Mangelhafte Kostenstruktur
Harte Einschnitte bei Procter & Gamble werden sich erst langfristig auszahlen

Strategische Fehlentscheidungen haben den Traditionskonzern in den vergangenen Jahren Marktanteile gekostet. Mit einem radikalen Stellenabbau will das Unternehmen bis zum Jahr 2004 zwischen 600 und 700 Mill. $ jährlich einsparen. Zunächst werden sie jedoch 1,4 Mrd. $ kosten.

su NEW YORK. Zum zweiten Mal innerhalb von gut zwei Jahren wird der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble Co. (P&G) Arbeitsplätze streichen. 9 600 Stellen sollen wegfallen. Der Schritt sei notwendig, um die fixen Kosten zu senken und das Unternehmen, das bekannte Marken wie das Waschmittel Ariel, Pampers Windeln, Oil-of-Olaz-Kosmetik, Tempo Taschentücher und Pringles Chips herstellt, wieder konkurrenzfähig zu machen, sagte Konzernchef Alan Lafley.

Derzeit wächst bei P&G der Umsatz wächst nur wenig, und der operative Gewinn ist in den vergangenen vier Quartalen gesunken. Die Investitionen in neue Produkte und Märkte hätten nicht die erhofften Erträge gebracht, sagte Lafley weiter. Dafür seien die Marketing-Aufwendungen für diese Produkte gestiegen. Auch nach den geplanten Einsparungen werde, so schätzt das Unternehmen, seine Kostenstruktur noch um 20 % schlechter sein als die seines besten Konkurrenten. Von den Streichungen am stärksten getroffen wird wohl die Abteilung Getränke und Snacks, die ohnehin kränkelt. P &G hatte erst kürzlich ein Joint Venture mit Coca Cola gegründet, um auf diesem Gebiet konkurrenzfähiger zu werden. Auch in der Forschung und Entwicklung will Lafley Stellen streichen und die Ausgaben senken.

Zurück zu höherem Umsatzwachstum

Lafley will zurück zu einem zweistelligen Umsatzwachstum und möglichst auch zu zweistelligen Wachstumsraten beim Gewinn. Analysten sind skeptisch, dass das Unternehmen diese Ziele erreicht angesichts der anstehenden Umstrukturierung und der sich abschwächenden Konjunktur. 1999 hatte der Konzern angekündigt, bis um Jahr 2005 rund 15 000 Jobs zu streichen und zehn Werke zu schließen. Dies war Teil eines umfangreichen Restrukturierungsplanes. Allerdings haben wesentlich weniger Mitarbeiter freiwillig gekündigt als gehofft: 7 200 sind bisher gegangen.

P&G ist der zweite US-Konsumgüterkonzern, der Mitarbeiter entlässt. Im Dezember hatte Gillette Co. 2 700 Jobs gestrichen. Zwei Fünftel der Arbeitsplätze, die bei P&G wegfallen, sollen in den USA eingespart werden. Noch sei nicht klar, wie der Rest verteilt wird. Am Hauptsitz des Unternehmens Cincinnati/Ohio sollen 1 900 Jobs gestrichen werden. Die Entlassungen sollen in zwei Monaten beginnen, hieß es. Lafleys neueste Entscheidungen fanden Zustimmung bei Analysten. Der Manager treffe die harten Entscheidungen, die für die Gesundung des Konzerns notwendig seien, sagte etwa Doug Christopher von Crowell, Weedon. Die Investmenthäuser Prudential und Lehman Brothers senkten derweil ihre Prognosen für 2002. Prudential senkte den erwarteten Gewinn je Aktie um 35 Cents auf 3,10 $; Lehman reduzierte den Wert um 11 Cents auf 3,36 $. Das Programm werde sich langfristig auszahlen, das Unternehmen aber kurzfristig schwächen. Das 12-Monats-Kursziel liegt weiter bei 69 $. Am Freitag schloss die Aktie bei 60,20 $.

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