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Maradona zur Drogen-Therapie nach Kuba

Der frühere argentinische Fußball-Star Diego Armando Maradona ist offenbar reif für die Insel. Nach vier Monaten in einer psychiatrischen Klinik bei Buenos Aires setzte er sich gegen den Rat seiner Ärzte und gegen den Wunsch seiner Familie nach Kuba ab.

dpa BUENOS AIRES. Der frühere argentinische Fußball-Star Diego Armando Maradona ist offenbar reif für die Insel. Nach vier Monaten in einer psychiatrischen Klinik bei Buenos Aires setzte er sich gegen den Rat seiner Ärzte und gegen den Wunsch seiner Familie nach Kuba ab.

Dort will der drogen- und herzkranke Weltmeister von 1986 die schon 2000 begonnene Entziehungskur fortsetzen. Staatschef Fidel Castro hatte den berühmten Patienten wiederholt eingeladen.

"Auf Kuba bin ich frei", meinte Maradona kurz vor seiner Abreise. Und fügte mit der ihm eigenen Chuzpe hinzu: "Das sagt mir mein Herz." Das aber ist durch Leistungssport und jahrelangen Drogenkonsum schon schwer angeschlagen. Anfang 2000 in Uruguay und dann erneut im vergangenen März hätte es sogar fast aufgehört zu schlagen. In diesem Jahr musste der "Goldjunge" sogar mehr als eine Woche lang auf einer Intensivstation in Buenos Aires künstlich beamtet werden.

Kaum war er jedoch wieder halbwegs auf den Beinen, zog es ihn zu opulenten Gelagen mit Grillfleisch und deftigen Würsten aufs Luxus-Anwesen eines Freundes bei Buenos Aires. Dort kurvte er wie ein kleiner Junge mit einem Golfmobil im Park herum, zeigte Journalisten seinen nackten Po und landete prompt wieder auf der Intensivstation. Das war seiner Familie dann zu viel: Sie ließ den Heißsporn in eine geschlossene psychiatrische Klinik einweisen und erwirkte bei einem Vormundschaftsrichter ein zeitweiliges Ausreiseverbot.

Das aber war nicht nach dem Geschmack Maradonas. "Da sind lauter Verrückte, die sich für Nationalhelden und Freiheitskämpfer halten. Wenn ich dann sage, dass ich Maradona sei, beschimpfen sie mich als Aufschneider", erzählte er einem Journalisten. Abends werde ein Gitter vor seinem Fenster heruntergelassen. Mit Hilfe von Anwälten, weinerlichen Interviews und einer Audienz beim Präsidenten erkämpfte er sich dann jedoch die Aufhebung des Ausreiseverbotes.

Der für sein loses Mundwerk bekannte Maradona teilte an den Vortagen auch noch einmal ordentlich aus. Die Spieler von Real Madrid beschimpfte er nach deren 0:3-Pleite in der Champions League bei Bayer Leverkusen als "angriffswütige Hunde", die sich "lächerlich" gemacht hätten. Und Argentiniens neuem Nationaltrainer José Pekerman riet er, lieber Jugendcoach zu bleiben, denn die Nationalmannschaft sei "etwas Großes".

Mit sich selbst ist er nicht ganz so kritisch. "Ich werde in Kuba alle strikten Auflagen erfüllen, und danach fängt das Leben wieder an", meinte er übermütig. Und ergänzte: "Auf Kuba ist meine Drogen- Sucht in einem Monat behoben und dann komme ich nach Argentinien zurück." Sein Bruder meinte kopfschüttelnd, der einzige, der für sein weiteres Schicksal die Verantwortung trage, sei Maradona selbst.

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