Manfred Kohnke ist der Chef der deutschen Feinschmeckerbibel „Gault Millaut“
Wie fühlt man sich eigentlich, Herr Kohnke...

als Chefredakteur eines Restaurantführers vor dem Erscheinen der nächsten Ausgabe, wenn sich im Vorjahr ein Spitzenkoch nach seiner Herabstufung durch einen Guide das Leben genommen hat?

Der Tod eines Menschen, den man gern gekannt hat, berührt einen immer sehr. Menschlich bin ich vom tragischen Selbstmord Bernard Loiseaus, des liebenswürdigsten Kochs in Burgund, tief berührt - beruflich hingegen nicht. Seinen Tod haben nur zwei Köche, die zu all und jedem ihren Senf dazu geben müssen, mit großem Bohei in Zusammenhang mit dem "Gault Millaut" gebracht - der große alte Paul Bocuse in Lyon und Vincent Klink in Stuttgart. Die Witwe Loiseaus erwähnte in ihren öffentlichen Mutmaßungen unseren Guide weder direkt noch indirekt. Die Kritik eines Gastes oder Restaurantführers ist ja stets nur das Echo dessen, was ihnen aus der Küche entgegenschallt. Für den Ruf oder gar Ruin eines Hauses ist also nicht die Kritik,sondern der Gastronom verantwortlich.

Beruflich fühle ich mich wohl, denn unser neuer Guide spiegelt die Lage der Gourmandise in Deutschland und den Nachbarländern wider: Die Besten werden besser, im Verfolgerfeld schlaffen viele - zumeist auf Grund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage - ab. Das grenzt zwar die Auswahlmöglichkeiten der Gäste ein, aber sie bekommen in den verbleibenden Restaurants einen höheren Gegenwert. Auf Köche, die keinen Stil, sondern nur Modebewusstsein haben, fallen weder die Gäste, noch Michelin oder Gault Millau herein.

Die Frage stellte Claudia Tödtmann

*Manfred Kohnke ist der Chef der deutschen Feinschmeckerbibel "Gault Millaut", der einmal im Jahr erscheint und seinen Favoriten in der Gastronomie Hauben vergibt.

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