Mangelnde Aufmerksamkeit der Analysten bedeutet auch weniger Interesse der Anleger: Für Aktien gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn

Mangelnde Aufmerksamkeit der Analysten bedeutet auch weniger Interesse der Anleger
Für Aktien gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen am Neuen Markt die Abacho-Aktie von Banken als "outperformer" eingestuft wurde, also als Aktie, die sich besser als der Markt entwickelt.

mym DÜSSELDORF. Heute kann Ingo Endemann, Chef der Internet-Firma froh sein, wenn sich überhaupt noch jemand für das Papier, das unter einem Euro notiert, interessiert. Denn kaum ein Analyst verfolgt noch die Geschicke des Unternehmens.

So wie Abacho geht es aber nicht nur zahlreichen Unternehmen am Neuen Markt wie Blue C oder NSE Software, sondern auch vielen Gesellschaften aus dem Kleinwertesegment Smax. Die Banken haben entweder ihre Analyse weitgehend eingestellt oder aber sie haben die Titel ohnehin nie beachtet. Selbst einige MDax-Unternehmen, wie das Erotikunternehmen Beate Uhse oder die Baader Wertpapierhandelsbank, bekommen wenig bis gar keine Aufmerksamkeit.

Vor allem Firmen mit niedriger Marktkapitalisierung sind uninteressant. "Die Börsenliquidität eines Unternehmens muss natürlich hoch sein, denn gerade institutionelle Anleger wollen auch größere Summen investieren", sagt Christoph Schlienkamp, Leiter Aktienresearch beim Bankhaus Lampe.

Für kleine Firmen, die den Gang an die Börse gewagt haben, um Kapital zu beschaffen, beginnt mit der fehlenden Aufmerksamkeit ein Teufelskreis. "Gibt es wenig Informationen über ein Unternehmen, lassen die Anleger eher die Finger von der Aktie. Das bedeutet eine niedrigere Liquidität, die wiederum dazu führt, dass sich erst recht kein Investor mehr für die Aktie interessiert und dann gibt es wieder kein Research", sagt Franz-Josef Leven, Direktor des Deutschen Aktieninstituts.

Auch wenn Analysten sich in der Vergangenheit nicht immer Ruhm bekleckert hätten, sei ein relativ unabhängiges Urteil gerade für Privatanleger wichtig, meint Leven. "Ein Analystenbericht ist immerhin eine zweite Meinung." Denn wenn Einschätzungen von Analysten ausbleiben, sind Anleger auf die Informationen des Unternehmens angewiesen. Doch die sind häufig nicht objektiv oder gar unverständlich.

Oft wird ein Unternehmen aber auch von den Analysten nicht verfolgt, weil es in einer Krise steckt und fraglich ist, ob es sich wieder erholt, wie etwa der Baukonzern Philipp Holzmann. "Die Zukunft des Konzerns ist so ungewiss, da ist die Aktie nur etwas für Spekulanten. Genauso gut kann einen Lottoschein kaufen", heißt es in einer Bank. Gibt es keine Berichte über ein Unternehmen, sollten Anleger immer etwas vorsichtig sein, sagt Schlienkamp. "Wenn eine Aktie nicht beobachtet wird, sollte man sich schon überlegen, ob sie ins Depot gehört."

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