Manchmal ist die Gier zu groß
Börsen-ABC: Block Trades - Die diskrete Art, große Geschäfte zu machen

Seit dem Streit um den Verkauf der T-Aktien durch die Deutsche Bank ist der "Block-Trade", also der Verkauf eines großen Aktienpakets, in aller Munde.

dpa-AFX FRANKFURT. Das größte deutsche Finanzhaus hatte über vierzig Millionen Papiere der Telekom im Kundenauftrag platziert und so nach Ansicht vieler Experten für den darauf hin folgenden Kurssturz gesorgt. Stand der Kurs am Tag vor dem Block-Trade noch bei 24,21 Euro (Dienstag, 7.August), sackte er in der Spitze bis auf 18,75 Euro (Freitag, der 10. August) ab.

"Block Trades" sind keine Seltenheit

Dabei sind Block-Trades durchaus nichts Ungewöhnliches. Immer dann, wenn ein Großaktionär Aktien in hoher Stückzahl verkaufen möchte, geht er in der Regel nicht den üblichen Weg. Denn das Platzieren größerer Stückzahlen auf dem Parkett würde insbesondere an schwachen Handelstagen die allgemeine Nachfrage bei weitem übersteigen und so den Kurs in die Knie zwingen. Ein großes Paket kann also nur als ganzes zu einem ausgehandelten Preis außerbörslich sinnvoll verkauft werden. Da die Kundschaft für solche Großpakete jedoch eher spärlich gesät ist, treten in der Regel Finanzinstitute, wie etwa die Deutsche Bank als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer auf.

"Das ist an sich ein gutes Geschäft für alle beteiligten Parteien", erläutert ein Frankfurter Händler. "Der Verkäufer wird sein Paket zu einem guten Preis los, der Käufer kann ein großes Paket zu einem guten Preis kaufen und die Bank kassiert letztlich eine saftige Provision".

Absolute Diskretion ist zwingend erforderlich

Ein erfolgreicher Block-Trade ist aber nur bei Wahrung absoluter Diskretion möglich. "Erfährt der Markt von solchen Großverkäufen, vermuten die Anleger sofort, dass mit dem Wert irgendetwas nicht in Ordnung sein kann", sagt der Händler. Dies treffe jedoch oft gar nicht zu. "Da braucht halt einer viel Bargeld, weil er dies oder das kaufen möchte oder einfach nur seine Schulden begleichen muss." Der Markt nehme jedoch nur das Gerücht über einen großen Verkauf wahr. "Das macht dann die Runde, worauf sich dann immer mehr vorsichtige Anleger erst einmal von den Papieren trennen", so der Broker. "Der Kurs fällt darauf in den Keller, was dann natürlich nicht mehr im Interesse des Käufers ist."

Das gilt aber nur dann, wenn der Verkaufspreis bereits ausgehandelt ist. "Bevor der Preis fest steht, könnte der Käufer auf die Idee kommen, den Börsenkurs zu drücken, um das Paket günstiger kaufen zu können", erläutert der Börsianer. Da solche Kursmanipulationen jedoch am Markt nur selten unbemerkt blieben, sei die Gefahr sehr groß, dass die ganze Sache auffliegt. "Dann sickert der Großverkauf durch und der Kurs bricht ein. Der Käufer sitzt sodann auf einem großen Paket Aktien, die nun jedoch weit unter seinem Einstiegspreis notieren."

In der Regel funktioniere ein Block-Trade ziemlich problemlos. "Manchmal jedoch ist die Gier nach Profit einfach größer als der Verstand. Im Fall der Deutschen Telekom wird das wohl auch mal wieder der Fall gewesen sein", bemerkt der Händler.

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