ManU fürchtet zum Spielball von reichen Geschäftsfreunden zu werden
Millionäre greifen nach der Macht in Old Trafford

Manchester United steht vor besonders spannenden Wochen. Auf dem Rasen will das Team um David Beckham, ohnehin für beste Unterhaltung im Stadion "Old Trafford" bekannt, den Meistertitel vom Erzrivalen FC Arsenal zurückerobern. Doch egal ob dies gelingt oder nicht - danach droht dem Traditionsverein die vielleicht größte Herausforderung der Vereinsgeschichte.

LONDON. Seit Wochen ranken sich Übernahmespekulationen um den an der Börse notierten reichsten Fußballverein der Welt. "Da braut sich was zusammen", glaubt ein Analyst.

Gleich mehrere reiche Geschäftsleute haben sich still und leise in den vergangenen Wochen bei dem Klub eingekauft, allen voran zwei irische Millionäre. Aber auch der Name des Erfinders von "Big Brother", John de Mol, sowie des amerikanischen Sport-Tycoons Malcolm Glazer tauchen nun neu auf der Aktionärsliste von ManU auf. Was den Vereinsvorstand besorgt, hat die Aktie beflügelt: Der ManU-Kurs hat seit Jahresbeginn um fast ein Drittel zugelegt. Während andere Vereine wie etwa der Traditionsklub Leeds United immer tiefer in die roten Zahlen rutschen, gilt Manchester United weiter als gutes Investment.

Vor allem der lukrative Werbevertrag mit dem US-Sportartikelhersteller Nike spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Deal bringt in 13 Jahren umgerechnet fast 500 Millionen Euro in die Vereinskasse. ManU habe zudem weltweit einen hervorragenden Namen, der sich bei 54 Millionen Fans noch besser vermarkten lasse, glauben Branchenexperten. Zudem hat der Klub seine TV-Rechte gut verkauft.

Wenn der Verein heute seine Halbjahreszahlen vorlegt, wird erwartet, dass ManU mal wieder die Börse erfreut. Der Klub sei gut geführt und gut finanziert, lobt ein Analyst. Für die ersten sechs Monate wird (ohne Spielerkäufe und-verkäufe) mit einem Vorsteuergewinn von 42,5 Millionen Pfund gerechnet. Zum Vergleich: Bei Leeds stieg im ersten Halbjahr der Verlust von 17,2 auf 25,5 Millionen Pfund. Präsident Peter Risdale musste darauf gestern seinen Hut nehmen.

Trotz schwarzer Zahlen könnte dies jedoch auch der ManU-Vereinsspitze passieren. Im Vorstand haben bereits die Alarmglocken geschrillt, als vor kurzem klar wurde, dass die irischen Rennbahn-Milliardäre JP McManus und John Magnier hinter den Kulissen größte Manchester-Einzelaktionäre geworden sind. Sie haben seit Jahresbeginn über die Investmentfirma Cubic Expression ihren Anteil an Manchester United auf 10,4 Prozent erhöht.

Das ManU-Management wettert seitdem gegen die beiden irischen "Rennpferdebesitzer, die keine Ahnung haben, wie man einen Fußballverein führt". Die Nervosität ist berechtigt: McManus und "The Boss" Magnier sind Mitglieder der so genannten Coolmore-Mafia und gelten als so reich, dass der Börsenwert von Manchester United - 350 Millionen Pfund - für sie kein Problem ist.

Bereits im vergangenen Jahr soll das Duo mit Blick auf den attraktiven Kurs eine feindliche Übernahme von ManU geplant haben. Besonders pikant ist, dass die beiden bekennenden United-Fans aus Irland beste Freunde von United-Trainer Alex Ferguson sind.

Ganz neu ist der Griff nach der Macht bei ManU allerdings nicht. 1999 scheiterte der Sender BSkyB, mit 9,9 Prozent bislang größter Anteilsbesitzer, mit dem Versuch, den Klub ganz zu übernehmen. Die Murdoch-Offerte wurde damals aus wettbewerbsrechtlichen Gründen von der Regierung untersagt. Und immer wieder taucht der Name Dermot Desmond auf. Der dritte Millionär aus Irland, der nicht nur Immobilien wie den Londoner City-Airport besitzt, sondern auch 21,5 Prozent am Fußballklub Celtic Glasgow, träumt angeblich davon, die schottische und englische Liga zu vereinen.

Mit der Macht bei ManU hätte er für diese Fußball-Revolution den wichtigsten Verein der Insel hinter sich. Desmond werden auch gute Kontakte zu den Coolmore-Brüdern nachgesagt. "Möglicherweise stecken alle unter einer Decke", vermutet ein Analyst.

Doch vieles in dem Spiel bleibt Spekulation. Vielleicht lüftet sich das eine oder andere Geheimnis nach Saisonschluss Ende Mai. "Solange die Saison läuft, passiert nichts", heißt es in Analystenkreisen. Danach aber dürfte es bei ManU ganz schnell mit dem englischen Fairplay vorbei sein.

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