Mannesmann-Mitarbeiter häufig misstrauisch gegenüber den Briten
Vodafone muss weiter um Vertrauen werben

Investoren und Analysten feiern die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone bereits als Erfolgsstory. In Deutschland herrscht jedoch bei etlichen Mitarbeitern noch Misstrauen gegenüber den neuen Konzernherren. Bei Arcor steigt die Fluktuation.

LONDON. Chris Gent liebt Symbole. Genau ein Jahr, nachdem der Vodafone-Chef erstmals Mannesmann-Chef Klaus Esser ein Übernahmeangebot unterbreitet hatte, präsentierte er gestern neben den Halbjahreszahlen seines Unternehmens die vollzogene Integration von Mannesmann in seinen Konzern. In London, im Savoy-Hotel, wo Klaus Esser einst die Analysten auf seine Seite ziehen wollte.

In Düsseldorf, am Mannesmann-Ufer, sind die Wunden des Übernahmekampfes jedoch längst noch nicht verheilt. Das anhaltende Misstrauen gegenüber den Briten findet seine Nahrung darin, dass von den Zusagen, die Gent Esser am Ende der Übernahmeschlacht für dessen Zustimmung machte, bisher wenig umgesetzt wurde. Noch ist nichts davon zu sehen, dass Düsseldorf eine fast gleichberechtigte zweite Vodafone-Unternehmenszentrale neben Newbury werden soll. "Ich sehe auch nicht, dass die Briten auch nur versuchen, die Leute hier zu halten", sagt ein frustrierter Mannesmann-Abgänger. Dabei hatte Gent direkt nach der Übernahme bei bei Managern und Mitarbeitern von Mannesmann um Vertrauen geworben. Vor dem Hintergrund des Arbeitskräftemangels in der Telekommunikation sagte er damals: "Ich brauche jeden Mann."

Nach dem Verkauf von Infostrada an den italienischen Konkurrenten Wind mögen auch etliche Arcor-Beschäftigte nicht mehr daran glauben, dass Vodafone tatsächlich die Mehrheit an dem größten Festnetzkonkurrenten der Deutsche Telekom AG behalten wird. "Vodafone glaube ich nichts mehr", lautet die Standard-Antwort von Arcor-Mitarbeitern zu Äußerungen von Vodafone-Managern darüber, dass der Fall Infostrada mit Arcor nicht vergleichbar sei.

Bei den Arcor-Konkurrenten gilt das Unternehmen inzwischen als ideales Abwerbegebiet für die überall fehlenden Telekom-Fachkräfte. Manch ein Konkurrent wartet gespannt auf die Veröffentlichung der Börsenpläne für Arcor: in der Erwartung, dass jedes Übernahmeangebot bei Vodafone willkommen sein wird. Denn auch die Konkurrenten sind überzeugt, dass Vodafone vom gesamten Mannesmann-Konzern nur die Mobilfunker D2 und Omnitel behalten will.

Die reine Ausrichtung auf den Mobilfunk erfreut sich nach wie vor allerdings großer Beliebtheit bei den Investoren. Nach dem Preisverfall für Ferngespräche haben Festnetzanbieter seit diesem Jahr ohnehin einen schweren Stand bei den Analysten. Auch unter Mannesmann hätte es daher eine Refokussierung auf den Mobilfunk gegeben, meinen Branchenkenner.

Neidvoll schaut durchaus auch Telekom-Chef Ron Sommer auf den Konkurrenten aus Newbury. Denn die Mannesmann-Übernahme erwies sich als Goldgrube für Vodafone. Bezahlt wurde der Mannesmann-Kaufpreis von 400 Mill. DM in Vodafone-Aktien. Nach der Zerschlagung bekam Gent für die Einzelteile jedoch überwiegend Bares.

Den Anfang machte Vodafone mit dem Verkauf des Automobilzuliefergeschäfts Atecs an die deutschen Unternehmen Siemens und Bosch für 5,8 Mrd. £. Es folgte der kartellbedingte Verkauf des Mobilfunkunternehmens Orange an die France Telecom für 25 Mrd. £. Auf 4,6 Mrd. £ wurde der Preis geschätzt, den die französische Vivendi-Gruppe für Vodafones 15%ige Beteiligung an Cégétel zahlte. Im Juli veräußerte das britische Unternehmen außerdem die Mannesmann-Uhrengruppe, zu der so bekannte Marken wie IWC, Jaeger-Le-Coultre, A. Lange & Söhne gehören, für 1,12 Mrd. £ an den Schweizer Luxusgüter-Konzern Compagnie Financiér Richemont.

Die Milliarden-Einnahmen führen dazu, dass Vodafone am Jahresende nur noch mit 33 Mrd. DM verschuldet sein wird - gegenüber 120 Mrd. DM Schulden der Deutschen Telekom. Trotzdem verfügt Gents Unternehmen über die meisten UMTS-Lizenzen aller europaweit aufgestellten Player.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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