Manipulationsvorwürfe aus Dänemark
Siegel: Grand-Prix-Auftritt war schlecht

Für die Niederlage ist laut Komponist Ralph Siegel vor allem der schlechte Auftritt von Corinna May verantwortlich. Nun machen auch Verschwörungstheorien die Runde.

dpa HAMBURG/TALLINN. "Alles, was wir vorher geprobt haben, ging an dem Abend schief", sagte Siegel in München. Die Balance, der Sound und die Performance hätten nicht gestimmt. Die Sängerin Corinna May erklärte am Montag dazu: Siegels Kritik beziehe sich nicht auf sie, sondern nur auf die Übertragung im Fernsehen. "Der Sound ist über das Fernsehen nicht rübergekommen, der Chor war zu laut, meine Stimme zu weit hinten oder sonst wo." Einen Streit zwischen den beiden gebe es nicht. Es sei ein "Wahnsinn, was jetzt in der gesamte Presse steht."

Zugleich wurden am Montag Manipulationsvorwürfe aus Dänemark laut, dessen Interpretin Malene Mortensen beim Grand Prix am Samstag den letzten Platz belegt hatte. Der Kopenhagener Delegationschef Morten Carlsson meinte in der Zeitung "Ekstra Bladet": "Das sah schon sehr merkwürdig aus und hat kräftig nach geographischen Allianzen gerochen. Man muss sich mal fragen, warum mehrere Länder keine Zuschauerabstimmungen mehr durchgeführt haben."

Der Komponist des Liedes "Tell Me Who You Are", Michael Ronson, meinte: "Beim Grand Prix geht es nicht mehr um Musik, sondern um Politik." Er werde sich an dem Festival nicht mehr beteiligen, weil sich mehrere osteuropäische Länder über ihre Jurys systematisch gegenseitig Stimmen zuschanzten. Kritik an dem Gewinnerbeitrag Lettlands ("I Wanna" von Marie N) und einer gewissen baltischen Solidarität kann das aber kaum bedeuten, da in Estland und Lettland allein die Zuschauer abstimmen, Litauen hat ein Mischsystem aus Televotum und Jury. Lediglich Russland, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien und die Türkei ließen laut "Ekstra Bladet" allein eine Jury über die Beiträge abstimmen.

Auch der deutsche Psychologe Günter Molz sieht keine Schiebung der Punkte nach geographischen Gesichtspunkten. Er hat das Stimmverhalten beim Eurovision Song Contest der Jahre 1993 bis 2001 untersucht. Dabei habe er versucht, "Geschmacksinseln" zu definieren von Ländern, die sich gegenseitig bevorzugten. "Dies ist nur in zwei Fällen gelungen: Die skandinavischen Länder plus Estland bilden eine Geschmacksinsel, Griechenland und Zypern die andere." Alle anderen Länder stimmten mehr oder weniger unabhängig voneinander ab. Bei den Verantwortlichen für den deutschen Beitrag "I Can't Live Without Music" kamen solche Spekulationen gar nicht erst auf. "Unser Endprodukt war einfach nicht gut genug", versuchte Siegel den 21. Platz zu erklären. Dies habe aber nicht an dem von ihm komponierten Titel gelegen. "Sonst wären wir nicht vorher im Internet und bei allen Buchmachern die Nummer eins gewesen." Die Welt werde aber nicht untergehen. Es sei schließlich nur ein Liederwettstreit gewesen.

May meinte, sie könne mit ihrer Niederlage "gut leben". Im Übrigen bleibe sie bei ihrer Aussage, nicht mehr beim Grand Prix zu starten. Siegel betonte, er werde auf jeden Fall erst einmal eine Grand-Prix- Pause einlegen. Von einem völligen Rückzug sprach er nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%