Mann festgenommen
USA vereiteln Anschlag mit "schmutziger Bombe"

Die USA haben Regierungsangaben zufolge einen mutmaßlichen El-Kaida-Anhänger festgenommen, der einen Anschlag mit einer radioaktiven "schmutzigen Bombe" geplant hat.

Reuters WASHINGTON. Die USA hätten Anfang Mai einen Mann mit engen Kontakten zur El Kaida festgenommen, sagte US-Justizminister John Ashcroft am Montag in einer Fernsehübertragung aus Moskau. "Wir haben einen im Werden begriffenen terroristischen Plan verhindert, die Vereinigten Staaten mit einer radioaktiven schmutzigen Bombe anzugreifen", sagte Ashcroft. US-Präsident George W. Bush sagte, dank der Wachsamkeit der Geheimdienste und Strafverfolger sei der Mann, der eine Bedrohung des Landes darstelle, nun "von der Straße". Die Börsen reagierten mit nachgebenden Kursen auf die Nachricht, Händler nannten als Grund Befürchtungen vor weiteren Anschlägen.

Unter einer "schmutzigen Atombombe" wird ein herkömmlicher Sprengsatz verstanden, der radioaktives Material enthält, jedoch nicht genug, um eine atomare Kettenreaktion auszulösen. Sie verursacht zwar keine riesige Explosion wie eine Atombombe, verseucht jedoch große Gebiete radioaktiv.

Bei Ankunft in Chicago festgenommen

"Wir haben einen bekannten Terroristen festgenommen, der den Plan verfolgte, in den USA eine (...) 'schmutzige Bombe' zu bauen und zu zünden", sagte Ashcroft. Der Mann, Abdullah el Mudschahir, sei am 8. Mai festgenommen worden, als er aus Pakistan kommend am Chicagoer Flughafen O'Hare eingetroffen sei. Die US-Regierung habe Informationen aus mehreren unabhängigen Quellen, wonach Mudschahir eng mit der El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden zusammenarbeite und Angriffe auf die USA geplant habe. Mudschahir sei auch als Jose Padilla bekannt und habe die US-Staatsbürgerschaft.

Das Verteidigungsministerium teilte mit, Mudschahir werde in einem Gefängnis der Marine in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina als "feindlicher Kämpfer" festgehalten. Dies bedeutet, dass ihm vor einem Militärgericht der Prozess gemacht werden könnte.

Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz widersprach Medienberichten, wonach das Ziel Mudschahirs die US-Hauptstadt Washington gewesen sei. Der Mann habe zwar einige Kenntnisse des Gebiets um die Hauptstadt erkennen lassen, er sei aber noch nicht in dem Stadium gewesen, ein spezifisches Ziel zu haben. "Er beschäftigte sich mit Atomwaffen und wurde in Pakistan in der Herstellung von Sprengsätzen trainiert und er wurde angewiesen, in die Vereinigten Staaten zurückzukehren und für El Kaida Aufklärungsmissionen zu unternehmen", sagte Wolfowitz.

Die US-Regulierungsbehörde für die zivile Nutzung von Atomenergie NRC hatte im vergangenen Monat zusätzliche Maßnahmen zur Bewachung verbrauchter Kernbrennstoffe angeordnet, die in Atomkraftwerken gelagert werden, die außer Dienst gestellt werden sollen. Militärexperten hatten befürchtet, dass Terrorgruppen dieses Material zur Herstellung schmutziger Bomben benutzen könnten.

Die USA machen die Kaida für die Anschläge vom 11. September verantwortlich, bei denen rund 3000 Menschen getötet wurden. Zwei entführte Flugzeuge waren an diesem Tag in die Türme des World Trade Centers in New York gesteuert worden, ein drittes stürzte auf das Pentagon bei Washington, den Sitz des Verteidigungsministeriums. Ein viertes entführtes Flugzeug stürzte in Pennsylvania ab.

In den vergangenen Wochen standen insbesondere die US-Bundespolizei FBI und der Geheimdienst CIA in der Kritik, sie hätten vor dem 11. September nicht ausreichend kooperiert. Wichtige Hinweise auf Aktivitäten der Kaida seien nicht ausreichend beachtet worden. Bush hat in der vergangenen Woche angekündigt, ein Ministerium für Heimatschutz zu schaffen. Damit soll die Effektivität der Sicherheitsbehörden verbessert werden. Das Ministerium soll die für Sicherheit zuständigen Behörden führen, die bislang verschiedenen Ministerien zugeordnet sind.

Aktienmärkte geben nach - Dollar reagiert kaum

Die Börsen reagierten mit nachgebenden Kursen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte weiter in die Verlustzone, der Dow-Jones-Index gab anfängliche Kursgewinne teilweise wieder ab. Investoren verkauften auf Grund der Befürchtung, dass weitere Anschläge folgen könnten, sagte ein deutscher Händler. Der $ reagierte indes kaum auf die Nachricht. Der Euro behauptete sich bei deutlich über 0,94 $.

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