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Marks & Spencer zeigt Ansätze zur Besserung

Wunder gibt es immer wieder. Am Mittwoch eröffnete der britische Einzelhändler Marks & Spencer einer erstaunten Öffentlichkeit, dass die Quartalsverkäufe des Konzerns im Jahresvergleich gestiegen sind.

LONDON. Eine solche Nachricht hatte man von M & S seit drei Jahren nicht mehr gehört. Die Aktien des krisengeschüttelten Einzelhändlers zogen noch am selben Tag um 10 %an.

Der Anstieg der Verkäufe in Großbritannien um 2,8 % gilt als eine von mehreren Hoffnungen, dass es endlich wieder aufwärts gehen könnte. Zwar sind die Zahlen verzerrt, weil ein Streik der Fuhrunternehmer wegen zu hoher Benzinpreise das Land im 2. Quartal 2000 lahmgelegt hatte. Doch deuten auch andere Tendenzen an, dass die jahrelange Talfahrt des Konzerns zumindest abbremsen könnte.

Analysten bleiben skeptisch

Wie es scheint, hat Vorstandschef Luc Vandevelde mit dem Engagement des Designers George Davies einen Glücksgriff getan. Denn dessen Kollektion "Per Una" für jüngere Frauen hat etwas erreicht, was M & S ebenfalls seit Jahren nicht mehr gelungen ist: Sie hat einen Trend getroffen. Wegen der großen Nachfrage hat M & S schon jetzt Lieferprobleme. Doch obwohl die Kollektion erst einmal nur in 60 statt der geplanten 90 Geschäfte erscheint, werden die Einnahmen die Erwartungen übertreffen, kündigte Vandevelde an. Da die Kollektion nur in 2 % der gesamten Verkaufsfläche von M & S verkauft wird, bleiben die Analysten aber verhalten skeptisch.

Ohnehin trügen Hoffnungen gerade bei M & S sehr leicht. In der Vergangenheit galt das britische Haus geradezu als Garant für schlechte Nachrichten. Der massive Abstieg der Aktie von Hochständen um 650 Pence auf derzeit gut 310 Pence begann 1998, in der Amtszeit von Sir Richard Greenbury. Interne Machtkämpfe, falsche strategische Entscheidungen und immer wieder verpasste Trends prägten in der Vergangenheit das Bild des bekanntesten britischen Einzelhändlers.

Die Geschichte verschlafener Entwicklungen beginnt freilich schon eher. Bereits in den 80er Jahren ging der Trend, die Verkaufsflächen aus den Städten zu verlagern, an M & S vorbei. In den 90ern konnten Konkurrenten wie Next, Gap oder Hennes & Mauritz dem zunehmend bieder erscheinenden Einzelhändler M & S immer wieder den Schneid abkaufen. Zudem setzten ihr Ketten wie die Asda Group, eine Tochter des US-Handelsriesen Wal-Mart, mit konsequenter Billigpreis-Strategie zu.

Merill Lynch: effektivere Werbung und bessere Preise

Statt zu kontern, verzettelten sich die Briten mit ihrer eigenen Strategie. Die großspurig als Siegeszug angekündigte Expansion von M & S nach Kontinentaleuropa wurde im März dieses Jahres nach jahrelangem Hickhack abgebrochen. Der Rückzug belastete auch den Anfang 2000 an die Spitze gerückten Belgier Vandevelde, der zuvor noch von dringend notwendiger Internationalität eines Konzerns dieser Größenordnung geredet hatte. Auch im Inland brachten seine Mittel gegen die Krise wie der Ausbau des Lebensmittelbereichs nicht den erhofften Erfolg. Erst im September erschien in Großbritannien ein Buch mit dem symptomatischen Titel: "The rise and fall of Marks & Spencer" - Aufstieg und Fall von Marks & Spencer.

Das Unternehmen hat in der Tat Probleme. Doch es könnte sein, dass etwas geschieht. Die Analysten von Merrill Lynch stellten neben den positiven Verkaufs-Nachrichten eine effektivere Werbung und bessere Preise fest. So erhöhten sie ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr um mehr als 7 % auf 570 Mill. Pfund (2000: 543 Mill. Pfund), das Preisziel der Aktie setzt Merrill auf 350 Pence. Die Investment-Bank Goldman Sachs nennt die Briten einen "defensiven Wert" im Depot, obwohl für das Management noch "viel zu tun" sei. Goldman glaubt, dass sich die Aktie als "Marktperformer" entwickelt, also nicht mehr als 10 % in sechs Monaten zulegt.

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