Markt für Oberklasse-Limousinen schrumpft
VW betritt mit dem Phaeton unsicheres Terrain

Schwere Startbedingungen für die neue VW-Luxuslimousine Phaeton: Weltweit schrumpft der Markt für Luxusfahrzeuge. Das neue Auto, das in dieser Woche auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wird, sollte der Hoffnungsträger in der Oberklasse für VW werden. Kritik erntet der ungewöhnliche Name.

zel GENF. Die Verkäufer in der Königsklasse des Autobaus sind aufgeschreckt: Weltweit schrumpft die Zahl der Kunden, die sich für eine Mercedes S-Klasse, einen 7er-BMW oder einen Audi A8 entscheiden. Nach Berechnungen des Instituts für Automobilwirtschaft im württembergischen Geislingen sind die Verkaufszahlen in der Oberklasse im vergangenen Jahr sowohl in Deutschland, Westeuropa als auch in Nordamerika zurückgegangen. Mit fast 16 % ist der Rückgang auf dem deutschen Markt am stärksten.

Volkswagen versprüht auf dem Genfer Automobilsalon trotzdem Optimismus. Das neue Oberklasse-Modell Phaeton soll in diesem Jahr auf den Markt kommen und VW als weiteren Anbieter im Luxussegment etablieren. Der noch amtierende Konzernchef Ferdinand Piëch verspricht sich vom Phaeton Strahlkraft für die gesamte Marke Volkswagen, die es vom Image her künftig einmal mit Mercedes und BMW aufnehmen soll.

Der künftige Konzernchef Bernd Pischetsrieder sagte in Genf, die gesamte VW-Organisation wird lernen mit dem Phaeton besser zu werden. Über ein anspruchsvolles Produkt werden Fertigung und Vertrieb deutlich verbessert." Pischetsrieder ergänzte, der Erfolg des Phaeton werde nicht an den Verkaufszahlen gemessen, sondern an der Anzahl zufriedener Kunden und am Lerneffekt im ganzen Unternehmen. Gleichwohl kalkuliert Volkswagen mit etwa 20 000 produzierten Autos pro Jahr. Von Mai an wird das Auto in Deutschland verkauft, Preise beginnen bei 56 000 Euro.

Willi Diez, Professor am Institut für Automobilwirtschaft, warnt Volkswagen vor falschem Optimismus in Sachen Phaeton. "Oberklassen-Limousinen sind dabei, ihre jahrzehntelange Leitbildfunktion im Automobilmarkt zu verlieren", sagt der Hochschullehrer. Mercedes S-Klasse oder 7er-BMW sind in der Vergangenheit zumeist als Geschäftsfahrzeuge geordert worden. Doch in den Unternehmen, beobachtet Diez, habe sich die "automobile Kleiderordnung" geändert.

In den Firmen habe sich eine neue Sparsamkeit breit gemacht, Führungskräfte müssten sich mit kleineren Fahrzeugen zufrieden geben. 3er-BMW oder die C-Klasse von Mercedes würden im Ergebnis viel stärker als früher nachgefragt. Für den großen Phaeton bleibe auf Grund dieser jüngsten Entwicklung erst recht weniger Platz am Markt. Konzernintern kommt auf den VW Phaeton noch ein anderes Problem zu. Zum Jahresende will Audi seine neueste Version des Oberklasse-Modells A8 auf den Markt bringen. Dann müssen Phaeton und A8 bei schrumpfenden Absatzzahlen um neue Kunden ringen.

Ein anderer Trend setzt die Topklasse im Autobau zudem unter Druck: Prestigeträchtige Limousinen sind seltener gefragt, statt dessen rücken "erlebnisorientierte Produktkonzepte" in den Mittelpunkt. Jüngere Käuferschichten interessieren sich nach den Worten von Diez heute verstärkt für Gelände- oder Sportwagen, das alt bekannte Konzept der Stufenheck-Limousine aus der Oberklasse finde weniger Anklang. "Mit einem Geländewagen kann man heute mehr Lebensstil demonstrieren als mit einer Nobel-Limousine", warnt der Professor VW. Der Volkswagen-Konzern könne nicht mehr hohe Wachstumsraten in der Oberklasse erwarten, das Segment habe "ausgespielt".

Besonders schmerzlich sind die Rückgänge in den USA, wo sich VW besondere Chancen für den neuen Phaeton ausgerechnet hatte. Mit einem Minus von 16 % sei der Absatz von europäischen Oberklasse-Modellen auf dem amerikanischen Markt im vergangenen Jahr "regelrecht eingebrochen".

Angesichts einer solchen Marktentwicklung warten die amerikanischen VW-Händler auf das neue Oberklasse-Modell aus Deutschland. Doch jenseits des Atlantiks macht der Name Phaeton wenig Freude. Der US-Händlerverband hält die griechische Bezeichnung schlichtweg für "unakzeptabel". Amerikanische Käufer könnten mit Phaeton nicht sonderlich viel anfangen.

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