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Marcel Wüst: Sprinterjahre

Jede Woche finden Sie hier Rezensionen aus der Handelsblatt-Redaktion.

Marcel Wüst:Sprinterjahre.Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2004, 336 Seiten, 19,90 Euro.

Vor vier Jahren endete abrupt die Karriere des deutschen Radrennfahrers Marcel Wüst. Nach einem schweren Sturz bei einem Radrennen in Frankreich erblindete er auf dem rechten Auge. Im Leistungssport ist es an der Tagesordnung, dass Akteure von einem auf den nächsten Tag den Boden unter den Füßen weggezogen bekommen. Der Fokus der Beobachter richtet sich dann darauf, wie der Sportler mit seinem Schicksal klarkommt. In Marcel Wüsts Autobiografie "Sprinterjahre" nehmen der Unfall und die Zeit danach großen Raum ein. Als Leser lernt man vor allem, dass auch kleine Erfolge Anlass für großes Feiern sein können. Eines kommt beim Bericht der rheinischen Frohnatur jedoch zu kurz: Die Dopingaffäre rund um das Festina-Team, die 1998 einen Ausschluss bei der Tour zur Folge hatte. Insgesamt ist das Buch unterhaltsam - für Radsportfans hat es sicher noch weitere Qualitäten. Christoph Lippok

Riccardo Orizio: Allein mit dem Teufel. Diederichs Verlag, München 2004, 222 Seiten, 19,95 Euro.

Wie altern ehemalige Diktatoren? Dieser Frage ging der Journalist Riccardo Orizio auf den Grund und ermunterte sieben Tyrannen im Ruhestand dazu, ihm ihre Gedanken mitzuteilen. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", bringt Wojciech Jaruzelski stellvertretend für alle die Befindlichkeiten auf den Punkt. Egal ob es sich um den polnischen Ex-General, Albaniens Langzeitstaatschef Enver Hodscha oder um Bokassa handelt, den selbst ernannten Kaiser von Zentralafrika - immer waren es die "Umstände", die sie dazu zwangen, Menschenrechte mit Füßen zu treten. Und während sie alle betonen, nur Spielbälle der Geschichte gewesen zu sein, blicken die gestürzten Gewaltherrscher voller Nostalgie auf die Tage zurück, als die Menschen vor ihnen zitterten. Die spannenden Interviews belegen: von Reue keine Spur. Ralf Balke

Elisabeth Heidenreich: Fließräume.Campus Verlag, Frankfurt 2004, 307 Seiten, 29,90 Euro

Die Beziehung zwischen Raum, Natur und Kultur - um nichts Geringeres geht es in dem Buch "Fließräume". Ein abstraktes Thema, das Elisabeth Heidenreich auf ein konkretes Beispiel herunterbricht: die städtische Wasserversorgung. An diesem Prototyp eines modernen Netzwerks zeigt die Professorin für Stadt-, Umwelt- und Kultursoziologie an der griechischen Universität Ägäis, wie sich die natürliche, technische und soziale Welt verknüpfen. Heidenreich beschreibt die Aufbereitung des Trinkwassers ebenso detailreich wie die Ausbreitung der Cholera und psychische Befindlichkeiten im Badezimmer. Das Buch ist keine leichte Strandkost - aber für Laien verständlich geschrieben. Josy Wübben

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