Markt für private Finanzierungen stagniert – Anbieter wollen Geschäft durch besseren Vertrieb und Zinsdifferenzierung ausbauen
Baufinanzierer jagen sich Marktanteile ab

Gegen den Markttrend wollen private Baufinanzierer wie Eurohypo, Allianz/Dresdner Bank und BHW wachsen. Trotz drohender staatlicher Lasten und rückläufiger Bautätigkeit sind sie optimistisch, sich Marktanteile abjagen zu können. Sie wollen mehr als bisher ihre Konditionen nach Kundenbonität und Immobilienwert differenzieren.

FRANKFURT/M. Der Eigenheimzulage droht die Kürzung, ungünstige Abschreibungsregeln könnten Bauherren die Renditerechnung verhageln, die Zahl der Baugenehmigungen sinkt seit längerem. Gleichwohl setzen einige Baufinanzierer auf Expansion. "Bis Ende 2006 wollen die beiden Allianz-Töchter - die Dresdner Bank und die Allianz Lebensversicherung - ihren Marktanteil im privaten Baufinanzierungsgeschäft auf fünf Prozent verdoppeln", sagte Gerhard Richter vor Journalisten in Frankfurt. Er ist Leiter des Unternehmensbereichs Private Kunden und Geschäftskunden der Dresdner Bank. Das Ziel bedeutet ein Neugeschäftsvolumen von 4,5 Mrd. Euro im Jahr 2006.

Kampflustig geben sich auch die Eurohypo AG - in der Deutsche, Dresdner und Commerzbank ihre Hypothekenbank-Aktivitäten gebündelt haben - und der BHW-Konzern: "Wir gehen davon aus, dass wir im kommenden Jahr unser Neugeschäft steigern werden", sagt Dieter Laemmer, Leiter des Privatkunden-Vertriebs der Eurohypo. In den ersten neun Monaten dieses Jahres machte die Eurohypo 1,2 Mrd. Euro Neugeschäft, verglichen mit 1,8 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.

"Wir wollen weiter Marktanteile gewinnen", sagt auch der Sprecher des BHW-Konzerns, der in diesem Jahr mit 19 bis 20 Mrd. Euro Neugeschäft rechnet. Seinen Marktanteil bei privaten Finanzierungen ohne Kleingewerbe schätzt der Hamelner Finanzkonzern auf 10,8 Prozent. Die Deutsche Bank rechnet für das kommende Jahr mit einem "moderaten Wachstum" bei privaten Baufinanzierungen, sagt ein Sprecher.

Die Ziele der Baufinanzierer sind sehr ehrgeizig angesichts des schwierigen Marktumfelds. Für die erste Hälfte dieses Jahres weist der Verband deutscher Hypothekenbanken (VdH) für seine Mitglieder einen Rückgang in der Wohnungsfinanzierung von 18 % auf 9,4 Mrd. Euro aus. "Auf Sicht der nächsten zwei bis drei Jahre wird der Markt für Einfamilienhäuser stagnieren oder leicht rückläufig sein. Bei Mehrfamilienhäusern wird es regionale Unterschiede geben, insgesamt erwarten wir aber keine Belebung", sagt Ludwig Schätzl, Referent des VdH. Danach könne eine aktive Einwanderungspolitik dem Markt für Mehrfamilienhäuser Impulse geben. Ein niedriges Zinsniveau allein reiche nicht, wie die letzten Jahre gezeigt hätten.

Die Baufinanzierer teilen diese Markteinschätzung, lassen sich aber nicht entmutigen. "Der Markt ist noch immer so gigantisch groß, dass er für uns sehr interessant ist", sagt etwa Dresdner Bank-Manager Richter. Aus Sicht der Finanzhäuser sind die Baukunden sehr attraktiv, weil sie eher dazu neigen, ein Wertpapierdepot zu eröffnen, einen Ratenkredit abzuschließen und Versicherungen zu kaufen, als Haushalte ohne laufende Baufinanzierung, sagt Richter. Das sieht auch der BHW-Konzern so, der Produkte der privaten Altersvorsorge zum zweiten Standbein der Gruppe ausbauen will und dort ein hohes Potenzial sieht.

Die Allianz/Dresdner Bank macht jetzt Druck auf ihren Vertrieb - 850 Bankfilialen und 14 000 Allianz Vertreter - und fährt eine große Werbekampagne, um mehr Baufinanzierungen abzuschließen. Zudem soll der Prozess durch stärkere Automatisierung effizienter und günstiger werden. Standardverträge werden von der "Kreditfabrik" der Allianz Leben abgewickelt, individuelle Verträge managt die Dresdner Bank komplett. Die Konditionen werden künftig differenziert nach Bonität der Kreditnehmer und der Werthaltigkeit der Objekte. Der Risikoaufschlag könne von etwa drei bis 40 Basispunkte variieren, sagt Peter Haueisen, Leiter der Baufinanzierung bei Allianz Leben.

Ähnliche Pläne hat die Eurohypo. "Wir arbeiten derzeit an der technischen Umsetzung für eine risiko-orientierte Preissetzung", sagt Laemmer. Kunden mit guter Bonität würden künftig von günstigeren Konditionen profitieren. Im Frühjahr 2003 wolle die Eurohypo mit dem Preismodell an den Markt gehen. Wie hoch die Unterschiede ausfallen werden, sei derzeit noch nicht im Detail geklärt.

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