Mannheimer Baukonzern bekräftigt strategische Neuausrichtung
Bilfinger + Berger setzt auf Projektentwicklung

In den vergangenen Jahren war die Projektentwicklung ein Verlustgeschäft für Bilfinger + Berger. Gleichwohl will der Baukonzern dieses riskante Geschäftsfeld nun wieder ausbauen. Die Fokussierung auf wenige Standorte und auf reine Auftragsarbeiten soll künftige Schieflagen verhindern.

HB MANNHEIM. Das Geschäftsfeld "Projektentwicklung" soll im Zuge der "strategischen Neuausrichtung" des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger + Berger Bau AG (B + B) als eigenes Profit-Center zu neuem Leben erwachen. Neben den Sparten "Bauen Inland" und "Bauen Ausland" soll es helfen, den Konzern als "Full-Service-Dienstleister" am Markt zu positionieren. "Trotz der Rückschläge im Projektentwicklungsgeschäft wollen wir es jetzt wieder ausbauen", bekräftigte Hans Helmut Schetter, Vorstandsmitglied bei B + B und verantwortlich für den Bereich Projektentwicklung jetzt im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bereits auf der Hauptversammlung Ende Juni hatte B + B-Vorstandschef Herbert Bodner einen entsprechenden Kurswechsel angekündigt.

Die Projektentwicklung gilt in der Bau- und Immobilienbranche gemeinhin als lukrativste aber auch als riskanteste Form des Immobilienengagements. Mit diesem Geschäft haben die Philipp der Bauträger Roland Ernst, aber auch etliche Fondsgesellschaften und Banken in den vergangenen Jahren empfindliche Verluste erlitten. In Erwartung einer schier unendlichen Nachfrage wurden vor allem in der Nach-Wende-Zeit Bürogebäude geplant, gebaut und finanziert, für die es anschließend keinen Käufer oder Nutzer gab. Hohe Mietgarantien, mit denen einige schwer verkäufliche Objekte ausgestattet wurden, belasten noch heute die Bilanzen vieler Unternehmen.

Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen

Auch B + B musste im Projektentwicklungsgeschäft viel Lehrgeld zahlen: In der 99-er Bilanz wurde Vorsorge für Altlasten in Höhe von 80 Mill. DM getroffen - vor allem für den berühmten Specks-Hof in Leipzig, der heute höchstens noch die Hälfte seinen Einstandspreises von rund 250 Mill. DM wert ist. Die Belastungen aus den Vorjahren seien verdaut. Um künftig Risiken zu vermeiden, betreibe B + B keine Vorratsentwicklung mehr, sondern ausschließlich Auftragsentwicklung. "Wir legen künftig mehr Gewicht auf die Vorvermarktung der Objekte oder auf hochwertige Mietverträge", kündigte Schetter an. "Der Bereich wird keine Projekte entwickeln oder Grundstücke kaufen oder ins Vermarktungsrisiko gehen, nur damit Bilfinger einen Bauauftrag erhält. Das sind die Fehler, die in der vergangenen Zeit gemacht wurden", fügte er hinzu.

Zur Sicherheit werde das Projektentwicklungsgeschäft zudem als selbstständiges Profit-Center mit einem eigenen Berichtswesen geführt, so dass "wir zu jeder Zeit eine gute Übersicht über die Geschäftsentwicklung haben". Hinzu kommt, dass das Projektgeschäft nur etwa sechs Prozent zum Konzernumsatz von voraussichtlich 8,4 Mrd. DM in diesem Jahr beiträgt. Geographisch will sich B + B auf die wichtigsten Wirtschaftsräume in Deutschland "mit geringen strategischen Ansätzen in Polen und Tschechien" fokussieren. Etwa 65 Mitarbeiter betreuen in dieser Sparte derzeit ein Geschäftsvolumen von 450 Mill. DM. Für die künftige Entwicklung zeigte sich Schetter optimistisch: "Im kommenden Jahr können wir uns ein weiteres Wachstum Richtung 500 Mill. DM, vielleicht sogar 600 Mill. DM vorstellen", meinte er. Derzeit seien etliche Großobjekte in Planung oder im Bau. Zu den bekanntesten Objekten, die von B + B betreut werden, gehören die Überbauung des Fernbahnhofs am Flughafen Frankfurt/Main.

Die Airrail Center Frankfurt KG, an der B + B zu einem Drittel beteiligt ist, plant auf der Dachkonstruktion des Flughafen-Bahnhofs einen neungeschossigen multifunktionalen Gebäudekomplex. Mit dem Bau des 850 Mill. DM teuren Projektes soll im kommenden Jahr begonnen werden. Zu den großen Entwicklungsprojekten gehört auch das neue Finanzhandelszentrum der Dresdener Bank in Frankfurt. Dieser Auftrag hat ein Volumen von mehr als 500 Mill. DM. Da dieses Objekt bereits vollständig vermietet ist, "bleibt hier allenfalls ein Bau- und Planungsrisiko, das wir aber immer als Generalunternehmer haben", meinte Schetter. Noch freilich hat die Rückbesinnung auf das Projektgeschäft keine neue Phantasie in die B + B-Aktien gebracht. Der Kurs notiert mit aktuell 13 Euro in der Nähe seines Fünfjahrestiefs.

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