Markt für Neuemissionen noch immer sehr unsicher
Erste US-Unternehmen wagen sich wieder auf das Börsenparkett

Die verheerenden Terror-Anschläge vom 11. September haben den Markt für Börsengänge in den Vereinigten Staaten praktisch zum Stillstand gebracht. Doch ganz allmählich kommt an der Wall Street wieder ein wenig mehr Zuversicht auf - die ersten Unternehmen wagen sich mit neuen Aktien auf das Parkett.

hus/mm NEW YORK. Der Erfolg der milliardenschweren Platzierung des Versicherers Principal Financial dürfte den anderen Kandidaten, die in den kommenden Wochen an den Markt streben, Mut machen. Doch Experten warnen, das Geschäft mit Neueemissionen sei noch immer sehr fragil. Chancen hätten derzeit vor allem defensive Werte.

Mit einem Volumen von 1,9 Mrd. $ war der mehrfach überzeichnete Börsengang von Principal Financial immerhin die bislang fünftgrößte Platzierung an der Wall Street in diesem Jahr - und vor allem die erste gelungene Großemission am US-Markt seit Juli. Nach der Erstnotiz am vergangenen Dienstag kletterte der Kurs der Versicherungsaktie auf rund 21 $ und damit deutlich über den Ausgabepreis von 18,50 $.

Analyst Randall Roth vom Investmentfonds IPO Plus Aftermarket sieht allmählich wieder bessere Chancen für die Platzierung "defensiver Aktien" aus dem Versicherungs- und Gesundheitsbereich. Aus diesen beiden Sektoren kämen im Moment auch die meisten Börsenkandidaten Insgesamt sei der Markt aber noch immer sehr empfindlich. Man dürfe nicht vergessen, dass es im September überhaupt keine und im Oktober bisher nur drei kleinere Neuemissionen gegeben habe. "Wir sehen jetzt die ersten Anzeichen einer Normalisierung, wir brauchen aber noch deutlich mehr gute Platzierungen, wenn sich der Markt wirklich beleben soll", meint Roth.

Duncan King von der Investmentbank Salomon Smith Barney bestätigt, dass erfolgreiche Börsengänge derzeit noch auf wenige Branchen beschränkt seien. Neben Versicherungen und Firmen aus dem medizinischen Bereich sieht er auch für Konsumgüterwerte Chancen. Der auf Finanzmärkte spezialisierte Professor Jay Ritter von der University of Florida warnt ebenfalls vor all zu viel Euphorie. Insgesamt sei der Markt für Neueemissionen noch immer viel zu kalt. 62 Börsengänge hat es in diesem Jahr bislang an der Wall Street gegeben, im gleichen Vorjahreszeitraum, als der Technologie-Boom gerade zu Ende ging, waren es noch 360.

"Die Versicherungen sind ein besonderer Fall, ansonsten läuft bei Börsengängen noch nicht viel", meint Ritter. Für die Assekuranzbranche hätten die Terror-Anschläge sogar einen positiven Effekt gehabt. Solche Katastrophen gäben den Konzernen den Spielraum, die Prämien zu erhöhen, damit stiegen auch die Aktienkurse. Der Emissionsgewinn von 13 %, den Principal Financial am ersten Handelstag erzielt habe, entspreche in etwa dem langjährigen Durchschnitt bei Börsengängen. "Uns hat vor allem der Ausgabepreis von Principal überzeugt", sagt Vermögensverwalter Jon Brorson von der Northern Trust Bank in Chicago. Er hat die Aktie gekauft und will auch bei weiteren Börsengängen aus der Assekuranzbranche zugreifen. "Wir schichten derzeit auf Versicherungen um, weil wir unabhängiger von konjunkturempfindlichen Werten sein wollen."

Lange muss Brorson nicht auf neue Investitionsgelegenheiten warten: Die nächsten Großemissionen an der Wall Street stammen ebenfalls aus dem Versicherungssektor. In der kommenden Woche erwarten die Investoren die Platzierung des Krankenversicherers Anthem, die bis zu 1 Mrd $ einbringen soll. Voraussichtlich Mitte November kommt dann auf die US-Anleger eine der größten Börsengänge in diesem Jahr zu: Prudential Financial, die Nummer eins der US-Lebensversicherer, will Aktien im Wert von mehr als 3 Mrd. $ an den Markt bringen.

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