Mangel an Kunden aus der Mittelschicht
Tourismus-Aktien leiden unter der Reiseunlust

Heute beginnen die Sommerferien in einigen Bundesländern und keiner fährt in Urlaub. So sieht das Horrorszenario der Reiseveranstalter aus.

FRANKFURT/M. Ganz so schlimm ist es zwar nicht, allerdings sieht es in der Touristikbranche derzeit nicht rosig aus. Nach dem 11. September, dem Bombenattentat auf Djerba und zahlreichen schwelenden Krisen wie zum Beispiel im Nahen Osten und in Kaschmir scheint vielen die Lust am Reisen vergangen zu sein. Darunter leiden auch die Aktien der drei börsennotierten europäischen Touristikkonzerne Preussag, My Travel und Kuoni. Als Ende Mai das britische Unternehmen My Travel seine Ergebnisprognose nach unten korrigierte, zog das die Konkurrenten ebenfalls nach unten.

Vor allem die Deutschen scheinen nicht mehr auf Reisen gehen zu wollen. Dafür gebe es momentan eine ganze Reihe von Gründen. "So lange Deutschland bei der Fußball-WM mitspielt, fahren viele nicht weg. Außerdem ist das Wetter jetzt auch in Deutschland gut", meint Eggert Kuls von MM Warburg. Er ist denn auch weniger optimistisch, was die Preussag-Aktie angeht. "Wir sehen da derzeit wenig Spielraum nach oben, da das derzeitige Kursniveau Chancen und Risiken widerspiegelt." Preussag-Chef Michael Frenzel verweist immer wieder auf den Trend, Reisen spät zu buchen. "Prinzip Hoffnung", meint Kuls. Auch Philip Bonhoeffer, Analyst bei Merck Finck, dämpft die Hoffnungen: "Noch ausstehende Spätbuchungen können den Rückstand bei den Buchungen wahrscheinlich nicht mehr ausgleichen" Er rechnet damit, dass das operative Ergebnis des laufenden Jahres um sechs bis acht Prozent unter dem Vorjahr liegen wird.

Christian Obst, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank, zeigt sich hingegen optimistischer und empfiehlt die Aktie zum Kauf: "Der Buchungsrückgang belastet die Preussag-Aktie nur kurzfristig. Positive Faktoren wie etwa die gute Positionierung von Preussag als Marktführer und die geplante Verminderung der Verschuldung sind im Kurs momentan nicht enthalten." Kuoni und My Travel beurteilt er mit "Neutral".

"Kuoni ist derzeit besser gewappnet, weil die Schweizer vor allem im Hochpreissegment tätig sind, das weniger anfällig ist bei einer Konjunkturflaute", sagt Patrick Appenzeller, Analyst bei der Bank Leu. Denn vor allem die Familien aus der Mittelschicht, die für ein paar Wochen nach Spanien fahren, haben dieses Jahr keine Lust auf Urlaub. Zudem komme es Kuoni zu gute, dass man Kontigente in Hotels anmiete und nicht wie Preussag eigene Hotels auslasten müsse. "Die Kuoni-Aktie ist aber nicht billig, da die weltweite Reisebranche immer noch unter den Folgen des 11. September leidet", sagt Appenzeller.

"Keine Aktie für Nervöse" sei das Papier von My Travel, schreiben die Analysten von Goldmann Sachs in einer aktuellen Studie. Sie rechnen aber damit, dass die Zahl der Buchungen nach dem Ende der Fußball-WM ansteigen werde. Außerdem seien alle schlechten Nachrichten im Kurs bereits enthalten.

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