da die Industrie zu klein ist. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich schon im Januar 2003 die ersten Bewerbungen rausgeschickt. Leider kamen nur Absagen zurück, oder schlimmer, es wurde nicht einmal der Eingang bestätigt. Da kommt man dann doch ins Grübeln, nachdem ich ca. 50 Bewerbungen losgeschickt hatte… Die Rückantworten, sofern ich sie erhielt, waren eher Ausreden, man könne kein Intern anbieten aus dem einfachen Grund, dass man kein „Projekt für 10 Wochen“ anbieten könne, man hätte noch nie Interns gehabt, usw. Andererseits habe ich einige sehr positive Kommentare bzgl. meines CVs bekommen, welche mich nur bestärkt haben, mich weiterhin als VC zu bewerben.

Im April lernte ich einen MBS Alumnus kennen, er arbeitete 17 Jahre in Venture Capital. Ich fragte ihn, ob er mein Mentor sein wolle. Wir haben in der Manchester Business School ein Mentor System, „Manchester Gold“ genannt. Studenten welche das Mentorensystem in Anspruch nehmen wollen, müssen sich bewerben, und die Mentoren (überwiegend Alumni) suchen sich dann einen Studenten aus, welchen sie durch Kontakte, Unterstützung bei der Job/Internship Suche, usw. helfen können. Ich hatte großes Glück, dass Peter Armitage bereit war, mein Mentor zu sein. Er half mir die richtigen VCs rauszusuchen und letztendlich verschaffte er mir ein Interview vor Ort bei einem VC. Der Rest war leicht, einmal im Interview konnte ich die Investmentmanager von mir überzeugen und ich bekam eine Internship Offerte!

Yorkshire Fund Managers (YFM) ist ein VC, gegründet als regionaler VC, daher auch der Name, welcher überwiegend in kleine und mittlere Firmen investiert, seed oder early stage, von ca. 100.000 Pfund Sterling bis zu maximal 6 Millionen Pfund Sterling. Die Firma hat 7 Funds zu managen und ist mittlerweile in ganz England mit 8 Niederlassungen vertreten. Ich hatte also einen Volltreffer gelandet und konnte auch in Manchester arbeiten, musste nicht wieder umziehen. Viele Kommilitonen arbeiteten in London, mussten also die Manchester Miete tragen und dann auch noch ein Zimmer in London bezahlen - da bleibt nicht sehr viel übrig vom Praktikanten-Gehalt.

Meine Aufgabe bei YFM war es, den Investment Prozess für einen neuen Fund zu optimieren, welcher von der EU gestellt wurde, d.h. mehr transaktionsorientiert anstelle von profitorientiert war. Ich konnte bei allen Entscheidungen mithelfen, vom ersten Businessplan Screening, Interviewing des Klienten, Due Dilligence technischer und finanzieller Art, Verhandlungen um Preis und Konditionen bis hin zur Vertragsunterzeichnung. Ich durfte auch für bestehende Portfolio Firmen den Bordmeetings beiwohnen, und wenn es um technische Fragen ging, durfte ich auch alleine zum Klienten, was eigentlich nicht erlaubt ist, da Investment Manager von der FSA zertifiziert sein müssen, was ich natürlich noch nicht bin. Die Verantwortung, welche ich zu tragen hatte, war fast die selbige als ein normaler Investment Manager - das war für mich das Beste, was passieren konnte, da ich von vielen Interns hörte, dass sie nur number-crunching machen durften und nur wenig Visibility hatten. Mein Arbeitgeber verlängerte dann auch noch meinen Vertrag auf 13 Wochen, einen Tag bevor ich nach Chicago zum Exchange abreiste, habe ich meine Arbeiten abgegeben.

Der Sommer war also purer Stress, den ich aber unwahrscheinlich genossen habe. Wo sonst würde ich so viel lernen, und ich konnte all mein MBA Wissen unmittelbar anwenden. Dies ist auch ein großer Unterschied im Vergleich zu anderen MBA Programmen - MBS bietet viele hands-on Projekte gepaart mit einem Internship und man ist bestens gerüstet, gerade wenn man einen Karrierewechsel vor hat. Zum anderen lernte ich, dass Fachwissen das eine ist, wichtiger aber sind soft-skills, wie z.B. die Kunst des Networking. Mein Intern habe ich über einen Alumnus bekommen. Viele MBA Alumni bieten selber Jobs an - ein Netzwerk, welches im Falle von MBS weltumspannend ist - je älter eine Schule, um so besser ist das Alumni Netzwerk. MBS wurde mit LBS Anfang der ´60er gegründet, somit haben diese beiden Schulen einen unschätzbaren intrinsischen Wert - es liegt an uns „neuen“ MBAs, dies fortzuführen und auch schulübergreifend zu agieren. Ein gutes Networking Beispiel war die erste German MBA Conference in Harvard Business School im Herbst, doch dazu mehr in Kürze, wenn ich über meinen Austausch an der Chicago Graduate School of Business berichten werde.


Das Business Environment Project

Die Serie der Projektarbeiten wurde mit dem "Live" Business Environment Projekt fortgesetzt - alles Bestandteile der Manchester Methode - aktives Lernen in einem "sicheren" Umfeld. Unsere Außenwirkung wurde dabei noch mehr gesteigert, d.h. wir waren ständig in Kontakt mit dem Klienten, und die Fakultät stand uns nur zu Beginn bei der Projektauswahl und auf Anfrage zur Verfügung. Zu manchen Zwischenergebnis-Präsentationen wurden die Betreuer eingeladen, welche dann mit konstruktiven Feedback halfen.

Doch nun der Reihe nach: Man musste sich mit seiner Gruppe, oder mit einzelnen Personen welche für ein spezifisches Projekt arbeiten wollten, für ein Projekt aus einer großen Liste bewerben. Die Fakultät entschied dann, welche Gruppe mit welchem Projekt den Zuschlag erhielt. Diesesmal waren klangvolle Namen wie Manchester United, die United Nations, Kraft Foods aber auch einfache Charities mit auf der Auswahlliste. Meine study-group blieb stabil zusammen - das M&A Projekt hatte uns nur noch enger zusammen geschweisst - never change a running system...

Wir entschieden uns, etwas total anderes zu machen und bekamen den Zuschlag, fuer die Vereinten Nationen zu arbeiten, genauer für UNIDO (United Nations Industrial Development Organization - www.unido.org).

