Markt für Handheld-Computer weiter rückläufig
Palms rüsten sich gegen Smartphones

Der Absatz der bisher so erfolgreichen Handheld-Computer ist in Stocken geraten. Zunehmend graben smarte Handys mit neuen Funktionen den Persönlichen Digitalen Assistenten (PDA) das Wasser ab. Diese rüsten sich im Gegenschlag mit eigenem Funk gegen die Telefone.

HB MÜNCHEN. Handtellergroße Taschencomputer haben eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Noch vor wenige Jahren waren sie als "Organzier" nur ein elektronischer Ersatz für Papierkalender und Zeitsysteme. Heute präsentieren sich die nach dem englischen Wort für Handteller (palm) genannten Mini-Computer als mobile Multimedia-PC. Nutzer der "Persönlichen Digitalen Assistenten (PDA) verwalten mit den smarten Winzlingen nicht nur Adressen und Termine, sondern hören auch über MP3 Musik, knipsen Fotos, lesen elektronische Bücher, surfen ohne Kabelfesseln im Internet oder bearbeiten unterwegs wichtige digitale Dokumente.

Doch die Palmcomputer haben Konkurrenz bekommen. Noch vor wenigen Jahre als die mobilen Geräte der Zukunft apostrophiert, gehen nun viele Marktforscher gehen davon aus, dass Smartphones - das sind Mobilfunk-Handys mit PDA-Funktionen - den Handcomputern langsam aber sicher Marktanteile abjagen. Dabei gilt es zu bedenken, dass gerade Handymodelle mit neuen Funktionen nach wie vor von den Telekom-Carriers mit Subventionen beim Kaufpreis gefördert werden, da man sich durch neue Dienste mehr Umsatz erhofft. Hier haben es die neuen Taschencomputer weit schwerer, die Märkte zu erobern.

Diesen Trend belegen auch die jüngsten Zahlen der Marktforscher von Gartner und IDC. Nach deren Erhebungen hat sich der Negativtrend beim Verkauf von PDA auch im ersten Quartal des laufenden Jahres fortgesetzt. Der Markt für Taschen-PC ist weltweit weiter rückläufig. Insgesamt ging der Absatz mit 2,8 Millionen Einheiten im Vergleich zum Vorjahresquartal (3,2 Millionen) erneut um 11,1 % zurück. Dies ergab die Studie von Gartner. Das Ergebnis stützt die Vorhersage von IDC. Diese hatte für die vergangenen drei Monate einen weltweiten PDA-Absatz von 2,45 (3,16) Millionen beobachtet. Das sind rund 21,3 % vor einem Jahr.

Palm bleibt nach Ansicht von Gartner auch weiter Marktführer. Sie messen dem in Milpitas, Kalifornien ansässigen Gerätehersteller allerdings nur einen Marktanteil von 32,8% zu; IDC dagegen sieht 36 %. Auf Platz zwei folgt der neue HP-Konzern (Hewlett-Packard und Compaq) mit 16%. HP hat seine Jornada-Linie zugunsten der erfolgreichen iPaqs von Compaq nach dem Merger aufgegeben. Wachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal verbuchten allein Sony mit einem Plus von 59,6% und Toshiba mit 276,1% sowie Dell Computer. Die Texaner konnten sich als Neulinge mit ihrem Axim-PDA sofort auf Platz vier der Weltrangliste katapultieren.

Um auch weiter seine führende Position am Markt zu behaupten, hat PDA-Gerätehersteller Palm Solutions (das Softwarehaus heißt Palm Source und ist in Sunnyvale angesiedelt) vor einigen Tagen je ein neues Modell seiner Zire- und Tungsten-Serie vorgestellt. Beide sind mit dem Betriebssystem Palm OS 5.21 und der neuen Buchstabenerkennung Graffiti 2 ausgestattet. Das neue Verbraucher-Modell Zire 71 ist als Multimedia-PDA mit eingebauter Kamera und guten Farbbildschirm positioniert. Das Modell Tungsten C (Tungsten engl. für Wolfram) hat keine Kamera, hat dafür aber für den Business-Kunden die Funkverbindung Wireless LAN integriert.

Im Spitzenmodell Tungsten C arbeitet eine Intel-Xscale Zentralprozessor als Motor, der auch in aktuellen Konkurrentengeräten mit dem Betriebssystem Pocket PC von Microsoft häufig zum Einsatz kommt. Der Arbeitsspeicher ist mit 64 MByte deutlich größer als bisher üblich. Beide PDAs sollen ab sofort in Deutschland erhältlich sein. Der Tungsten C kostet knapp 550 ?, der Zire 71 ist bereits für 345 E zu haben.

Die Markteinführung der neuen Geräten von Palm Solution unterstreicht einen Trend am PDA-Markt - Multimedia-Funktionen für Verbraucher und drahtlose Kommunikation für Business-Modelle werden Pflicht. So können beispielsweise die Modelle 5455 des iPaq von HP und Zaurus SL-5600 von Sharp ebenfalls über WLAN funken. Das Sharp-Gerät auch über die Handy-Mobilfunktechnik Verbindung aufnehmen.

Bei Palm ist das nur mit dem Modell Tungsten W möglich. In den USA schon seit einigen Wochen verfügbar wird der "Handy-Palm" in Deutschland wird dieses nach Angaben des Unternehmens im Juni oder Juli auf den Markt kommen. Vom Konkurrenten Handspring ist mit dem Modellen Treo 180 und 270 ein Mobilfunkfähiger Palm-PDA verfügbar. T-Mobile bietet mit dem MDA einen funkfähigen PDA mit Pocket PC als Betriebssystem.

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