Markenzeichen für kritischen Fernsehjournalismus
Klaus Bednarz steigt bei „Monitor“ aus

Klaus Bednarz moderiert an diesem Donnerstag zum letzten Mal "Monitor". Nach 18 Jahren übergibt er Leitung der Redaktion und Moderation an seine Nachfolgerin Sonia Mikich.

ap KÖLN. Der 59-Jährige wird ab Januar auf eigenen Wunsch Sonderkorrespondent und Chefreporter für den WDR.

Er wird nach Angaben des Senders auch große Dokumentarfilmprojekte realisieren. Zusätzlich übernimmt Bednarz regelmäßig Vertretungen in Auslandsstudios des WDR, insbesondere in den ARD-Studios Moskau, Washington und New York. WDR-Intendant Fritz Pleitgen erklärte am Dienstag: "Dokumentationen, Features und Reportagen gehören zu den Stärken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Diesem Genre wollen wir noch mehr Geltung verschaffen."

Bednarz' filmische Erzählungen über Ostpreußen und den Baikalsee seien Kunstwerke und zugleich große Publikumserfolge. "Klaus Bednarz gehört zu den Top-Journalisten der deutschen Fernsehbranche", lobte Pleitgen. "Unter seiner Leitung gilt Monitor als Markenzeichen des investigativen Journalismus."

Bereits im Juni dieses Jahres hat Bednarz mit den Dreharbeiten zu einer dreiteiligen Serie unter dem Arbeitstitel "Vom Baikalsee nach Alaska" begonnen. Sie zeichnet den Weg nach, den einst die Vorfahren der amerikanischen Indianer - vom Süden Sibiriens nach Alaska - zogen. Es wird eine Reise über mehr als 10.000 Kilometer sein, vom Baikal den Fluss Lena abwärts, durch das Nördliche Polarmeer bis zur Beringstrasse und von dort zur Küste Amerikas. Voraussichtlicher Sendetermin ist Weihnachten 2002.

Bednarz' erste Station als ARD-Korrespondent war von 1971 bis 1977 in Warschau. Danach war er bis 1982 Leiter des ARD-Studios Moskau. Jeweils ein Jahr lang leitete er die WDR-Redaktion Auslandsstudio und moderierte die "Tagesthemen". Im Dezember 1983 wechselte er zu "Monitor". Außerdem ist er ständiger Kommentator der "Tagesthemen" und Sonderkorrespondent der ARD in Russland.

Seine engagierte Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, unter andertem mit Adolf-Grimme-Preis, Carl-von-Ossietzky-Medaille, Goldener Kamera, Kritiker-Preis, Civis-Preis, TeleStar, Umwelt-Medienpreis.

Inhaltlich stand Bednarz mit "Monitor" nach eigenem Bekunden "für die Rechte von Minderheiten, für Menschenrechte, für soziale Chancengleichheit, für den Erhalt der Umwelt". Das Magazin wurde zum Markenzeichen für kritischen Fernseh-Journalismus zum Beispiel mit Berichten über Würmer in Fischen und über Skandale bei der Bundeswehr. Die Beiträge und seine Kommentierungen eckten immer wieder an - vor allem die satirischen Einfälle wie eine Lottoglosse über eine neue Urlaubssteuer im Juli 1997, die der damalige Finanzminister Theo Waigel überhaupt nicht witzig fand.

Sein "Tagesthemen"-Kommentar im Juni 1993 zum Brandanschlag auf das Asylantenwohnheim von Solingen hatte Konsequenzen. Nachdem Bednarz Printmedien vorgeworfen hatte, zur Panikmache gegen Ausländer beigetragen zu haben, erhielt der ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann ein Vetorecht bei der Festlegung des "Tagesthemen"-Kommentators, um so die "notwendige Pluralität" zu gewährleisten.

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