Das Projekt war so gross, dass wir zwei komplette Gruppen ansetzen mussten. Die einen untersuchten, wie UNIDO UK kleinen Firmen in Entwicklungsländern helfen kann, Businesskontakte in UK zu bekommen und FDI (Foreign Direct Investment) zu erwirken. Die andere Gruppe untersuchte, welche Firmen in UK Interesse haben könnte, mit Firmen aus Entwicklungsländern (auch China als Emerging Market) zusammen zu arbeiten, und welche Sektoren vor allem interessant sind (von outsourcing von einfachen manuellen Arbeiten bis zu Auftragsforschung in den schon weiter entwickelten Ländern (z.B. Taiwan)).

Diese Arbeit ermöglichte uns, völlig neue Perspektiven zu erschliessen, die Nöte, aber auch die Chancen in den aufstrebenden Ländern/Märkten zu erkennen. Vor allem bekamen wir einen Einblick, wie mühsam das Geschäft sein kann - simple Dinge wie eine Telefonleitung zu bekommen kann in manchen Ländern Monate dauern, wie soll dann eine funktionierende Zweigstelle aufgebaut werden? Wie ist die Kooperation mit den lokalen Behörden? Welche politischen Einflüsse gibt es? Wie kann man mit Unsicherheitsfaktoren umgehen? Eine endlose Liste an Fragen - für jedes Land andere, für jeden Industriesektor andere. Manch ein Sektor ist noch viele Jahre davon entfernt FDI zu tätigen, für andere ist es tägliches Brot.

Alles in allen, die offertierten Projekte waren höchst unterschiedlich, viele hatten erstmal mit den Klienten zu kämpfen, um deren Erwartungshaltung zu managen - es ist nur ein Sechs-Wochen-Projekt. Einige Arbeiten wurden dann in ein oder mehrere Internships umgewandelt und erweitert oder implementiert. Mit dem BIP konnten wir wieder unser bisher erlerntes Wissen in relativ sicherer Umgebung einbringen, wogegen mit dem Internship (nächster Artikel) man auf sich alleine gestellt war...


Das Merger and Aquisition Project oder Interdisciplinary Project

Nach den beiden ersten, sehr theoretischen, terms geht es nun in die Praxis. Man kann zwischen dem M&A Projekt oder dem Interdiziplinären Projekt wählen, die meisten wollen das M&A Projekt machen, einige welche nicht so sehr in Corporate Finance interessiert sind, weichen auf das andere Projekt aus. Ich werde kurz das Interdisciplinary Project skizieren, dann aber etwas genauer auf das M&A Projekt eingehen, welches ich mit meiner Gruppe ausgewählt habe.

Das Interdisziplinäre Projekt ist ein eher Marketing- und strategisch orientiertes Projekt. Leider darf ich den Namen der Firma aufgrund eines Geheimhaltungsvertrages (NDA) nicht preis geben, nur soviel, es ist einer der führenden Werkzeughersteller in der Welt, welcher steigenden Wettbewerbsdruck in Preis und Qualität verspürt, obwohl sie seit Jahren im Qualitäts-Marktsegment die Preise diktieren konnten. Die Firma sucht nun nach neuen Vertriebswegen, nach einer neuen Marketing Strategie, und dass muss dann in die globale Konzernstrategie einfliessen. Das Projekt wurde in kleinere Subprojekte unterteilt, welche wiederum von verschiedenen Gruppen gelöst werden, immer unter der "Aufsicht" eines Professors.

Einmalig in diesem Jahr war außerdem, daß eine Studentengruppe sich ein eigenes Thema suchte - ein Consultant Project in einer grossen Management Beratung. Alles ist also möglich - be proactive! Nach der Projektarbeit und eines Reports wurden natürlich die Ergebnisse mit dem Klienten durchgesprochen und man musste evtl. Nacharbeiten, bis der Klient zufrieden war...

Ich wollte das M&A Projekt machen und konnte meine Studygroup dazu bewegen mitzumachen - das war nicht schwierig, das M&A Projekt hat einen exzellenten Ruf - eine einmalige Erfahrung für uns.

Unser Klient war einer der grössten Lebensmittelhersteller in England, welcher in einem extrem konsolidierten Markt operiert. Das macht eine Aquisition nur noch schwieriger, da alles "Gute" schon mal weggekauft wurde - also musste man Rohdiamanten suchen oder nach "distressed companies", welche mit Hilfe der großen Mutter dann wieder aufgepäpelt werden muss.

Zu Beginn wurde uns die Konzernstrategie von unserem Klienten vorgestellt, welche Kernkompetenzen sie ausbauen oder erhalten will, welche Spielräume für Akquisitionen bestehen usw. Dannach musste jede Gruppe in einem Report die Konzernausrichtung zusammenfassen und mögliche Akquisitionsstrategien ausweisen. 10 vorgegebene Akquisitions-Kandidaten hatten wir zu untersuchen, und so viel man wollte zusätzliche Kandidaten. Kriterien zu Untersuchung waren unter anderem:
· opportunities for increased market share and price improvements
· cost reduction possibilities
· securing of supplies
· new products in existing markets
· existing products in new markets
· new distribution possibilities
· opportunities for more professional management
· potential impact of acquisition on earnings, dividends, cash flow, and gearing

Das Ziel war, ein Ranking Dokument auf selbst gewählten Kriterien mit entsprechender Gewichtung zu erstellen, mit drei TOP targets - am Besten mit einem "neuen" in der TOP 3, eine Firma welche nicht vorgeschlagen wurde. Damit wurde natürlich unser Ehrgeiz geschürt, jeder wollte unbedingt zeigen, dass man ein target gefunden hatte, welches "vergessen" wurde. Keiner der Gruppen verriet der anderen, welche zusätzlichen Targets gefunden wurden, bis zu den letzten zwei Tagen vor der Abgabe des Ranking Documents... (in zwei Tagen konnte niemand mehr die komplette Aquisitions Strategie umschreiben) - das war eine ganz spannende Zeit und mit viel Arbeit verbunden, die TOP drei Unternehmen mussten bis auf Basiskennzahlen analysiert werden, bei den anderen genügte es zu erläutern, warum man glaubt sie wären nicht geeignet.

Nach der Abgabe wurde uns von den Professoren und dem Unternehmen mitgeteilt, mit welchem aus unserem TOP 3 Targets wir weiter arbeiten sollten.

