Mark Fields ist Chef der Ford-Luxussparte PAG
Fields: Der smarte Kostenkiller

Im Ford-Konzern zählt er zu den ganz großen Talenten. Mark Fields hat sich, obwohl erst 41 Jahre alt, bereits auf die Top-Etage im weltweiten Automobilmanagement vorgearbeitet. Seit Anfang Juli ist der Amerikaner die neue Nummer eins bei der Ford-Luxussparte "Premier Automotive Group" (PAG).

LONDON. Besonders die deutschen Autohersteller werden mit kritischen Augen beobachten, in welche Richtung er die PAG von London aus steuern wird. Sein Vorgänger ist Deutscher und kam auch noch von BMW: Wolfgang Reitzle, eine illustre Figur der Autoszene, häufig in den Schlagzeilen der Boulevardpresse, aber mit hohem Ansehen wegen seiner automobilen Fachkenntnisse. BMW und Mercedes stehen für die Spitze im Autobau. Als PAG-Chef wird sich Fields deshalb sehr genau an den beiden deutschen Premiumherstellern orientieren müssen.

Genügend Autoerfahrung besitzt der Ford-Manager zweifellos. Nach einem kurzen Zwischenspiel bei IBM landet der Harvard-Absolvent bereits 1989 bei Ford. Schnell werden beim US-Autokonzern seine Talente entdeckt: Deshalb darf er mit Mitte 30 schon Ford Argentinien leiten. Vor gut zwei Jahren rückt er an die Spitze von Mazda vor, dem japanischen Partner des

Niemand zweifelte daran, dass Fields nicht allzu lange auf diesem fernen Außenposten der Ford-Welt bleiben würde. Zumal er es geschafft hatte, Mazda in die schwarzen Zahlen zurückzubringen. Doch Wechselabsichten leugnete er stets. So verkündete er noch im Februar dieses Jahres: "Meine Zukunft liegt bei Mazda" - von wegen. Er blieb nur noch wenige Monate im japanischen Hiroshima. Jetzt muss Fields mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen nach London umziehen.

Bei Mazda stand er vor der Aufgabe, den japanischen Autohersteller stärker in die Ford-Welt zu integrieren. Mazda sollte vor allem mehr Bauteile von Ford verwenden. "Wir müssen eine intelligente Nutzung von Synergien erreichen", sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Anders formuliert: Die Kosten mussten massiv herunter.

Kosten senken bei Jaguar & Co

Eine ähnliche Aufgabe erwartet den smart wirkenden Kostenkiller bei Fords Luxussparte, zu der die renommierten Marken Jaguar, Land Rover, Aston Martin und Volvo gehören. Noch pflegt jede Marke ein zu starkes Eigenleben. Fields soll aufräumen und sie stärker auf Ford-Kurs bringen.

Dass er dies kann, hat er schon in Japan bewiesen. Doch ihm fehlt die Erfahrung eines Wolfgang Reitzle, der mehr als zwei Jahrzehnte ausschließlich in der Luxuswelt von BMW zugebracht hat. "Reitzle versteht eine Premiummarke perfekt", sagt Georg Stürzer, Automobilanalyst der Hypo-Vereinsbank in München, lobend über den Deutschen. Grundsätzlich habe Ford mit der Gründung einer eigenen Luxussparte zwar den richtigen Weg eingeschlagen. "Doch Mercedes und BMW nehmen kein Gas zurück", beschreibt Stürzer die Wettbewerbssituation im Premiumbereich.

Fields hat bei Mazda gezeigt, dass er ein Unternehmen kurzfristig durch Kostensenkungen profitabel machen kann. Bei PAG muss er jedoch eine langfristig profitable Produkt- und Markenstrategie entwerfen. Dafür sind die Voraussetzungen derzeit nicht die besten. Der Mutterkonzern hat das vergangene Jahr mit einem Milliarden-Minus abgeschlossen. Deshalb muss auch die Ford-Luxussparte nach Kräften sparen. Die US-Marke Lincoln, unter Reitzle noch Teil der PAG, wurde bereits in den amerikanischen Teil des Ford-Konzerns integriert. Der Jaguar F-Type, von Reitzle als Konkurrent zu den Sportwagen von Porsche gedacht, ist erst einmal auf Eis gelegt worden. Von einem Volvo in der Größe eines VW Golf ist keine Rede mehr.

Vielleicht lässt sich der ehrgeizige Mark Fields davon nicht sonderlich beeindrucken. Doch mit nur zwei Jahren, wie bei Mazda, wird er in London nicht auskommen. Die vier hinzugekauften Luxusmarken unter das Ford-Dach zu bringen - dafür braucht er viel länger.

Vita

Mark Fields, geboren am 24. Januar 1961 im New Yorker Stadtteil Brooklyn, studiert an der Rutgers University und in Harvard Wirtschaftswissenschaften. Er arbeitet zuerst im Bereich Marketing und Vertrieb beim Computerkonzern IBM und wechselt 1989 zur Ford Motor Company. Im Dezember 1999 wird er Chief Executive Officer des japanischen Autoherstellers Mazda und zugleich Vice-President von Ford. Seit 1. Juli dieses Jahres ist er Chef der Premier Automotive Group (PAG), der Luxusauto-Sparte von Ford.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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