Markt für Mobiltelefone wächst nur langsam
Handy-Aktien geben wenig Grund zu Hoffnung

Nach dem herben Rückschlag des vergangenen Jahres wird es einige Zeit dauern, bis der Markt für Mobilfunktelefone wieder zweistellig wächst. Die Aktienkurse sind im ersten Quartal stärker gefallen als die Halbleiterwerte. Trotzdem gelten die Marktführer unter den Handyherstellern weiter als "Kauf".

DÜSSELDORF. Lange Zeit wurden die Handyhersteller vom Erfolg verwöhnt. Den großen Knall gab es im vergangenen Jahr: Nach dem Boom des Jahres 2000 mit Wachstumsraten von über 50 % ist der Weltmarkt für Mobiltelefone im vergangenen Jahr zum ersten Mal gefallen. Ein Minus von 3,2 % hat das Marktforschungsunternehmen Gartner Dataquest ermittelt. Nur knapp 400 Millionen Handys wurden weltweit verkauft nach 412 Millionen im Vorjahr. Die einsetzende Marktsättigung in Europa und die Abkehr der Netzgesellschaften vom Verkauf subventionierter Prepaid-Verträge haben zu diesem Einbruch geführt.

Die Quittung von der Börse kam prompt: Im ersten Quartal des laufenden Jahres sind die Aktien der Anbieter überwiegend gefallen und haben damit schlechter abgeschnitten als zum Beispiel die Halbleiterwerte, wo steigende Preise für Chips Hoffnungen auf ein Ende der Branchenkrise aufkeimen lassen. Unter Analysten herrscht offenbar die Meinung vor, dass die Erholung der Handybranche später kommen wird als noch vor kurzem erwartet.

Trotzdem empfehlen viele Investmentbanken die Aktien - zumindest die der die führenden Hersteller wie Nokia und Motorola - immer noch zum Kauf. Die BHF-Bank führt die Finnen als "Outperformer" und begründet dies mit in der Branche führenden Kostenstrukturen. Allerdings zeigt sich Analyst Gunther Kramert enttäuscht, dass Nokia auf der Cebit so wenig neue Handys mit Farbdisplay angekündigt hat. Auch Lehman Brothers und Credit Suisse First Boston raten dazu, Nokia-Aktien zu kaufen. Allerdings hat zum Beispiel Dresdner Kleinwort Wasserstein Nokia bereits seit einem Jahr auf "Verkaufen" gesetzt. Bei Ericsson überwiegt hingegen die Vorsicht. Merrill Lynch stuft das Papier neutral ein, ABN Amro empfiehlt zu verkaufen.

2001 hatten viele Hersteller und Zulieferer den Markt völlig falsch eingeschätzt und noch auf Expansion in der Produktion gesetzt als die Verkäufe schon sanken. Sie blieben auf hohen Handy-Beständen sitzen. Die Folge sind Verluste bei den meisten Herstellern. Lediglich Marktführer Nokia arbeitet weiter mit Gewinn, aber auch hier ist die Marge kräftig gesunken.

Die Finnen konnten trotz des schwachen Marktes im vergangenen Jahr ihre Position ausbauen und dominieren jetzt den Weltmarkt mit fast 37 % Marktanteil - mehr als die nächsten vier Anbieter zusammen. Zu den Gewinnern zählen auch Siemens und Samsung. Die Koreaner haben ihr Produktportfolio erweitert und attackieren den Markt mit aggressiven Marketingkampagnen. Inzwischen sind sie zum viertgrößten Anbieter aufgerückt und machen Siemens den dritten Rang streitig.

Dagegen hat Ericsson kräftig Marktanteile verloren; die Hoffnungen ruhen jetzt auf dem Joint Venture mit Sony, das im vergangenen Oktober die Arbeit aufgenommen hat und in diesen Monaten die ersten eigenen Modellen auf den Markt bringt.

Die Aussichten für das laufende Jahr sind für den Handymarkt nicht rosig. Die Hersteller halten sich mit Prognosen sehr zurück. Nokia erwartet ein Marktwachstum von 10 bis 15 % für 2002. Im gerade beendeten ersten Quartal dürfte der Umsatz aber noch unter den Zahlen des Vorjahres gelegen haben.

Die Marktforscher von Gartner sehen dennoch einige Hoffnungszeichen. Der Erfolg des neuen T68-Handys von Ericsson habe gezeigt, dass Farbdisplays beim Kunden gut ankommen. Gartner erwartet, dass die Hersteller die Markteinführung von Handys mit Farbdisplay beschleunigen werden. Dies wäre besonders notwendig für den Hoffnungsträger Multimedia Messaging Service (MMS), der im Herbst den erfolgreichen Kurznachrichten-Dienst SMS ablösen und durch bunte Bilder und kleine Tonbotschaften erweitern soll. Auf den Erfolg von MMS hoffen Telekom-Gesellschaften und Handy-hersteller, denn er könnte dem Geschäft neue Impulse geben.

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