Der zweite Report musste geschrieben werden, es drehte sich nun alles um das top target - welche aquisitions strategy, der strategic fit, financial accounting rauf und runter, synergy effects und vor allem die Verhandlungs Strategie mit dem Dreh- und Angel Punkt: Terms and Conditions. Unsere Gruppe entschied sich dem Target Unternehmen ein faires Angebot zu machen, den Preis nicht zu hoch aber auch nicht zu niedrig anzusetzten, wir wollten den Zuschlag sofort bekommen - das zu kaufende Unternehmen war in finanziellen Nöten und der Cash Flow ging rauf und runter wie bei einer Achterbahn. Zwei unserer Professoren spielten dann am Verhandlungstag (wir mussten vorher unser Angebot schriftlich abgeben - letter of intent) den CEO und CFO des Targets. Beide Professoren waren Financial Accounting Professoren, welches unsere Verhandlung nicht gerade einfach machte. Einer der beiden würde enorm von der Übernahme partizipieren, der andere weniger, also musste eine entsprechende Kompensation gefunden werden. In der Tat, unser Angebot wurde nach zwei "Verhandlungstagen" akzepiert und war somit der erste Abschluss in der ganzen Schule! Das war für unsere Gruppe natürlich ein Grund zu feiern und wir freuten uns, dass die Strategie auf ging - ein faires Angebot, andere Gruppen pokerten zu hoch, drückten den Preis zu sehr, konnten somit den Deal nicht closen, wieder andere überbewerteten die Firma bei weitem und machten ein viel zu hohes Angebot - welches zwar akzeptiert wurde, allerdings hagelte es dann beim Feedback harsche Kritik...

Nach der Verhandlungphase musste dann noch eine Integrationsstrategie geschrieben werden, immer unter der Aufsicht der Professoren und zum Grossteil auch der auftraggebenden Firma, welche uns dann beim Abschluss Meeting ausgesprochene Professionalität bescheinigte - was in Summe dann nur für das Merger and Aquisition Projekt spricht!


Sorry, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe, aber das Programm und mein Internship forderten vollen Einsatz, dafür gibt es jetzt um so mehr Info…

Personal Development Program

In diesem Abschnitt möchte ich Euch vom Personal Developement Program erzählen. Ich denke, nicht jede Schule hat dies formell in ihrem MBA Programm mit aufgenommen, mittlerweile (MBA 2005) ist es sogar ein non-credit Pflichtfach geworden. Was ist das Personal Development Program? Neben der reinen fachlichen Ausbildung sind auch so genannte Soft-Skill immer mehr von Bedeutung. Auch diese kann man lernen, umso besser in einem multi-kulturellen Umfeld, da verschiedene Kulturen verschiedene Ansichten über Verhaltensweisen und entsprechend benötigte Soft-Skills haben.

Das Personal Development Program ist integraler Bestandteil der MBA Ausbildung, d.h. im ersten term ist es ein halber bis je nach Sonderveranstaltung ein ganzer Tag pro Woche, im zweiten Term wird das ganze dann auf einen vollen Tag in der Woche erweitert.

Das PDP ist aufgeteilt in Persönlichkeitsentwicklung und in Karriere Service. Themen in der Persönlichkeitsentwicklung nur sind (nur eine kleine Auswahl):

· Self-motivation and the motivation of others
· Interpersonal Communications
· Presentation Skills
· Negotiation Skills
· Media Skills
· Crisis Management
· Does your work style maximize your learning style?
· Stress management and managing other people's stress
· Project Management Skills: Managing the "human" elements of the project
· Leadership skills workshops
· Pitching
· Business etiquettes: UK/Europe/Asia/Americas

Ich will einen besonderen Punkt, welcher mir sehr viel Spass gemacht hat, herausgreifen: "Crisis Management". Wir hatten einen BBC Reporter vor Ort, welcher uns bezüglich einer z.B. Finanzkrise, Umweltschutz Probleme, oder einem existenzbedrohenden Ereignis vor laufender Kamera befragte. Wir bekamen ein Briefing der jeweiligen Situation und mussten dann ein zweiminütiges Interview geben - "grilling" des Journalisten inbegriffen. Danach wurde das Video im großen Hörsaal der gesamten Gruppe gezeigt und analysiert. Nach der Analyse hatten wir Zeit zur Reflektion und wir bekamen ein zweites Briefing, die Situation hat sich weiter zugespitzt, das Interview dauerte nun länger und wurde im Sitzen aufgenommen, während das erste im Stehen durchgeführte wurde.

Mein größter Lerneffekt war, dass ich nur 2-3 Messages rüber bringen soll, nicht die ganze Story wieder aufrollen - alles andere bleibt beim Zuschauer nicht hängen. Viele hatten auch Schwierigkeiten mit dem Mikrophon und den Kamera Monitor am Boden, wo man sich selbst sehen konnte, aber diese technischen Gegebenheiten bekam man schnell in den Griff.

Der zweite Teil des PDPs, der Karriere Service geht auf den individuellen Lebenslauf ein, wie man ein Interview übersteht, Tipps fürs Assessment Center, Pitching im "red-hot" Coverletter, usw. Je nach Sektor, in dem man später arbeiten will, gibt es unterschiedliche Regelen und auch Merkmale die von Recruitern gesucht werden, d.h. individuelles Pitching wird gross geschrieben.

Absolut einmalig ist das Internship und Recruiting Book - zwei professionell gestaltete Bücher mit allen MBAlern des Kurses, inklusive Lebenslauf und Wunsch Internship Sektor oder Jobsektor. Dieses Buch wird an weit mehr als 1000 Firmen und Recruitern weltweit verschickt und ist ungemein hilfreich für die Internship/Job Suche. Viele Firmen kommen an den Campus und suchen sich schon vorher mittels dieses Buches die Interviewkandidaten aus, Blindbewerbungen werden aber trotzdem sehr gerne gesehen.

Recruiter: Dieses Buch kann jederzeit vom MBS CMS Office bestellt werden!

Das war nur ein kurzer Abriss vom PDP, jede Woche neue Themen, teils von Universitätsmitarbeitern gehalten, viele aber von externen Professionals im jeweiligen Themengebiet. Es sind halt nicht nur die akademischen Werte, welche bei der Jobsuche hilfreich sind, Soft-Skills spielen spätestens im Interview und natürlich in der späteren Führungsverantwortung eine tragende Rolle.


Der Winter Term

Der Winter Term begann pünktlich am Montag, den 6.1.2003, um 9Uhr: Als erstes mussten wir unsere Essays abgeben, die wir über die Weihnachtsfeiertage zu schreiben hatten.

