Manufaktur aus Dresden hat lange Tradition
Swatch Group baut Luxussegment mit Glashütter Uhren aus

Die Swatch Group baut ihr Luxusuhrensegment aus. Sie übernimmt zu einem nicht genannten Preis die Glashütter Uhrenbetrieb GmbH, wie der weltweit größte Uhrenhersteller am Montag in Biel bekannt gab. Die Uhrenmanufaktur bei Dresden wird den Angaben zufolge mit der bisherigen Belegschaft und Geschäftsleitung fortgeführt. Analysten beurteilen den Kauf positiv.

ap/dpa/rtr BIEL. Der Glashütter Uhrenbetrieb wurde 1845 vom Uhrmachermeister Ferdinand A. Lange in Glashütte im Müglitztal bei Dresden (Sachsen) gegründet, wie die Swatch Group berichtete. Die Firma gewann schon bald erste Goldmedaillen bei Weltausstellungen und internationalen Wettbewerben. Noch heute seien die Uhren Meisterwerke der Präzision. Ihre qualitativ hoch stehenden mechanischen Uhren seien im Luxusbereich des obersten Uhrenmarktsegments anzusiedeln.

Der Glashütter Uhrenbetrieb beschäftigt derzeit laut Swatch mehr als 150 Fachkräfte und stellt im Jahr rund 10 000 Luxusuhren her. Die Swatch Group übernimmt die Belegschaft und führt den Betrieb am angestammten Ort weiter. Der bisherige geschäftsführende Gesellschafter Heinz Pfeifer soll das Unternehmen als gesondertes Profit Center der Swatch Group weiter leiten. Der Glashütter Uhrenbetrieb könne alle Möglichkeiten, Synergien und Ressourcen des Konzerns in der weltweiten Distribution sowie im Entwicklungs- und Produktionsbereich ausschöpfen, hieß es.

Swatch ist 1992 mit dem Kauf von Blancpain in das oberste Luxussegment eingestiegen und hat diesen Bereich mit dem Kauf von Breguet, Hatot, Jacques-Droz und jetzt Glashütte koninuierlich ausgebaut. Ebenfalls zum Luxus- und Prestigeuhrensegment zählen die Marken Rado, Omega und Longines, die jedoch preislich tiefer positioniert sind. Swatch ist mit 155 Fabriken der größte Uhrenkonzern der Welt. Die Swatch Gruppe erzielte 1999 einen Umsatz von 3,6 Mrd. sfr. Davon entfielen rund 75 Prozent auf den Verkauf von Uhren. Der übrige Umsatz wird mit der Produktion von Uhrenkomponenten erzielt. Der Gewinn lag 1999 bei 442 Mill. sfr.

Analysten beurteilen Zukauf positiv

Die Swatch Group dürfte nach Angaben von Analysten für den Glashütter Uhrenbetrieb ungefähr eine Summe, die dem zweifachen Umsatz entspricht, bezahlt haben. Der Umsatz des Uhrenbetriebs wird von Analysten auf rund 30 Millionen sfr geschätzt.

Wie die Banco del Gottardo erklärte, habe die Swatch Group gegenüber der Bank erklärt, der Kaufpreis entspreche ungefähr dem doppelten Umsatz. Swactch nannte keinen Verkaufspreis. Allgemein wird die am Montag veröffentlichte Übernahme in Analystenkreisen positiv beurteilt.

Laut Paola Orler von der Banco del Gottardo sei die Akquisition ein positiver Schritt, da die Marke Glashütte Potential habe. Glashütter Uhren, die bis jetzt hauptsächlich auf dem deutschen Markt verkauft wurden, könnten vom internationalen Vertrieb der Swatch Gruppe profitieren.
Außerdem könnten Teile der Produktion an Swatch ausgelagert und damit Kapazitätsengpässe überwunden werden.

Auch die Bank Sarasin bewertet den Kauf positiv. Zwar seien Glashütter Uhren aufgrund der geringen verkauften Volumen kein große Marke, sie hätten aber grosse Wachstumschancen. Die Züricher Kantonalbank und Lombard Odier sehen ebenfalls im Potential der Marke für das Swatch Luxussegment den grössten Vorteil der Akquisition.

Laut Swatch hat die Aureus Private Equity AG, ein Pool von privaten Investoren, der vom ehemaligen Metro Finanzchef Peter Tietz geleitet wird, das Unternehmen veräußert. Der bisherige geschäftsführende Gesellschafter der Glasshütter Uhrenbetriebe, Heinz Pfeiffer, werde das Unternehmen, das gegenwärtig 150 Personen beschäftigt, weiterhin als gesondertes Profit Center führen.

Mannesmann-Uhrensparte war Swatch zu teuer

Im April hatte Swatch die Uhrenfirma Jaquet-Droz, die vor allem in Fernost abgesetzt wird, gekauft. Als im Sommer diesen Jahres der deutsche Mannesmann-Konzern die Marken IWC, Jaeger-LeCoultre und Lange & Söhne verkaufte, war Swatch aufgrund des hohen Kaufpreises aus den Kreis der potentiellen Käufer ausgeschieden. Die Uhrenbetriebe gingen schließlich für 3,1 Mrd. sfr an den Richemont-Konzern.



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