"Mangel an Geschichtsbewusstsein" vorgeworfen
Israelische Diplomaten weisen Kritik Blüms zurück

Israelische Diplomaten haben die Kritik des CDU-Politikers Norbert Blüm an der Regierung in Jerusalem in deutlicher Form zurückgewiesen. Der israelische Botschafter in Berlin, Schimon Stein, sagte, Aussagen wie die des ehemaligen Bundesarbeitsministers seien "nichts weiter als oberflächlich, einseitig und zeigen einen Mangel an Geschichtsbewusstsein".

WiWo/ap HAMBURG/MÜNCHEN. Sein Amtsvorgänger Avi Primor sagte, Blüm erhebe den falschen Vorwurf von Kriegsverbrechen. Stein sagte der "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe), er weise die Äußerungen Blüms entschieden zurück. Primor erklärte der Münchner Tageszeitung "tz" (Donnerstagausgabe), was Blüm gesagt habe, schmerze ihn "weitaus mehr als das, was (FDP-Vize Jürgen) Möllemann gesagt" habe.

Er fügte hinzu: "Dass Möllemann kein Freund Israels ist, wissen wir seit Jahren. Von dem konnte man nichts anderes erwarten." Blüm hingegen sei immer ein "sehr ehrlicher und treuer Freund Israels" gewesen. Primor äußerte die Vermutung, dass Blüm von anderen in die Irre geleitet worden sei: "Er unterstellt uns Kriegsverbrechen. Ein Vorwurf, der einfach nicht stimmt."

Blüm hatte in einem "Stern"-Interview erklärt, er könne in den Aktionen der israelischen Militärs gegen die Palästinenser keinen Abwehrkampf gegen den Terrorismus sehen, "sondern nur Vernichtung". Er kritisierte ebenfalls die Politik von Ministerpräsident Ariel Scharon und sagte, der Vorwurf des Antisemitismus werde "auch als Knüppel benutzt, um jeden Hinweis auf die Missachtung der Menschenrechte totzumachen". Bereits am Dienstag hatten der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, die Äußerungen Blüms kritisiert.

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