Ich hatte mir eigentlich am Ende des ersten Terms fest vorgenommen, etwas mehr Sport zu treiben und auch mal öfter ins Kino oder zum Fußball zu gehen, doch wie es sich herausstellte, war daran nicht zu denken. Im Gegenteil: der Winter Term war noch dichter gepackt. Da im ersten Term die letzten Unterrichtstunden in Marketing wegen Krankheit ausgefallen waren, mussten sie nun nachgeholt werden - zusätzlich zu den regulären Assignments dieses Terms. Obendrein wurde die Anzahl der Präsentationen, die man zu halten hatte, noch erhöht.

Die arbeitsaufwändigsten Fächer waren sicher Corporate Finance und Management Accounting. Corporate Finance hat mit Aktienbewertungen, Unternehmensbewertungen, Unternehmensfinanzierung und Risikoanalyse zu tun. Als Assignment mussten wir ein Essay darüber schreiben, ob der Bau des Superjumbos Airbus A-380 finanziell durchführbar ist oder nicht - welche Risiken dabei abzuwägen sind und wie sich diese auf den Return on Investment auswirken. Auf dem Gebiet der Real Options gehört die MBS zu den führenden akademischen Institutionen, daher wird schon in der Einführungsvorlesung einiges darüber gelehrt. Real Options sind ähnlich den Optionsscheinen, die an der Börse gehandelt werden, nur ist das zugrunde liegende Vermögen keine Aktie, sondern z.B. eine Immobilie oder ein R&D Projekt.

Management Accounting eröffnet dem Manager die Möglichkeit, neben seinen offiziellen Bilanzen eine gezielte Kostenanalyse seiner Produkte zu machen. Stichworte hier sind Activity Based Costing oder verschiedene Varianzen. In diesem Fach mussten wir immer ziemlich viel Hausaufgaben machen, man versteht die Konzepte eigentlich erst, wenn man sie anwendet. Zusätzlich bewertete Ali Nasralla die Unterrichtsbeiträge, es war also doppelt gut, sich vernünftig vorzubereiten.

In Strategy mussten wir für jede Stunde einen Fall vorbereiten, und jeweils zwei Gruppen trugen ihre Erkenntnisse dazu vor. Es war schon erstaunlich, wie unterschiedlich manche Gruppen dabei ans Werk gingen und wie unterschiedlich die vorgeschlagenen Strategien sein konnten. Wie Professor Gary Davis zu Beginn sagte: Es gibt keine richtige oder falsche Strategie - manche sind nur besser oder weniger gut als andere. Wirklich hilfreich waren vor allem die Analysetools, die wir kennen lernten, wie SWOT Matrix, Ashridge Portfolio Modell, Porters Five Forces oder BCG Matrix und PESTEL. Mit diesen Tools kann man dann durchaus substanzielle Strategien für Unternehmen formulieren.

Globalising Human Resource Management stand auch auf dem Plan. Auf hier mussten Studenten immer wieder Vorträge halten, und dabei war es besonders interessant, die unterschiedlichen Praktiken aus verschiedenen Ländern kennen zu lernen. Vor allem die asiatische Welt empfanden wir Westler in der Gruppe zuweilen schon als sehr fremdartig. Die größten Gegensätze scheinen zwischen USA und Japan zu existieren: Immer wieder zeigten sich völlig unterschiedliche Zielsetzungen und ein ganz anderes Selbstverständnis. Auch in diesem Fach mussten wir eine Hausarbeit abgeben, wobei wir zwischen verschiedenen Schwerpunkten wählen konnten. Ich wählte "HRM Issues in international Mergers and Acquisitions". Weit über 20 Referenzen kamen da zusammen, Berge an Literatur mussten abgearbeitet werden.

In CIBS (Comparative International Business Systems) wurden verschiedene landestypische Geschäftssysteme, wie etwa in USA, Japan, Korea, Deutschland oder Italien miteinander verglichen. Dabei wurde eindrucksvoll klar, wie sehr sich die Öffentliche Hand, die Arbeitnehmerschaft, Gesellschaftsformen, Gewerkschaften, Bildungssysteme, usw. auf die Geschäftstätigkeit von Unternehmen auswirken. Die besten Einblicke vermittelten dabei - neben den obligatorischen Präsentationen - einmal wieder die Informationen aus erster Hand von den Studenten selber (in unserer Gruppe sind 35 Nationen vertreten).

Schließlich gab es noch das Fach Operations Management and Decision Modelling. Hier lernten wir Forecasts, Supply Chain forward and backward, Inventory Management, Projektmanagement und vieles mehr. Unser Assignment bestand dieses mal darin, ein von uns ausgewähltes Unternehmen zu besuchen und dessen Geschäftsabläufe und Strategien auf einem A3-Poster zusammenzufassen. Die meisten Arbeitsgruppen gingen zu Brauereien (die sind hier auch besonders häufig vertreten), aber auch Friseure, die Feuerwehr, Arztpraxen und Kinos wurden besucht. Die Posters durften dann von der gesamten Klasse bewertet werden, was sogar einen kleinen Teil der Note ausmachte.

Ja, und nicht zu vergessen: Wir hatten auch in diesem Term wieder Personal Development und Sprachkurse, sowie die unvermeidliche Examenswoche am Ende des Terms...


Der Autumn Term

Am Montag, dem 30.9.2002, war es dann soweit: Wir hatten die erste offizielle Unterrichtsstunde - und man beglückte uns gleich zu Beginn mit Financial Accounting. Der zweite Paukenschlag, Statistik, folgte am selben Tag. Financial Accounting ist womöglich einer der wichtigsten Kurse - zusammen mit Managament Accounting und Corporate Finance im zweiten Term -, deshalb sollte man von Anfang an viel Zeit dafür investieren, da später Vieles auf diese Kurse aufbaut.

Am Montagnachmittag finden Tutorials statt, das sind Kleingruppen von 6 bis 8 Studenten, die über einzelne Themen aus den Studienfächern und das Design der Fallstudien diskutieren. Von der ersten Stunde an mussten wir hierbei einen Fall vor der Gruppe darstellen. Das hieß, dass jeder bis Weihnachten mindestens zwei Fälle abzuarbeiten hatte, welche in der Runde kritisch hinterfragt wurden. Dabei kam es auch schon mal zu hitzigen Diskussionen, denn da viele MBSler mehr als fünf Jahre Berufserfahrung aufzuweisen haben, war meistens mindestens einer dabei, der schon im gleichen Industriesektor schon gearbeitet hatte und die anonymisierten Firmen wiedererkannte.

