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Marcel Ospel: Machtmensch auf Schweizer Gipfel

Mit stetig wechselnden Allianzen hat sich der Chef der Union Bank of Switzerland (UBS) den Weg an die Spitze der größten Schweizer Bank geebnet. Seinen Pfad säumen auffallend viele "überraschend frühe" Abgänge.

HB DÜSSELDORF. Marcel Ospel, Konzernchef (CEO) der Union Bank of Switzerland (UBS), ist in Hochstimmung. Freunde und Bekannte berichten, dass sie ihn selten so locker gesehen haben wie jetzt nach seiner Berufung zum Präsidenten, also zur Nummer eins, des größten Schweizer Bank - und Finanzkonzerns. Es ist die Krönung seiner 23-jährigen Bankkarriere.

Sie wurde möglich, weil der jetzige UBS-Präsident, Alex Krauer, früher als geplant zurücktritt. Ursprünglich hatte die Bank kommuniziert, dass Krauer bis 2002 an der Spitze bleibe. "Ich will kein Sesselkleber sein", sagt Krauer. Nachfolger Ospers als Konzernchef der UBS wird der Brite Luqman Arnold.

Krauer passt sich mit seinem Entscheid in eine erstaunliche Serie ein: Er ist bereits der vierte Bankpräsident im Haus, der vorzeitig seinen Posten verlässt. Vor Krauer haben in nahtloser Folge Mathis Cabiallavetta, Georges Blum und Walter Frehner den Posten früher als geplant geräumt.

Schritt für Schritt ganz nach oben

Der Mann, der alle diese Präsidenten hat vorbeiziehen sehen, ist Marcel Ospel. Er hat auch selber an dieser Serie mitgewirkt. Der Machtmensch hat seine eigene Position bei der Bank Schritt für Schritt verbessern können. Dies, indem er wechselnde Allianzen mit den Entscheidungsträgern suchte.

Ob Konzept oder nur Zufall - etwas fällt in der Karriere des Marcel Ospel auf: Er hat sich in der Abfolge der Präsidentenwechsel immer mit dem jeweils neuen starken Mann im Haus gegen den bisherigen verbündet und so die Dynamik der Sesselwechsel mitbestimmt.

Den Anfang nahm die Serie 1996, als Walter G. Frehner für Georges Blum Platz machte. "Wenn ein 62-jähriger Verwaltungsratspräsident nach bloß drei Amtsjahren seine Funktionen aus freien Stücken niederlegt, so ist das für schweizerische Verhältnisse eher ungewöhnlich", urteilte die seriöse "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ), das führende Blatt der Schweiz.

Blum und Ospel galten damals als Power-Couple. Blum hatte als Konzernchef (CEO) die Bank strategisch erfolgreich neu positioniert. Er wusste, dass er dies zu einem großen Teil seinem Auslandschef Marcel Ospel zu verdanken hatte, der mit der Übernahme der englischen Investmentbank Warburg die Neuausrichtung erst ermöglicht hatte. Blum und Ospel präsentierten sich als die Vertreter des neuen Bankvereins. Frehner war der Mann der Vergangenheit. Der Verwaltungsrat ließ sich überzeugen: Blum wurde neuer Präsident, Ospel sein CEO.

Ospel profitierte von der Fusion zur UBS

1997 kam es zur Fusion von Bankverein (SBV) und Bankgesellschaft (SBG) zur Union Bank of Switzerland (UBS). Für Ospel hatte dies zur Folge, dass gleich zwei mächtige Schlüsselfiguren den Weg freimachten: Robert Studer auf der Seite der Bankgesellschaft und Blum auf der Seite des Bankvereins.

Zunächst schaltete Ospel Studer aus. "Solange Studer mitmischt, kommt die Fusion nicht zu Stande", war seine Position. Das Argument war, dass Studer wegen seiner unglücklichen Äußerung in der Holocaust-Diskussion imagemäßig für die fusionierte Bank ein Risiko darstelle. Ospel suchte früh das Vertrauen des SBG-Konzernchefs Mathis Cabiallavetta, der im Schatten von Studer stand: Das Ausschalten von Studer sollte für Cabiallavetta wie ein Befreiungsschlag wirken. Der gemeinsame Druck wirkte: Studer zog sich zurück.

