Marathon in Washington findet nicht statt: Sport will nicht vor Krieg kapitulieren

Marathon in Washington findet nicht statt
Sport will nicht vor Krieg kapitulieren

Die Sportorganisationen in Deutschland und der Welt wollen trotz des Kriegsbeginns im Irak den Wettkampfbetrieb noch nicht einschränken und an der Austragung internationaler Wettkämpfe festhalten. "Der Sport dient der Kommunikation, die müssen wir aufrechterhalten", erklärte Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), am Donnerstag.

HB/dpa DÜSSELDORF. In Einzelfällen werde dies keine leichte Entscheidung sein. Konsequenzen zogen bisher nur die Organisatoren des Marathons in Washington: Der für Sonntag geplante Lauf mit knapp 7000 Teilnehmern wurde abgesagt. Manfred von Richthofen hält Absagen derzeit nicht für notwendig. "Keine Sportveranstaltung in unserem Land ist gefährdet", versicherte der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), schloss aber auch nicht aus: "Das kann morgen oder übermorgen schon anders aussehen." Für Hysterie bestehe kein Anlass. "Bisher gibt es keine Hinweise, die auf eine Gefahrensituation hindeuten", sagte er.

Deshalb wird der nationale Sportbetrieb am Wochenende wie gewohnt weitergehen. So rollt der Ball in der Fußball-Bundesliga planmäßig. "Wir halten uns an die Vorgaben der internationalen Verbände, den Spielbetrieb wie geplant weiterzuführen", erklärte Tom Bender, Sprecher der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Man halte engen Kontakt zu den Sicherheitsstellen: "Die Sicherheitslage wird ständig geprüft." Begrüßt wird das Festhalten am Spielplan von Nationalspieler Carsten Ramelow. "Man kann nichts daran ändern, deshalb sollte es bleiben wie es ist", sagte der Kapitän von Bayer Leverkusen. Betroffen zeigte sich Borussia Mönchengladbachs Trainer Ewald Lienen vom Kriegsbeginn: "Ich habe nicht einen Zentimeter Lust über Fußball zu reden." Eine Absage der Bundesliga-Spiele hält er nur für sinnvoll, wenn wirklich alle streikten. "Alle Deutsche sollten die Arbeit niederlegen", so Lienen.

Ohne Einschränkungen wird der Spielbetrieb in den Bundesligen der Hand- und Basketballer sowie im Eishockey weiterlaufen. Auch das Handball-Länderspiel zwischen Deutschland und Island am Samstag in Berlin steht nicht zur Disposition. "Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, jetzt an solche Konsequenzen zu denken", sagte Detlev Zenk, Sprecher des Deutschen Handball-Bundes (DHB).

Michael Schumacher besorgt

Besorgt zeigte sich Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher vor dem Start beim Großen Preis von Malaysia: "Ich denke nicht, dass wir die Augen verschließen sollten. Der Krieg berührt uns alle." Die Verantwortlichen des zweiten WM-Laufs in Sepang hatten bereits klar gestellt, dass eine Absage kein Thema ist. Schumacher: "Jeder hat gehofft, dass es nicht passiert. Aber deshalb alles stehen und liegen zu lassen - ich glaube nicht, dass das irgend jemandem helfen wird." Unbeeindruckt vom Irak-Krieg reisten die drei deutschen Schwimmer Brigitte Kramrau, Nadine Pastor und Christian Hansmann zum Marathon- Weltcup am Donnerstag nach Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sicherheitsgarantien forderte hingegen der australische Schwimm-Weltrekordler Steve Hackett für einen Start beim Länderkampf gegen die USA am 6. April in Indianapolis. Australien werde nicht antreten, "wenn unsere Sicherheit bedroht ist".

Unter verstärkten Sicherheitsbedingungen wird die Biathlon-WM im russischen Chanty Mansijsk fortgesetzt. "Bei uns ist kein einziges Team vorstellig geworden und hat den Abbruch angeregt", begründete Weltverbands-Präsident Anders Besseberg die Entscheidung. Ungeachtet des Irak-Krieges wird an diesem Freitag die Shorttrack- WM in Warschau beginnen. Alle 34 Nationen, darunter das US-Team mit Olympiasieger Apolo Ohno, sind bereits in der polnischen Hauptstadt eingetroffen. Der Internationale Ski-Verband (FIS) sieht ebenfalls keinen Grund, seine Veranstaltungen abzusagen. "Wir werden alle Wettkämpfe weiterführen, weil es keine unmittelbare Gefahr gibt", erklärte Christian Knauth, Kommunikationsdirektor der FIS. Dies gelte sowohl für das Weltcup-Finale der Skiflieger in Planica als auch für die Langlauf-Weltcups in Borlänge und Falun.

Auf jeden Fall wird der Weltcup-Auftakt der Radsportler mit dem Frühjahres-Klassiker Mailand-San-Remo am Samstag gestartet, teilten die Veranstalter mit. Auch die Cricket-WM soll nach Aussage der Organisatoren am Sonntag wie vorgesehen mit dem Finale in Johannesburg zu Ende gehen.

Obwohl der Krieg einen Schatten auf die Olympischen Spiele 2004 in Athen werfen kann, werden sie vom IOC nicht in Frage gestellt. "Das IOC wird hart daran arbeiten, in Athen die Athleten aus den USA und dem Irak, aus Nord- und Südkorea und aus Israel und der Palästinenser dabei zu haben", sagte Bach. Die Aufgabe des IOC sei nicht, "Mauern durch Boykotte" aufzubauen, sondern "Brücken zu bauen." Eine Gefährdung der Spiele durch den Krieg sehe er nicht.

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