Dienstags steht Economics, Organisational Behaviour und Marketing auf dem Stundenplan. Prof. Swann wurde letztes Jahr mit dem Teaching Award ausgezeichnet, und das merkt man auch: Bei ihm Volkswirtschaft zu hören macht einfach Spaß. Mitten im Term mussten wir eine Hausarbeit (5000 Wörter) zum Thema 'price discrimination' schreiben - sehr interessant, wie oft man eigentlich das gleiche Produkt zu einem Vielfachen des Normalpreises angeboten bekommt (z.B. Flugtickets oder Abonnements). In Organisational Behaviour lernt man vieles über Führungsstile, Motivation von Mitarbeitern oder auch politische Probleme in Firmen.

Das absolute Highlight am Dienstag aber ist Marketing mit Gordon Mandry - dem wohl besten Professor hier in Großbritannien. Seine Unterrichtsmethoden erinnern zwar etwas an die Bundeswehr (wer mehr als 5 Minuten zu spät kommt, fliegt raus; wer kurzzeitig einschläft, da er wieder mal die Nacht durchgearbeitet hat, wird unsanft geweckt und nach draußen befördert), und man glaubt gar nicht, wie schnell eine ganze Klasse ruhig sein kann, sobald der Professor den Raum betritt - so ruhig, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Auf der anderen Seite habe ich noch nie so viel von zwei Unterrichtsstunden mitnehmen können wie bei ihm, und das ging jedem so, er kennt die Marketingszene wie seine Westentasche. Wer nicht mitarbeitet im Unterricht, der wird so lange mit bohrenden Fragen bombardiert, bis er sich beim nächsten Mal freiwillig vorbereitet und alle Cases liest. Eine harte Schule, aber sehr effektive Wissensvermittlung.

Mittwoch gab es dann zur Abwechslung wieder Financial Accounting (natürlich mussten wir dafür immer Hausaufgaben machen, welche dann im Kurs abgefragt wurden), außerdem Management Information Systems, eine Informatikvorlesung mit Schwerpunkt vor allem auf der gehobenen Anwenderebene (wie z.B. SAP oder Information Retrieval Systems). Am Nachmittag stand dann Personal Development auf dem Plan - darauf werde ich in einem eigen Beitrag detaillierter eingehen.

Donnerstag markiert den offiziellen letzten Tag in der Woche. Auf dem Stundenplan steht Organisational Design - also welche Unternehmensstrukturen für welche Ziele am besten geeignet scheinen, wobei die unterschiedlichen Interessensgruppen in den Firmen mit einzubeziehen sind. Economics und Marketing runden den Tag ab.

Freitags ist "unterrichtsfrei" - oder besser gesagt: Fremdsprachentag. Jeder Student kann sich entsprechend fortbilden, dieses Jahr wurden mehr als 10 Sprachen angeboten. Ich habe mich mit Spanisch angefreundet.

In jedem Fach muss man pro Term ein bis zwei Präsentationen halten und meistens noch eine längere Hausarbeit schreiben, und für fast jede Stunde hat man einen Case vorzubereiten, wofür man schon mal einige hundert (!!) Seiten lesen muss... kurz: Man kommt ganz schön ins Schwitzen. So lernt man sehr schnell zu priorisieren, und manches überfliegt man dann einfach nur. Oft würde man sich etwas mehr Zeit wünschen, um auch alles im Detail zu verstehen, doch darum geht es hier nicht unbedingt - die immense Workload hat System und ist wohl typisch für die meisten MBA-Kurse, um Stress-Situationen der Arbeitswelt abzubilden.. Wochenenden oder Abende zum Bummeln und Genießen gibt es kaum.

Noch kurz zur Examenswoche: In einer Wochen werden alle Fächer in jeweils 3-stündigen Klausuren abgefragt - das war schon eine große Umstellung vom Deutschen System! Allerdings hilft man sich hier gegenseitig, es werden 'study groups' gebildet, in denen man gemeinsam lernt, oder man verteilt Zusammenfassungen von Büchern und Mitschriften von Vorlesungen. Im Schnitt kommt man während der Woche auf 2 bis 3 Stunden Schlaf pro Nacht, danach ist man total ausgepowert. Beim ersten "Heimaturlaub" über Weihnachten habe ich erst mal einen ganzen Tag lang geschlafen...

Und wer nun gedacht hatte, dass die Weihnachtspause den Namen auch verdient hätte, der wurde eines Besseren belehrt: Es mussten wieder Essays geschrieben werden - Abgabe am 6.1.2003 um 9 Uhr...


Die Einführungswochen

Mit einiger Verspätung möchte ich heute von den Einführungswochen im letzten September berichten.

Das MBA-Programm startete mit einer Führung durch die Schule, einschließlich Computer Lab und Library, gefolgt von einem zwanglosen ‚Get-together'. Jeder Student erhielt einen Laptop von Toshiba - nicht gerade ein High-end-Gerät (schon gar nicht für einen Informatiker...) aber ganz OK, um damit Reports zu schreiben und Präsentationen zu halten, und mit CD-Brenner ausgestattet.

Sonst gab es in der ersten Woche nicht viel zu tun, abgesehen von dem bürokratischen Kleinkrieg mit den Banken: Ich musste ein Konto einrichten, um die fällige Zahlung der Studiengebühren anzuweisen; allerdings verweigerte man mir als ‚overseas student' die Kreditkarte. Überhaupt sollte man sich sehr schnell um ein Konto und eine ‚Switch-Card' (wie eine EC-Karte) bemühen, denn es dauert eine Weile, bis die Banken diese zur freien Verfügung stellen. Außerdem kann man sich auch bereits um ein Darlehen kümmern, falls man eine Finanzierungslücke hat; HSBC hat hier wirklich gute Konditionen zu bieten.

Nach dieser eher administrativen Woche hatten wir einen Auffrischungskurs in Mathematik und vor allem Statistik, der uns einen kleinen Vorgeschmack auf die kommenden Semester gab. Kein Grund zur Beunruhigung, gutes Abiturniveau reicht völlig. Trotzdem tut der Auffrischungskurs gut, da man so auch die englischen Fachtermini kennen lernt.

Die zweite Woche war etwas anstrengender für mich: Financial Accounting. In einer Woche Crashkurs bekommt man die komplette Buchführung vermittelt, natürlich gespickt mit jeder Menge Hausaufgaben. Dem, der keine Ahnung vom Thema hat, sei angeraten, sich schon vorher etwas fit dafür zu machen: Gerade für Naturwissenschaftler waren es teilweise böhmische Dörfer - und das auch noch in Englisch.

