Archiv
Mannesmann-Prozess endet mit Freisprüchen für alle AngeklagtenDPA-Datum: 2004-07-22 12:29:23

(dpa-AFX) Düsseldorf - Im spektakulären Mannesmann-Prozess um Millionenprämien bei der Übernahme des deutschen Traditionskonzerns sind alle sechs Angeklagten freigesprochen worden. Die Wirtschaftsstrafkammer am Düsseldorfer Landgericht sah nach sechsmonatiger Prozessdauer die Tatvorwürfe der schweren Untreue als nicht erwiesen an. Damit verließen neben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann < DBK.ETR > unter anderen auch Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel den Gerichtssaal straffrei. Die Staatsanwaltschaft hatte für die Angeklagten bis zu drei Jahren Haft zum Teil ohne Bewährung gefordert.

(dpa-AFX) Düsseldorf - Im spektakulären Mannesmann-Prozess um Millionenprämien bei der Übernahme des deutschen Traditionskonzerns sind alle sechs Angeklagten freigesprochen worden. Die Wirtschaftsstrafkammer am Düsseldorfer Landgericht sah nach sechsmonatiger Prozessdauer die Tatvorwürfe der schweren Untreue als nicht erwiesen an. Damit verließen neben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann < DBK.ETR > unter anderen auch Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel den Gerichtssaal straffrei. Die Staatsanwaltschaft hatte für die Angeklagten bis zu drei Jahren Haft zum Teil ohne Bewährung gefordert.

Den Beschuldigten war vorgeworfen worden, im Zusammenhang der Übernahme von Mannesmann durch den britische Mobilfunkriese Vodafone Anfang 2000 Aktionärsvermögen in Höhe von rund 57 Millionen Euro veruntreut zu haben.

'Verdächtigungen Reichen Nicht AUS'

In ihrer mehrstündigen Urteilsbegründung sagte die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer am Donnerstag unter anderem, der Vorwurf der Käuflichkeit und einer Absprache zur Bereicherung habe sich nicht bestätigt. "Vermutungen und Verdächtigungen reichen nicht aus."

Die Angeklagten seien in sieben Punkten von den Tatvorwürfen frei zu sprechen. Nur in einem Fall liege ein so genannter Verbotsirrtum vor. Die Gewährung einer Prämie an Esser habe zwar gegen das Aktiengesetz verstoßen, es sei darin aber keine strafrechtliche Verantwortung zu sehen. Die Sonderprämie von etwa 15 Millionen Euro stellte eine doppelte Zahlung dar, weil die erbrachte Leistung Essers bereits mit der festen Vergütung abgegolten worden sei.

Politische Einflussnahme

Zu Beginn der Urteilsverkündung hatte Koppenhöfer in einer persönlichen Erklärung eine massive politische Einflussnahme auf den Prozess kritisiert. Sie sprach darüber hinaus von Telefonterror, Schmähbriefen bis hin zu Morddrohungen, die das Gericht nach dem so genannten Rechtsgespräch Ende März erhalten hatte. Bei der Zwischenbilanz hatte Koppenhöfer angedeutet, dass die Angeklagten nach dem damaligen Stand frei zu sprechen seien.

Politiker haben nach ihren Worten versucht, sich als Rechtsexperten auszugeben und hätten den Prozess als eine Gefährdung für den Wirtschaftsstandort Deutschland gesehen. "Wir sind kein Scherbengericht für die deutsche Wirtschaft, sondern eine Wirtschaftsstrafkammer", betonte Koppenhöfer. Die Untreuevorwürfe sollten als Straftatbestand und nicht moralisch bewertet werden.

Neben Ackermann, Esser und Zwickel wurden auch der frühere Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, Konzernbetriebsrat Jürgen Ladberg sowie der frühere Mannesmann-Manager Dietmar Droste freigesprochen.

Revision?

Klaus Volk, einer der Verteidiger von Deutsche-Bank-Chef Ackermann, begrüßte das Urteil: "Die Feststellungen des Gerichts zum Sachverhalt sind vollkommen identisch mit denen, die die Verteidigung bereits zu Beginn des Verfahrens als Wahrheit angesehen hat".

Die Anklagebehörde wollte zunächst nicht sagen, ob sie gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe einlegen wird. Zuvor hatte es aus der Behörde heißen, dass ein solcher Schritt für den Fall von Freisprüchen geprüft werde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%