Mangel an Ingenieuren und Handwerkern
Erneuerbare Energien im Aufwind

Windenergie ist die am schnellsten wachsende Energiequelle. Darin sind sich alle derzeitigen Prognosen einig. Zugleich zeichnet sich in Deutschland für die Windbranche ein Fachkräftemangel ab.

HAMBURG. Der Ausbau der Windenergie wird rasant voranschreiten. Bis zum Jahr 2010 kann in Deutschland mit rund 20 000 MW installierter Leistung an Land und 2 400 MW auf See gerechnet werden, gegenüber derzeit 8 700 MW an Land und keinerlei Offshore-Anlagen. Weltweit werden dann 120 000 (25 000) MW installiert sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie das Deutsche Windenergie-Institut (DEWI) im Vorfeld der neuen Fachmesse Wind Energy in Hamburg (18.-21. Juni). Nach dem deutschen Rekord in 2001 mit 2 659 MW installierter Leistung werden in diesem Jahr 2 900 MW erwartet. Dies entspräche 2,9 Mrd. Euro Umsatz der Hersteller.

Auf Grund der politischen Zustimmung zur Windenergie wagt das DEWI für Deutschland sogar eine Prognose bis 2030. Dann könnten 21 000 MW in Windparks an Land und 26 000 MW in Offshore-Feldern aufgebaut sein, die jährlich 130 Terrawattstunden Strom erzeugen. Dies wären 28 % Anteil an der geschätzten Stromerzeugung.

Angesichts des rasanten Wachstums der Branche warnt der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) bereits vor einem Fachkräftemangel. Bis 2010 prognostiziert er, dass die Zahl der Arbeitsplätze in dem Bereich von derzeit gut 120 000 auf bis zu 300 000 ansteigen werden. Gesucht würden Ingenieure und Techniker aus Maschinenbau und Elektrotechnik. Zudem seien Handwerker gefragt.

Bereits jetzt profitieren viele Unternehmen , wie die Plambeck Neue Energien AG, die P&T Technology AG oder die Farmatic Biotech Energy AG vom Boom. Windparkentwickler und-betreiber, die sich stark im Ausland engagiert haben, mussten dagegen zurückstecken. So die Umweltkontor Renewable Energy AG und die Bremer Energiekontor AG. "Energiekontor enttäuscht", konstatiert Claudia Erdmann von der Hamburgischen Landesbank. Es zeige sich, wie schwer es sei, zugekaufte Windparkprojekte im Ausland durchzusetzen und das Wachstum organisatorisch zu bewältigen.

Vor diesem Hintergrund werden sich die Bremer wieder auf die eigene Akquisition von Standorten konzentrieren. So wird jetzt ein Umsatzwachstum von 30 bis 40 % angepeilt, anstelle der zuvor genannten Verdoppelung. Hinzu kommt ein hausgemachtes Problem: Als erster Windparkbetreiber hat Energiekontor alle Anteile eines Windparks, der den Prognosen nicht entsprach, von den Gesellschaftern zurückgekauft. Zwei weitere Parks stehen vor der Rückabwicklung. Mit derartigen Problem hat P &T nicht zu kämpfen. Das Unternehmen liege mit 191,5 Mill.Euro Umsatz im Plan. Jedoch sieht HLB-Analystin Erdmann noch Nachholbedarf bei der Profitabilität.

Für 2002 peilt P&T-Vorstandsvorsitzender Jens Peters eine Umsatzverdoppelung auf 400 Mill. Euro an. Das angekündigte Ebit von 23 Mill. Euro verhieße aber nur eine Ebit-Marge von 5,75 %. Langfristig positiv sieht Claudia Erdmann aber die 55-prozentige Beteiligung von P&T am Emissionshaus für Erneuerbare Energien EECH .

Plambeck verdoppelte 2001 die Gesamtleistung auf 206 Mill. Euro und will 2002 das Wachstum fortsetzen. Wenn jemand sage, dass Plambeck um 50 % bei Ertrag und Umsatz zulegen werde, dementierte er dies nicht, so Vorstandschef Wolfgang von Geldern.

Umweltkontor hat in diesem Jahr die Ziele nicht erreicht, plant aber für das laufende Geschäftsjahr bei Umsatz und Ergebnis eine Steigerung von 30 bis 50 %. Erste Umsatz- und Ergebnisbeiträge der europäischen Tochtergesellschaften seien jedoch erst ab 2003 zu erwarten. Für Henrik Lier von der WestLB Panmure gibt jetzt noch einige offene Fragen bei der Auslandsexpansion und der Realisierung der Biomasseprojekte.

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