Ganz übel waren die Humanisten unter uns dran - kaum mathematische Vorbildung, und dazu noch nie was von einem ‚balance sheet' oder einem ‚profit-and-loss account´ gehört. Gott sei Dank gab es jede Menge Kommilitonen, welche schon einschlägige Berufserfahrung im Finanzwesen mitbrachten und daher weiterhelfen konnten.

Übrigens waren diese beiden Einführungswochen für uns noch freiwillig. Ab dem nächsten Jahrgang sollen sie Teil des Pflichtprogramms werden, was auch sinnvoll ist: In diesen Wochen frischt man sein Englisch auf und knüpft die ersten Kontakte mit seinen Mitstudenten.

Nun zum absoluten Highlight der Einführungswochen: dem ‚Outdoor Training' in Brathay. Diese Ortschaft liegt im 'Lake District', und das ist sicherlich einer der landschaftlich schönsten Gegenden in England, mit kleinen Bergen und Seen, die zum Wandern einladen. Das durften wir denn auch tun: In der Mathematikwoche hatten wir einen sogenannten ‚Bellbin-Test' gemacht, auf Basis dessen wir in Gruppen von ca. 10 Leuten eingeteilt wurden. Dabei werden nach der Belbin-Mthode neun Teamrollen unterschieden:

o 3 action-oriented roles - Shaper, Implementer, Completer Finisher
o 3 people-oriented roles - Co-ordinator, Teamworker, Resource Investigator
o 3 cerebral roles - Plant, Monitor Evaluator, Specialist.

Jedes Teammitglied hat seine spezifischen Stärken und füllt eine oder mehrere Rollen aus. In unserem Fall gehörten zum Team zwei Coordinators und zwei Shapers, was unweigerlich zu Kompetenzgerangel führte. (Allerdings erfuhren wir erst am letzten Tag des Outdoor-Trips erfahren, dass die beiden so eingestuft worden waren.)

Kaum in Brathay angekommen, mussten wir uns in Rettungswesten zwängen und zu jeweils fünft mit Ruderbooten raus auf einen großen See. Dort mussten wir Ziele anrudern und gewisse Merkmale prüfen, immer mit der Vorgabe, zu einem bestimmten Zeitpunkt zurück am Ufer zu sein.

Und was passiert natürlich dann bei einer Gruppe von engagierten MBAlern? Viel zu große Erwartungen, die Ziele wurden zwar angerudert - allerdings hat keines der Boote in der vorgegebenen Zeit das Ufer erreicht, und somit mussten fast alle Gruppen ihre Bonuspunkte, die sie mit dem Erreichen der Ziele errungen hatten, wieder abgeben... Das war eine interessante Lektion in Sachen Vorab-Planung und realistische Selbsteinschätzung.

Auch bei den anderen Übungen machten wir sehr interessante Erfahrungen, vor allem die, sich auf seine Teamkollegen verlassen zu müssen. Beispielsweise wurde zwischen drei Bäumen in 12 Metern Höhe ein Drahtseil in Form eines V gespannt, auf dem man sich - gegenseitig abgestützt - so lange wie möglich auf den immer weiter auseinander laufenden Schenkeln des V vorwärts bewegen musste. Ein anderes Mal war auf einem etwa 1 cm breiten und 25 Meter langen Mauersims eine ganze Gruppe zur gegenüber liegenden Seite zu bringen, wobei eine andere Gruppe den Weg kreuzt. Und dergleichen mehr.

Brathay diente vor allem dazu, den Teamgeist zu stärken und die eigenen Stärken und Schwächen (wie auch die der Teamkollegen) kennen zu lernen. Für manchen ergab sich dabei Überraschendes - im Positiven wie auch im Negativen...

Am letzten Tag des Outdoor Trainings gab es einen Competition Day, bei dem wir unsere Teamfähigkeit im Wettbewerb mit den anderen Teams unter Beweis stellen konnten. Außerdem bekamen wir individuelles Feedback von unseren Coaches, das für die Zukunft im MBA-Programm sicherlich noch sehr hilfreich sein wird.


Tagesablauf MBS

07:45
Aufstehen, ab unter die Dusche, schnell ein Müsli gemacht und den Rucksack für die Schule gepackt.

09:00
Da ich zur Uni nur über die Strasse muss, komme ich immer erst 5 Minuten vor Vorlesungsbeginn an. Checke nur kurz mein ‚pidgeonhole', ob nicht schon wieder ein ganzer Packen Literatur oder Cases verteilt wurde, und hole mir die Financial Times. Dann geht's gleich in die erste Vorlesung: Management Accounting. Prof. Ali Nasralla geht mit uns die Hausaufgaben durch und diskutiert die schwierigen Punkte an. Bei ihm ist aktive Mitarbeit gefragt: Er notiert sich jede Meldung auf einem kleinen Zettel, ‚class participation' macht bei ihm 10 Prozent der Note aus.

10:30
Kaffeepause. Die ganze Klasse trifft sich entweder an einer der beiden Coffeebars oder im Computerlab. Der Kaffee tut gut und schmeckt! Dazu ein Cookie, und die Welt sieht gleich ganz anders aus.

11:00
Zweite Unterrichtsstunde: Corporate Finance. Ziemlich trocken, da viele Formeln - aber im letzten Drittel stellt Prof. Ismail Ertürk einen Case vor, und so allmählich dämmert uns, wofür man so was wie "discounted cash flow", "net book value" oder "internal rate of return" gebrauchen kann. Außerdem gibt uns der Prof heute Hinweise auf den individuellen Case, den wir in drei Wochen einreichen müssen. Diesmal heißt er "Airbus A3XX", und es geht um die Entscheidung ob der Superjumbo gebaut werden soll oder nicht.

12:30
Mittagspause. Einige gehen in die Kantine, manche holen sich nur ein Sandwich und essen dazu ‚Crisps' (Chips). Ich gehe kurz nach Hause und wärme mir mein Essen von gestern Abend auf. Bin zum großen Teil Selbstversorger - da weiß man wenigstens, was man hat, und besser schmecken tut's auch.

