Marineschiff soll Menschen nach Papua-Neuguinea bringen
Australien fängt weitere Bootsflüchtlinge ab

Zwei Wochen nach Beginn des Flüchtlingsdramas vor der Weihnachtsinsel hat die australische Marine am Wochenende weitere 237 Bootsflüchtlinge abgefangen. Das Marineschiff "Manoora" solle die mehrheitlich irakischen Flüchtlinge zusammen mit den über 430 afghanischen Schiffbrüchigen nach Papua-Neuguinea bringen, sagte Premierminister John Howard am Samstag.

afp SYDNEY. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hatte das indonesische Flüchtlingsschiff "Aceng" trotz wiederholter Warnungen Kurs auf die australische Insel Ashmore gehalten. Howard kündigte eine Verschärfung des Asylrechts an. Flüchtlinge müssten demnach das australische Festland erreichen, bevor sie einen Asylantrag stellen können.

Zwei australische Kriegsschiffe hätten die "Aceng" in internationalen Gewässern gestoppt, sagte Howard. Seinen Angaben zufolge enterten Marinesoldaten das Schiff vor der Insel Ashmore und brachten die 237 mehrheitlich irakischen Flüchtlinge auf die "Manoora". Dort befinden sich bereits die mehr als 430 Flüchtlinge meist afghanischer Herkunft, die acht Tage lang auf dem norwegischen Frachter "Tampa" vor der australischen Weihnachtsinsel ausharren mussten. Mit seiner Weigerung, die Schiffbrüchigen an Land zu lassen, löste Australien internationale Proteste aus.

Neuseeland und der Inselstaat Nauru hatten sich schließlich bereit erklärt, die 430 Schiffbrüchigten aufzunehmen. Sie sollen von Papua-Neuguinea aus dorthin geflogen werden. Was dagegen mit den 237 neuen Bootsflüchtlingen geschehen soll, war am Sonntag noch unklar. Außenminister Alexander Downer sagte dazu lediglich, Australien führe "derzeit einige Verhandlungen". Zudem muss ein australisches Gericht noch entscheiden, ob die "Tampa"-Flüchtlinge nicht doch noch in Australien Asyl beantragen dürfen.

Die Regierung in Jakarta hatte nach Angaben Howards eine Kontrolle des Flüchtlingsschiffs in indonesischen Gewässern abgelehnt. Daher habe die australische Marine erst in internationalen Gewässern einschreiten können. Howard kündigte an, in Zukunft solle es nicht mehr möglich sein, auf den abgelegenen Inseln vor Australiens Nordwestküste Asylanträge zu stellen. Dazu müssten die Flüchtlinge künftig australisches Festland erreichen.

Die australischen Minister für Verteidigung, Auswärtiges und Einwanderung hatten in der vergangenen Woche Gespräche mit der Regierung in Jakarta aufgenommen, um gegen den Menschenschmuggel vorzugehen. Die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri lehnte ein Treffen mit der australischen Delegation ab. Canberra sieht in Indonesien einen zentralen Ausgangspunkt für Asylbewerber. Die Weihnachtsinsel und die Insel Ashmore waren in der Vergangenheit häufig das Ziel von Flüchtlingsbooten.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton warnte Australien am Samstag vor neuen Flüchtlingskrisen aufgrund der weltweiten Klimaerwärmung. Der steigende Meeresspiegel werde viele Menschen ihrer Lebensgrundlage berauben, sagte Clinton in Sydney. "Wenn Sie sich um 400 Menschen sorgen, dann lassen Sie die Erdtemperatur in den nächsten 50 Jahren weiter ansteigen, und Ihre Enkelkinder werden sich über 400 000 Menschen Sorgen machen", sagte Clinton auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Unter anderem am Widerstand von Australien wäre das Klima-Protokoll von Kyoto auf der Bonner Konferenz im Juni fast gescheitert.

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