Mangelnde Zuversicht der Wirtschaft
Ifo: Deutsche Wirtschaft kommt nicht aus Stimmungstief

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September zum vierten Mal in Folge verschlechtert. Auch in Ostdeutschland ging der Index zurück. Damit haben sich die Anzeichen für einen wirtschaftlichen Abschwung verstärkt.

HB/dpa/ddp/vwd MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in Westdeutschland sank von 88,8 Punkten auf 88,2 Punkte, teilte das Institut mit. Der Ifo-Index gilt als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

Im September beurteilten die Unternehmen vor allem die Aussichten auf die kommenden Monate schlechter als noch im August. Der Index für Westdeutschland sank von 100,7 auf 99,3 Punkte. Die Beurteilung der Geschäftslage verbesserte sich hingegen leicht von 77,3 auf 77,5 Punkte. Die gleiche Tendenz zeigte sich in den neuen Bundesländern. Dort wurden 98,5 Punkte ermittelt (August: 99,1).

Viele Experten hatten den Rückgang im September erwartet. Der Ausgang der Bundestagswahl dürfte kaum eine Rolle gespielt haben, da der Großteil der Antworten vor dem 22. September beim Ifo-Institut eingegangen ist.

Gesunkene Erwartungen zeigen Kriegsangst

Die deutlich gesunkenen Erwartungen im Ifo-Geschäftsklimaindex September spiegeln nach Einschätzung des Leiters für Konjunkturfragen des Ifo-Instituts, Jan Egbert Sturm, auch die Angst der Unternehmen vor militärischen Auseinandersetzungen im Irak und einer Verteuerung der Rohstoffpreise wieder. "Diese potenziellen Gefahren beeinflussen die Erwartungen der Unternehmen", sagte Sturm.

Die Erwartungen der Gesellschaften in Westdeutschland waren der Erhebung zufolge saisonbereinigt um 6,5 Prozentpunkte gesunken, nach minus 3,7 Prozentpunkten im Vormonat. Darüber hinaus sei der jüngste ifo Index ein Zeichen für eine Normalisierung der Erwartungen der Wirtschaft, sagte Sturm weiter.

Noch im Frühjahr seien die Erwartungen überhöht gewesen und würden sich nunmehr normalisieren. Dies bedeute nicht, dass die Unternehmen eine Rezession erwarten würden. Eine Notwendigkeit für weitere Zinssenkungen auf europäischer Ebene sieht Sturm nicht. Das Zinsniveau sei bereits "relativ niedrig", so dass für weitere Schritte "kein Bedarf" bestehe.

Auch Ifo-Präsident Sinn sieht keine Rezession

Eine Rezession in Deutschland ist nach Einschätzung von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn bisher nicht in Sicht. Der konjunkturelle Abschwung habe sich in Deutschland im September nicht fortgesetzt. "Der Pessimismus ist momentan sehr ausgeprägt, aber die gegenwärtigen Bedingungen haben sich verbessert - dies könnte sich in den kommenden Monaten fortsetzen", sagte Sinn in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC.

Eine Stabilisierung der konjunkturellen Lage sei jedoch noch nicht garantiert. Der Europäischen Zentralbank (EZB) riet Sinn ebenfalls, die Leitzinsen in der Euro-Zone zu senken. Seit November liegt der Schlüsselzins hier bei 3,25 Prozent.

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