13:30
Comparative International Business Systems. Eine Gruppe von sechs Kommilitonen präsentiert einen Case, der die Innovationskraft des Silicon Valley mit anderen Clustern wie z.B. MITI in Japan vergleicht. Dabei gehen sie - gemäß Aufgabenstellung - vor allem auch auf die kulturell bedingten Unterschiede in der Haltung der Neugründer and Banken (Financiers) ein. Eine rege Diskussion schließt sich an, die Klasse fragt bei Unklarheiten hartnäckig nach.

15:00
Kaffeepause. Die hab ich auch bitter nötig - der tote Punkt am Nachmittag macht sich bemerkbar!

15:30
Letzte Vorlesung: Human Resource Management. Es gibt wieder eine 20 minütige Präsentation ("Global HRM bei BP versus Nissan"), Diskussion und danach Vorlesung über Expatriates - Mitarbeiter, die von der Zentrale zur lokalen Niederlassung geschickt werden - mit allen 'Dos and Don'ts'.

17:00
Offizielles Ende. Ich treffe mich kurz mit meiner Gruppe von Operational Management. Wir haben die Aufgabe, nächste Woche eine Firma unsere Wahl zu besuchen und ihre Geschäfts-/Produktionsprozesse auf einem Poster der ganzen Klasse vorzustellen (wird natürlich benotet). Wir sind uns noch nicht ganz einig, zu welcher Firma wir gehen wollen - in der Diskussion sind Kellogg's, Tony&Guy und eine Zahnarztpraxis. Anschließend beantworte ich schnell noch ein paar e-Mails, dann heißt es nach Hause und umziehen: Ford hat eingeladen, es geht um Jobs und Internships (Praktika), der Dress-Code lautet "smart casual".

18:30
Ford Motor Company liefert eine sehr gelungene Firmenvorstellung. Fast jede Woche kommen die Vertreter verschiedener interessanter Firmen zur Uni, um ihre Unternehmen als potenzielle Arbeitgeber vorzustellen - bisher waren beispielsweise Deloitte & Touche, Barclays, HILTI, BASF und A.T. Kearney darunter.

20:00
Gesponsortes Abendessen mit Stehempfang - eine willkommene Gelegenheit, persönliche Kontakte zu knüpfen. Danach geht es heim, ich muss noch ein paar Aufgaben für Corporate Finance lösen.

22:00
Letztes Treffen mit einer Study-Group. Wir gehen durch alte Exam-Papers und hoffen, durch Fokussierung den Lernaufwand etwas reduzieren zu können. Außerdem diskutieren wir kulturelle Unterschiede zwischen China und dem Westen - der Gruppe gehören zwei Inder, ein Hongkong-Chinese, ein Japaner und ein Deutscher an.

00:30
Endlich wieder im Zimmer. Allerdings ist der Tag immer noch nicht vorüber, ich habe noch ein Kapitel für International Business und einen Case für Strategy zu lesen. Zu dieser Zeit greife ich gerne des öfteren zur braunen koffeinhaltigen Brause...

03:00
Jetzt aber Schluss. Ich schmökere vor dem Einschlafen noch etwas in einer Computerzeitschrift und freue mich auf den nächsten Tag...

So weit zum ganz normalen Arbeitstag an der MBS. Daneben gibt's natürlich noch einiges Andere - beispielsweise das so genannte Personal Development, bei dem man in Interviewtechniken oder Verhandlungsfähigkeiten getrimmt wird. Donnerstags um 17:30Uhr ist Happy Hour in der MBS Bar, da treffen sich sehr viele Studenten, um die Woche ein wenig zu feiern. Der Freitag ist meist vorlesungsfrei, bis auf Sprachunterricht (ich lerne Spanisch).

Das Wochenende ist dann auch weitgehend mit Lernen ausgefüllt, und man kann die Gelegenheit nutzen, die eingerosteten Glieder endlich wieder etwas zu bewegen... Viele gehen zum Golfen, das ist herrlich entspannend.

Ein Highlight sind die Mottoparties: Etwa alle drei Wochen organisiert eine andere Gruppe eine Feier, z.B. Ende Januar war Chinese Festival, im November indische Diwali Night, .... - immer nach der Devise: "Work hard, play hard"!


Liebe Leserin, lieber Leser,
seit September 2001 bin ich hier an der Manchester Business School. Einen Kommentar aus unserer Einführungswoche habe ich immer noch im Ohr: "Wenn Sie diese 18 Monate hinter sich haben, sind Sie ein anderer Mensch". Große Worte - ich bin gespannt, ob sie sich bewahrheiten werden. Auf jeden Fall werde ich an dieser Stelle regelmäßig über meine Erfahrungen berichten.

Worum geht's eigentlich beim MBA? Was bringt er einem Teilnehmer persönlich, welche Chancen eröffnen sich dem Absolventen - und was wird umgekehrt von ihm erwartet? Auf diese Fragen will ich mit meinen Beiträgen Antworten liefern.

Falls Ihr Rückfragen habt, mailt bitte an adietel04@man.mbs.ac.uk. Ich werde mich nach Kräften bemühen, alle zu beantworten. Ansonsten kann ich die Website meiner Business School: http://www.mbs.ac.uk zum Stöbern empfehlen.

Zu Beginn ein paar Hintergrundinformationen über mich: Ich bin in Oberfranken geboren und - bis auf zwei Jahr in El Paso, Texas - in der Nähe von München aufgewachsen. An der TU München habe ich mein erstes Studium als Diplom-Informatiker (Universität) abgeschlossen, Nebenfach Theoretische Medizin. Während des Studiums habe ich bei verschiedenen Firmen als Freelancer und Consultant gearbeitet, primär in den Bereichen Datenbank-Programmierung, Network Administration, CAD-Postprozessor-Entwicklung und Schulungen für Mitarbeiter und Führungskräfte von mittelständischen Unternehmen.

Nach dem Studium ging ich zu Siemens als Systemprogrammierer für Digitale Vermittlungsstellen. Nach all der Arbeit mit Mittelständlern wollte ich auch mal die Luft eines Großkonzerns schnuppern. Schon der Einstieg war recht spannend, denn in unserem Projekt ging die Entwicklung weltweit vonstatten: Am Morgen übernahmen wir von unseren Kollegen in Indien (Bangalore), am Abend übergaben wir an die Kollegen in Florida (Boca Raton), die nach ihrem Arbeitstag wiederum an Bangalore übergaben. Nach wenigen Monaten wurde ich dann zum Consultant für ganze Entwicklungsbereiche befördert und durfte - ebenfalls länderübergreifend - neueste Softwaretechniken einführen. Und die letzten 14 Monate war ich Mitglied einer Business Development Gruppe, verantwortlich für die Geschäftsplanung von Breitbandnetzen und die Akquisition von Start-ups in den USA, um daraus ein neues Unternehmen zu "bauen". Als Youngster des Teams konnte ich faszinierende Erfahrungen sammeln. Besonders beeindruckt war ich von den Visionen der Start-up CEOs - dieses 'Leuchten in den Augen' sieht man halt im Großkonzern eher selten...