Jetzt mussten Ospel und Cabiallavetta nur noch Blum dazu bewegen, quasi in Opfersymmetrie ebenfalls zurückzutreten. Die Aufgabe, Blum davon zu überzeugen, übernahm SBV-Vizepräsident Alex Krauer, im Hintergrund unterstützt von SBG-Vizepräsident Markus Kündig. Lange wehrte sich Blum, gab aber schließlich im Interesse der Fusion nach.

Cabiallavetta und Ospel wurden zum nächsten Power-Couple

Cabiallavetta wurde die neue Nummer eins (Präsident), und Ospel bildete mit ihm flugs das nächste Power-Couple. Es hielt allerdings nicht lange zusammen. Als die UBS 1998 wegen des Debakels um den Risikofonds LTCM in die Schlagzeilen geriet, opferte die UBS ihren Präsidenten ohne viel Federlesens. Ospel hatte sich im Nachgang der Fusion längst als starker Mann im Konzern etabliert. Cabiallavetta, durch einen Derivate-Skandal in London ohnehin angeschlagen, leistete kaum Widerstand gegen die Aufforderung, mit seinem Rücktritt die Bank imagemäßig wieder auf die Beine zu bringen.

Das Präsidium übernahm Krauer, mit Ospel durch seine langjährige Verwaltungsrat-Mitgliedschaft eng vertraut. Krauer stärkte Ospel auch den Rücken, als dieser Anfang des Jahres auf Grund der Unsicherheit und der bröckelnden Aktienkurse bei Presse und Investoren arg untendurch war. Als Ospel - nicht zuletzt durch den erfolgreichen Zusammenschluss mit dem US-Investmenthaus Paine Webber - wieder Oberwasser gewann, machte Krauer Platz. Er war seinerseits als Firmenstratege in die Kritik geraten.

Mit dem Rücktritt Krauers ist nun ein weiterer wichtiger Geburtshelfer von Ospels Macht abgetreten. Nur wenige gibt es noch in seinem Umfeld: UBS-Vizepräsident Markus Kündig etwa, der einst vorgeschlagen hatte, Blum zum Rücktritt zu veranlassen. Oder Peter Wuffli, derzeit zum UBSAsset-Management in Chicago abgeschoben, der Ospel als Finanzchef bei jedem Machtgerangel den Rücken gestärkt hatte und jetzt bei der Nachfolge übergangen wurde. Sollte sich das Gesetz der ospelschen Serie wiederholen, müsste - rein theoretisch - einer dieser Power-Player der Nächste sein, der die Bank verlässt.

Doch Banksprecher winken ab: Wuffli und andere Kronprinzen wie Investment-Banking-Chef Markus Granziol habe man auch darum nicht an die Konzernspitze gesetzt, weil man sie nicht aus ihren laufenden, wichtigen Aufgaben herausreißen wollte. Im Verwaltungsrat wiederum seien trotz drei neuer Zugänge derzeit keine Abgänge geplant.

Der neue Verwaltungsrat macht Ospel noch stärker

Die neuen Verwaltungsräte stärken die Macht Ospels eher: Der Holländer Hans de Gier, Exchef von Warburg Dillon Read, ist Ospel seit den gemeinsamen Bankverein-Tagen im Jahr 1980 freundschaftlich verbunden. Unisys-Chef Larry Weinbach lernte Ospel persönlich vor zwei Jahren kennen, als Unisys-Schweiz-Chef Dominique Freymond ihm Ospel vorstellte. Weinbach hat ein Interesse an einer guten Verbindung mit Ospel. Schließlich ist die UBS einer der größten Kunden des kriselnden Computerunternehmens.

"So wie das Gremium zusammengesetzt ist, gibt es im Verwaltungsrat kein echtes Gegengewicht zu Ospel", zitierte eine Zeitung den bekannten Headhunter Sandro Gianella. Ospel ist nach einem langen Weg und vielen Abgängen der unangefochtene Alleinherrscher der Bank. Damit ihn nicht das gleiche Schicksal ereilt wie seine Vorgänger, hat Ospel die Macht seines eigenen Nachfolgers strikt eingeschränkt und sich auch als Präsident gewisse CEO-Aufgaben vorbehalten. Er hat das zur Sicherheit auch noch gleich von der allerobersten Ebene absegnen lassen - der Eidgenössischen Bankenkommission.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur des Schweizer Wirtschaftsmagazins "Bilanz".

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