Manieren unterliegen dem Wandel der Zeit
Business-Knigge aus der Konserve

Eine Reihe von Büchern will den richtigen Benimm im Job predigen. Nicht alle halten ihr Versprechen.

DÜSSELDORF. Die explosionsartige Zunahme von Fach- und Führungskräften hat auch ein besonderes Buchsegment für Manager neu belebt. Das Bedürfnis nach Informationen über das richtige Verhalten im Management ist enorm gewachsen. Der Jungmanager will sowohl Mitglied seiner Clique bleiben und zugleich in die oberen Managementkreise aufsteigen. Die Verhaltensweisen in beiden Sphären sind jedoch nicht deckungsgleich. Um die Karriere zu sichern, müssen Peinlichkeiten im persönlichen Auftreten vermieden werden. Doch woran soll man sich dabei orientieren?

Clevere Verleger suggerieren, das Bedürfnis nach Orientierung erfüllen zu können. Halten sie, was sie versprechen?

Das erste Resultat der Durchsicht dieser Literatur ist ernüchternd. Fast alle Bücher atmen eine muffige Atmosphäre aus. Sie nehmen das Thema "Gutes Benehmen" ungemein wichtig, indem sie daraus eine Weltansicht machen. In jeder Situation soll sich der Jungmanager stilsicher benehmen. So wird eine banale Regel an die andere gereiht. Auf fast jeder Seite werden Stereotypen verbreitet.

Manieren unterliegen dem Wandel der Zeit

Demgegenüber aber unterliegen Manieren dem Wandel der Zeit. Was heute noch gewagt ist, kann morgen schon Normalität sein. Frühere normale Verhaltensweisen, wie zum Beispiel das Rauchen im Büro, werden heute von einer breiten Mehrheit nicht mehr akzeptiert. Bei ungezwungener Kleidung trifft genau das Gegenteil zu. Die Stilorientierung beschränkt sich bei selbstbewussten Managern auf weitaus weniger Bereiche, als dies früher der Fall war. In keinem dieser Bücher werden gesellschaftskritische Überlegungen angestellt. Das Verhalten wird als ein statischer Zustand dargestellt.

Bemerkenswerterweise ist die Literatur zum guten Benehmen eine Domäne von Autorinnen. Eine davon, Rosemarie Wrede-Grischkat, hat gleich mehrere Bücher verfasst: Mit Stil zum Erfolg, Heyne, München 2001, 400 Seiten, 16,90 Mark, sowie Manieren und Karriere, FAZ, 406 Seiten, 72 Mark. Das erste Buch ist mehr allgemein gehalten. Dafür liefert das FAZ-Buch mehr Ratschläge für Führungskräfte. Positive Ratschläge und Tipps zu Tabus durchziehen beide Bücher. Im Mittelpunkt stehen Hinweise wie "Die korrekte Haltung", "Das korrekte Verhalten als Gast", ein "Korrektes Verhalten im Hotelzimmer" oder auch "Die korrekte Berufsbezeichnung und der weibliche Plural". Beide Bücher geben Hinweise für einen Auslandsaufenthalt. Wenn sie zutreffen, sind sie zu kurz, sonst ähneln sie eher einer Lachnummer. Für die Managerin werden gesonderte Hinweise geliefert, die an die Steifheit der 50-er Jahre erinnern.

Wissen aus der Kinderstube

Zwei prominente Autoren des Deutschen Industrie- und Handelstages wollen dem geneigten Manager das internationale ABC der erfolgreichen Umgangsformen vermitteln. Heinz Commer/Johannes von Thadden: Managerknigge 200. Econ & List, München 1999, 285 Seiten, 19,90 Mark. In Kapiteln wie "Beileid" oder "Duzen" geben die Autoren genau das Wissen wieder, welches in jeder guten Kinderstube vermittelt wird oder wenigstens durch aufmerksames Beobachten gelernt werden kann.

Bei tatsächlich schwierigen Themen winden sich die Autoren um eine klare Haltung herum. So sagen sie nicht, dass Teilhabe an Korruption sich letztendlich für keinen westlichen Manager auszahlt, ja unserer Gesellschaft sogar nur schadet. Kurzfristige Gewinnmitnahme durch Korruption untergräbt schließlich die ethischen Grundlagen jeder Gesellschaft. Eindeutige Aussagen zu im Management durchaus strittigen Verhaltensweisen sucht der Manager in diesem Buch vergeblich. Dass man erfährt, bei welcher Gelegenheit die Führungskraft einen Anzug tragen sollte, wäre demgegenüber eher verzichtbar gewesen.

Wenn sich ein Land im guten Benehmen auskennt, dann sicherlich die Schweiz. Dafür sorgen schon die besten Hotelfachschulen der Welt. Einer ihrer Star-Autoren wirbt mit seiner UNO-Vergangenheit. Gottfried Weilemann: Gekonntes Benehmen heute. Orell Füssli, Zürich 2001, 185 Seiten, 39,80 Mark. Tatsächlich hat er ein Buch geschrieben, in dem die Umgangsformen weniger statisch, sondern mehr dynamisch auf das Ziel bezogen betrachtet werden. Seine Hinweise zum richtigen Verhalten gehen von unterschiedlichen Situationen aus und deshalb finden sich auch nur vergleichsweise wenige allgemeingültige Regeln. Dies - zusammen mit einem knappen Schreibstil - macht sogar ein Benimm-Buch lesenswert.

Adeliger Rat: "Papiertasche wirken wenig vornehm"

Auch zwei exotische Autorinnen haben sich bemüht, ihre Ansichten von der Welt der guten Sitten unter das Volk zu bringen. Gloria von Thurn und Taxis sowie Alessandra Prinzessin Borghese: Unsere Umgangsformen, Falken, Niedernhausen 2000, 208 Seiten, 49,90 Mark.

Das Buch ist eine Ausnahme: Es ist graphisch gut gestaltet, insbesondere mit interessanten Photos, und von A wie Aberglaube bis Z wie Zigarre aufgebaut. Das schützt den Leser aber nicht vor ätzenden Belanglosigkeiten. Beim Rauchen einer Zigarre soll man - so die Benimm-Anweisung - andere Menschen nicht stören und nicht angeberisch wirken, außerdem ist das Werfen von Abfall aus dem Auto zu unterlassen und zu berücksichtigen, dass Papiertaschentücher nicht vornehm wirken.

Derartige wertvolle Erkenntnisse sollten doch sicherlich den Preis von fast fünfzig Mark wert sein! Oder? Ein Schmunzeln entlockt der Hinweis, dass die aufsteigende Führungskraft auf jeden Fall den Eindruck vermeiden sollte, zur Schickeria zu gehören. Parallelen zum Eindruck der beiden Damen in der Öffentlichkeit sind rein zufälliger Natur. Es ist bezeichnend, dass dieses Buch trotzdem immer noch eines der lesenswertesten seines Metiers ist.

Fazit dieser Literatur: Die angehende Führungskraft verlässt sich am Besten auf ihren gesunden Menschenverstand und ihr Beobachtungsvermögen.

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