Gerade als wir in den USA ‚Unisphere Solutions' gegründet hatten, bekam ich ein sehr interessantes Angebot: In einem Biotech-Start-up bei München sollte ich echte Aufbauarbeit leisten. Ich wurde als rechte Hand des CEO eingestellt, erhielt Prokura und war verantwortlich für den Aufbau eines CRM (Customer Relationship Management)-Teams, eines Sales Back-office, des Marketings, der Website, der IT-Infrastruktur sowie der gesamten weltweiten Logistik für den Versand von Gewebeproben. Außerdem schrieb ich ein Biotechnologie-Patent. Nachdem zwei Ex-McKinseys in den Vorstand berufen wurden - einer davon mit einem MBA von Kellogg -, wurde mir schnell klar, dass ein MBA fuer einen Informatiker die ideale Ergaenzung ist, um Management-Fähigkeiten zu erwerben. Sie bestärkten mich in meinem Vorhaben, und so suchte ich nach der ‚richtigen' Business School.

Anfangs orientierte ich mich sehr an den Rankings, doch bald wurde ich skeptisch, was die Bewertung einiger Schulen betraf. Die Bewertungskriterien, je nach Herausgeber, sind nicht gleich, da kann es schon passieren, dass das Ranking einer Schule um 10-15 Plätze variiert. Klar war für mich, dass ich eine TOP 50-Schule im FT-Ranking besuchen wollte. Neben einer US Schule - Berkeley - bewarb ich mich vor allem bei europäischen Schulen, denn zwei Dinge waren mir besonders wichtig: die Internationalität von Studentenschaft und Programm und ein klarer Schwerpunkt bei 'Entrepreneurship'. Bei INSEAD (sehr internationales Programm) schaffte ich leider die letzte Runde nicht, Berkeley sagte ohne Begründung ab. Von IE (Spanien) habe ich eine conditional offer erhalten - aber da war stand für mich schon fest, dass es nach Manchester geht. Die MBS stand auf meiner Liste ebenfalls ganz oben, da es hier einen Business Incubator gibt und die 150 Studenten aus 35 Nationen kommen.

Aus dem Bewerbungsprozess habe ich vor allem eines gelernt: Der GMAT ist eines der wichtigsten ‚Sieb-Kriterien'. Falls man in USA oder an einer TOP 15 Schule studieren will, benötigt man schon 700 Punkte. Einige wenige Schulen - wie eben die MBS - legen mehr Wert auf den beruflichen Werdegang oder das Auftreten beim Interview. Im Übrigen hat die MBS den bei weitem professionellsten Bewerbungsprozess gehabt - freundlich, unbürokratisch und eine sehr schnelle Entscheidungsfindung. Nach den Interviews hatte ich am nächsten Tag die Offerte per Mail auf dem Tisch.

Neben der internationalen Ausrichtung ist ein weiteres klares Plus der MBS die so genannte 'Manchester-Methode':Sie umfasst gruppenbasiertes Lernen, Projekte ausserhalb der Schule, die Möglichkeit, auf Austausch an 50 Schulen weltweit zu gehen, sowie mindestens ein dreimonatiges internationales Projekt. In ständig wechselnden Gruppen, welche zu verschiedene Themen Präsentationen halten müssen, bekommt man den besten Eindruck von verschiedenen Kulturkreisen und deren typischen Verhaltensweisen. Das kann zeitweise sehr anstrengend sein, macht aber auch enorm viel Spaß. Mit knapp 23% machen die Briten an der Manchester Business School die größte Gruppe aus; zweit größte Gruppe ist allerdings die Gruppe aus China, gefolgt von den Japanern. Aus Deutschland kommen in diesem Jahr drei der Studenten. Das MBA-Programm teilt sich in verschiedene Abschnitte auf: Das erste halbe Jahr ist ein sehr intensives ‚Grundstudium' mit vorgegeben Fächern; danach macht man ein M&A oder ein Interdisziplinäres Projekt, ein 'Business Environment Projekt' sowie eine 10 wöchige 'Internship' bei einer Firma und belegt Wahlfächer. Ab Herbst kann man sich entscheiden, ob man an auf Austausch zu einer anderen Schule gehen will, ein 'Entrepreneurial Project' startet oder eine internationale Studie verfasst. Die letzten drei Monate stehen im Zeichen des ‚International Business Project': Vor allem Großkonzerne nehmen gerne unsere Hilfe als Consultants an, und man kann hier schon nebenbei gutes Geld verdienen.

Zu den Kosten: Die reinen MBA-Gebühren liegen bei £22000 (der Preis ist allerdings für das nächste Jahr angehoben worden); daneben muss muss man pro term (drei Monate) ungefähr mit £500 an Büchern rechnen. Hinzu kommt die Miete für eine Studentenwohnung, die nicht gerade billig ist: Ich zahle pro Woche ungefähr £95 für 17qm, und das ein Jahr im Voraus. Generelle sind die Lebenshaltungskosten viel höher als in Deutschland, zumal wenn man Wert auf gutes Essen legt und damit zum Selbstversorger wird. Mit £50 die Woche nur für Grundnahrungsmittel muss man schon rechnen. Essen gehen und Pub-/Discobesuche sind auch sehr kostspielig - aber dafür hat man kaum Zeit :-).

Die ersten Eindrücke von der Business School sind überwiegend positiv, es gab keine unangenehmen Überraschungen. Allerdings - mit einem Arbeitsaufwand von sieben Tagen die Woche im Schnitt ca. 5 Stunden Schlaf pro Nacht hatte ich wohl nicht ganz gerechnet... Das ist schon etwas ganz Anderes als an einer deutschen Universität. Der Druck ist enorm hoch, aber dafür sind der Lerneffekt und das Gemeinschaftsgefühl um einiges intensiver. Doch mehr davon später.

Im nächsten Beitrag werde ich von den Einführungswochen vor dem eigentlichen MBA berichten: eine Woche Mathematik und Statistik, eine Woche Financial Accounting und eine Woche Outdoor Training - ‚Teambuilding'.

Viele Gruesse aus Manchester,
Alfred Dietel

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