Margen im Breitbandgeschäft unsicher
Internetaktien bleiben ein heißes Eisen

Mit der Mehrzahl der großen europäischen Internetanbieter geht es spürbar bergauf. Das belegen die jüngsten Quartalszahlen. Trotzdem sollten Anleger auf der Hut sein: Viele Telekom-Unternehmen könnten bei ihrer Entschuldung Beteiligungen an Internet-Töchtern versilbern. Neuer Druck auf Web-Aktien droht.

FRANKFURT. Mit T-Online, Tiscali und Lycos Europe präsentieren heute nach Wanadoo und Terra Lycos die letzten großen europäischen Internet- anbieter ihre Ergebnisse für das dritte Quartal. Fazit: Bei der Mehrzahl geht es operativ spürbar aufwärts. T-Online-Chef Thomas Holtrop korrigierte gar die Prognose für 2002 nach oben: "Laut namhafter Analysten kommen wir auf ein Plus beim Ebitda zwischen 40 und 60 Mill. Euro", sagte der T-Online-Chef. Bislang war man von 30 bis 40 Mill. Euro ausgegangen. Allerdings ohne die jetzt von T-Online addierten 20 Mill. Euro aus dem Verkauf von T-Motion-Anteilen an T-Mobile.

Doch auch ohne solche Rechenoperationen sollten Investoren auf der Hut sein: Ein Risikofaktor bei europäischen Internetaktien ist die anstehende Entschuldung der Telekom - Branche, in deren Besitz sich die meisten großen Internetanbieter befinden. Sollten sie Anteile über die Börse verkaufen, könnte das die Kurse der Internet-Töchter auf Talfahrt schicken.

Die Deutsche Telekom hält noch immer 81,7 % der Anteile an T-Online; die mehrheitlich im Besitz des französischen Staates befindliche France Télécom besitzt 70,6 % an Wanadoo. Der Anteil frei handelbarer Aktien (Freefloat) beider Unternehmen liegt unter 20 %. "Sollten Teile über die Börse platziert werden, könnte sich der Freefloat leicht verdoppeln", sagt Ilaria Magagnoli, Internetanalystin bei der Credit Suisse First Boston.

Auch Kai Kaufmann, Internetexperte bei Dresdner Kleinwort Wasserstein rechnet im Falle steigender Freefloats kurzfristig mit negativen Folgen für den Kurs. "Langfristig hätte eine größere Zahl frei handelbarer Aktien jedoch eine positive Wirkung", so Kaufmann. Bei institutionellen Investoren habe das Interesse an Internetwerten spürbar zugelegt, die Marktenge der Werte schrecke aber Anleger ab.

Doch auch das Nutzen von Aktien als Übernahmewährung kann die Kurse belasten. So bezahlte Wandoo die Übernahme des spanischen Portals Eresmas mit 53,6 Millionen Aktien. Nach Erhalt bot der Verkäufer Auna die Papiere postwendend am Markt an; der Kurs von Wanadoo geriet unter Druck.

Risiko Restrukturierung: Laut Presseberichten denkt man im französischen Finanzministerium darüber nach, im Rahmen der Entschuldung der France Télécom die französischen Gelben Seiten aus Wanadoo auszugliedern und an die Börse zu bringen. Pariser Banken schätzen deren Wert auf 2,5 bis 3 Mrd. Euro. Sollte diese Idee umgesetzt werden, würde Wanadoo auf einen Schlag 46 % Umsatz und die Hälfte seiner derzeitigen Marktkapitalisierung von 5,2 Mrd. Euro verlieren.

Unter Druck stehen nach Einschätzung von Experten auch die Margen im lukrativen Geschäft mit DSL-Breitbandzugängen. Hier erwirtschaften die Internetprovider rund 30 % Marge. "Mehr Wettbewerb und eine strengere Gangart der Regulierungsbehörden werden die Margen in den nächsten Jahren schrumpfen lassen", schätzt CSFB-Analystin Magagnoli. Das würde vor allem T-Online treffen.

Ausgesprochen risikoarm erscheint dagegen das italienische Medienhaus Seat Pagine Gialle. Mehr als die Hälfte des Umsatzes stammt aus dem Geschäft mit Branchenverzeichnissen. Gleichzeitig ist Seat PG der zweitgrößte italienische Internetanbieter. "Wegen des großen Gewichts des traditionellen Verzeichnisgeschäfts ist Seat PG ein defensiver Internetwert für das Depot", urteilt Kai Kaufmann. Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen und konnte als eine der wenigen Internetaktien in den vergangen drei Monaten den Eurostoxx50-Index schlagen.

Wenig Begeisterung rufen bei Experten Internetanbieter hervor, die sich überwiegend durch Online-Werbung finanzieren. Dazu gehört neben der spanische Terra Lycos das Internetportal Lycos Europe. "Underperform", urteilt Magagnoli. "Bevor dieser Markt anspringt, werden die Werbeaufträge für TV-Sender und Print-Medien spürbar anziehen", sagt die Analystin. Doch danach sehe es derzeit noch nicht aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%