Mangel an Innovationen hält Kunden vom Neukauf ab
Hintergrund: Schwacher PC-Markt in USA und Europa

Zum ersten Mal seit 15 Jahren werden die amerikanischen Hersteller von Personalcomputern in diesem Jahr wohl weniger Geräte verkaufen als im Vorjahr. Ein starker Einbruch der Nachfrage zwingt die führenden PC-Hersteller wie die Compaq Computer Corp. und die Hewlett-Packard Co. dazu, Tausende von Mitarbeitern zu entlassen. Auch in Westeuropa sank der Verkauf zum ersten Mal. Laut Dataquest-Analyst Thomas Reuner verbuchte der deutsche Markt das schlechteste Ergebnis seiner Geschichte.

PAOLO ALTO/DÜSSELDORF. Mit zweistelligen Wachstumsraten haben die PC in den vergangenen Jahren stets den Technologiesektor vorangetrieben - damit scheint vorerst Schluss. Das signalisieren die jüngsten Zahlen der Marktforscher, die im August 2001 veröffentlicht wurden.

Sogar der Marktführer Dell Computer Corp., der mit seinem direkten Vertriebsmodell bisher die wechselnden Absatzzyklen besser meistern konnte als die Konkurrenten, musste Kündigungsschreiben verteilen.

Die jüngsten Verkaufszahlen verheißen wenig Gutes. So verkauften sich nach ersten Hinweisen der Marktforscher von NPD Intelect neue PC während des wichtigen "Back-to-School"-Verkaufs zum Schulbeginn in den USA in diesem Jahr im Vergleich zu den beiden Vorjahren eher schlecht. Die Marktforscher schieben das unter anderem auf das Fehlen so genannter Killer-Applikationen - der Anwendungen, die die Kunden zur Anschaffung eines neuen Computers zwingen. Die derzeit extrem niedrigen Preise - in den USA gibt es gute Geräte für deutlich unter 1000 $ - reichen als Kaufanreiz nicht aus.

Dies gelte sowohl für den Verbrauchermarkt als auch für die Unternehmen. Besonders stark zurückgegangen ist die Nachfrage von Geschäftskunden. Angesicht scharfer Sparmaßnahmen in allen Branchen werden derzeit alte PC aufgerüstet statt neue Rechner gekauft. Die meisten Anwendungen in den Unternehmen laufen in ihrem Kern auf den Zentralrechnern des internen Netzes, den Servern; einen Grund, die direkte Rechnerleistung am Arbeitsplatz zu erhöhen, gibt es praktisch nicht.

Nach Angaben der Marktforscher der International Data Corp. (IDC) erneuern Unternehmen heute im Durchschnitt erst nach mehr als vier Jahren einen PC. Ende der 90er Jahre lag dieser Wert noch bei drei Jahren. Vor diesem Hintergrund rechnen die IDC-Analysten im laufenden Jahr weltweit mit einer Stagnation des PC-Marktes.

Einer der wichtigsten Gründe für die derzeit mangelnde Attraktivität ist nach Ansicht der Analysten die geringe Innovationsbereitschaft der PC-Hersteller. Angeregt vom erfolgreichen Direktvertriebsmodell von Dell haben die führenden Hersteller in den vergangenen zwei Jahren eher in kostengünstige Fertigungs- und Vertriebswege als in neue Geräte investiert. Dell selbst ist in der Branche für seine geringen Ausgaben für Forschung und Entwicklung bekannt. Die Texaner und mit ihnen nun auch alle anderen Hersteller überlassen das Thema Innovation fast ausschließlich dem Softwarekonzern Microsoft Corp. und dem Chiphersteller Intel Corp. Beide geben in diesem Jahr zwischen vier und fünf Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus.

Aber auch in Westeuropa ist der Verkauf von Personalcomputern im zweiten Quartal des laufenden Jahres zum ersten Mal gesunken. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner Dataquest wurden sechs Millionen PC verkauft, 4 % weniger als in der gleichen Vorjahreszeit. Dies lag vor allem am schwachen Konsumentenmarkt, während der Geschäftskundenbereich stabiles Wachstum zeigte.

In Deutschland lag der Absatz im zweiten Quartal um 11,9 % unter dem Vorjahr. "Deutschland ist mit 1,3 Millionen verkauften PC aber immer noch mit einem Anteil von 18 % der größte Markt in Europa.

Besonders schlecht ist das Geschäft mit Privatkunden gelaufen. Hier gab es einen Rückgang von 21,7 %, während der Verkauf an Geschäftskunden um 5,8 % schrumpfte. Hohe Lagerbestände der Hersteller und das sich kontinuierlich verschlechternde Konsumklima hätten die Lage noch verschärft.

Besonders getroffen hat der schwache Markt den Marktführer in Deutschland, Fujitsu Siemens, dessen Verkauf im zweiten Quartal um 20,5 % auf 256 000 PC sank. Dadurch fiel der Marktanteil innerhalb eines Jahres von 22,4 auf 20,2 %. Noch härter traf es die Nummer zwei im Markt, Compaq, deren Verkauf um 35,8 % auf nur noch 131 000 PC sank. Dies ist laut Gartner nahezu ausschließlich dem schlechten Konsumentengeschäft zuzuschreiben. Gewinner ist vor allem Dell, die mit einer aggressiven Preispolitik ihren Verkauf um 22,9 % auf 86 000 PC steigern konnten.

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