Markt für die Auswahl von Vermögensverwaltern im Umbruch: Consultants unter Druck
Konkurrenz kommt aus dem Internet

Im Beratungsgeschäft für institutionelle Anleger verschärft sich der Wettbewerb. Neue Dienstleister mischen erfolgreich mit. Sie setzen stark auf das Internet. Es gibt aber auch Kritik an den Initiativen.

FRANKFURT/M. Eine Branche boomt: Die Consultants berichten über enorme Wachstumsraten und rufen damit Konkurrenten auf den Plan, die den Platzhirschen das Geschäft streitig machen wollen. Bis vor kurzem schien der Markt in Deutschland aufgeteilt. Jetzt mischen neue Adressen im Geschäftsfeld der Asset-Manager-Auswahl für institutionelle Anleger mit. Alle setzen auf das Medium Internet. Vor allem die kräftig wachsende Firma Bfinance sieht sich gut gerüstet für die Zukunft. Einige der klassischen Consultants dagegen machen Front gegen die Neulinge. Ihre Meinung: Bei der modischen Internet-Welle bleibt der Anleger am Ende auf der Strecke.

Die deutlichsten Worte findet Jochen Kleeberg. "Das hat nichts mit echter Leistungsbeurteilung eines Asset-Managers zu tun", sagt der Geschäftsführer von Alpha Portfolio Advisors, eine der vier bekannten deutschen Consultingfirmen (Tabelle). Kleebergs Urteil: "Nicht unabhängig, nicht objektiv, zu teuer." Seiner Meinung nach ist die neue Adresse Bfinance für den Anleger "um den Faktor zehn bis zwanzig teurer als eine der etablierten Adressen und bietet eine mit Abstand schlechtere Leistung".

Die erst 1999 gegründete Firma Bfinance ist in Frankreich, Deutschland und Großbritannien aktiv. "Wir stellen einen Marktplatz für ausgeschriebene Vermögensverwaltungsmandate zur Verfügung und beraten die Anleger außerdem auf dem weiteren Weg bis zum erfolgreichen Abschluss der Suche", sagt Roland Gill, verantwortlich für Geschäftsentwicklung und Marketing. Europaweit sind jetzt über 320 Finanzinstitute Bfinance angeschlossen, davon allein 80 Investmentgesellschaften und Asset-Manager in Deutschland. Diese Adressen lassen mit ihren Eckdaten im Internet registrieren - kostenlos.

Anleger, die ein Mandat vergeben wollen, grenzen mit Hilfe von Bfinance-Beratern die Liste möglicher passender Asset-Manager ein. "Diese Anbieter laden wir zur Ausschreibung ein", sagt Gill. Der Clou: "Diese Asset-Manager können sich dann in einem gesicherten Datenraum einen individuellen Fragebogen herunterladen und müssen bei Interesse am Mandat Fragen zu ihrer Performence, zum Personal oder zu den Gebühren beantworten." So findet der Investor letztendlich seinen Vermögensverwalter.

"Die ganze Sache dauert nur maximal drei Wochen, das ist ein großer Gewinn für den Investor", sagt Gill. Beim klassischen Consultant ist mehr Zeit zu veranschlagen. "Im Schnitt sind es zwei Monate", sagt Georg Seil, Vorstand von Georg Seil Consulting GSC.

Bfinance erhält als Entlohnung einmalig und vorab einen Anteil an der Managementgebühr von dem Asset-Manager, der den Zuschlag erhält. Für ein dreijähriges Mandat im Bereich Emerging-Markets-Anleihen mit 50 Basispunkten jährlicher Gebühr könnten das 10 % sein, das heißt es werden 15 Basispunkte (3 Jahre mal 10 % von 50) gezahlt. Der klassische Consultant streicht dagegen ein fixes Honorar ein - und zwar vom Anleger. "Das sind im Schnitt 15 000 bis 25 000 Euro", sagt Seil.

Der Anlegerkontakt ist für Bfinance außerdem mit der Mandatsvergabe beendet. "Fortlaufende Betreuung wie die klassischen Consultants bieten wir nicht, sondern verstehen uns als europäischer Ausschreibungsspezialist", macht Gill klar. Das ist für die Etablierten ein Knackpunkt. So meint Patrik Bremerich, Geschäftsführer von RMC Risk-Management-Consulting: "Unsere Kunden suchen Beratung, nicht den Zugriff auf eine Datenbank."

Für Bremerich kann eine "quantitative" und damit computerbasierte Vorauswahl auf Basis von Performance- und Risikodaten nur die Grundlage für eine weiter gehende "qualitative" Analyse in individuellen Gesprächen mit dem Asset-Manager sein. Dabei geht es unter anderem um die Stabilität der Anlagephilosophie, des Personalstamms, der Firmenorganisation. Die Fähigkeit zur qualitativen Analyse nimmt allerdings auch Gill für Bfinance in Anspruch. Hartmut Leser fällt ein etwas versöhnlicheres Urteil. "Wenn Bfinance auch eigene Berater für eine qualitative Beratung einsetzt, kann das Modell funktionieren, geht dann aber schon stark in Richtung Consulting", meint der Geschäftsführer von Feri Institutional Management.

Trotz teilweiser Kritik ist Bfinance erfolgreich. Die Firma hat schon rund 70 Mandate mit einem Volumen von 3 Mrd. Euro vermittelt. Das gerade abgeschlossene Pensionsfondsmandat über 500 Mill. £ für die britische Kommune Torfaen ist darin noch nicht eingerechnet. "Für das nächste Jahr peilen wir fünf Milliarden Euro an - eine sehr konservative Schätzung", sagt Gill.

Ähnliche Erfolge meldet auch IPE Quest in London. Der Ableger des Pensionsfonds-Magazins IPE startete seine Aktivitäten im Internet ebenfalls 1999, beschränkt sich aber auf die Weitergabe von Informationen über ausgeschriebene Mandate an registrierte Asset-Manager. Die Vermögensverwalter können bei Interesse einen Online-Fragebogen ausfüllen. Der Anleger erhält die Antworten. Dann schaltet sich IPE aus dem Prozess aus. "Wir sehen uns als Kontaktbörse, sind daher auch keine Konkurrenz zu den Consultants, die uns im Gegenteil immer häufiger als Datenquelle nutzen", sagt Tony Hay, Director bei IPE Quest. Rund 250 Asset-Manager haben sich registrieren lassen. Im bisherigen Jahresverlauf wurden Mandate im Volumen von 4 Mrd. Euro ausgeschrieben.

Auf Expansionskurs ist auch die in London ansässige Finanzanalysefirma Russell/Mellon Caps mit ihrer Datenbank. "Wir wollen die Zahl der bei uns gemeldeten Vermögensverwalter in den kommenden eineinhalb Jahren mehr als vervierfachen: auf 500", sagt der Verantwortliche Mick Brant. Diese Datenbank enthält Selbstbeschreibungen von Asset-Managern und wird als Informationsquelle von - inzwischen über 30 - Consultants genutzt. "Auch wir denken über eine Nutzung nach", sagt GSC-Mann Seil.

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