Markt hat die Erhöhung schon vorweg genommen
EZB-Watcher Angenendt: "Zinsschritt kommt und ist richtig"

vwd FRANKFURT. Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank, erwartet vom EZB-Rat am kommenden Donnerstag eine weitere Zinserhöhung, und zwar wohl um volle 50 Basispunkte. "Der Markt hat doch schon fast diese 50 Basispunkte Zinserhöhung vorweg genommen, und zwar unter der Zinsführerschaft der EZB", sagte EZB-Watcher Angenendt am Dienstag mit Blick auf den marginalen Zuteilungszins 4,68 % bei den aktuellen 2-Wo-Refi im Vergleich zum Mindestbietungssatz von 4,25 %, den nun der EZB-Rat an die Marktserwartungen bzw. Marktsätze anpassen werde, damit dieser Satz wieder die ihm zugebilligte Signalfunktion besser ausfüllen könne.

Die Kritik am Zinstender, die Markterwartungen hätten die EZB unter einen Handlungszwang gesetzt und er habe die dem Mindestbietungssatz zugebilligte Funktion als Leitzins entsprechend dem Mengentender-Festzins nicht erfüllt, findet Uwe Angenendt übertrieben. Sicherlich, es war wohl etwas blauäuig von der EZB dargestellt, die Zuteilungszinsen nicht weit vom Mindestbietungssatz weglaufen zu lassen. Vielmehr habe die EZB ganz bewußt mit ihren deutlichen Warnungen vor den sich mehrenden Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität die Markterwartung auf die intern offenbar schon vorbereitete Zinserhöhungen genährt, und zwar offiziell im EZB-August-Monatsbericht.

EZB-Watcher Uwe Angenendt teilt diese Analyse der EZB, dass nämlich im Konjunkturaufschwung im Wachstumstempo von über drei Prozent im Euroland bei einer immer noch reichlichen Liquiditätsausstattung der Inflationsimport über Ölpreise und Euro-Wechselkurs sich sehr leicht fortsetzt über die Zweitrundeneffekte in den Inlandspreise und auch in den Löhnen. Dem müsse die EZB geldpolitisch vorausschauend vorbeugen. Die M3-Expansion liege immer noch mit 5-1/2 % um ein Prozentpunkt über EZB-Referenzwert von 4 1/2 %, und das sei eben reichliche Liquidität mit Inflationsrisiko bei anhaltendem Inflationsimport und starker Konjunktur.

Konjunktur weiter stark

Die Konjunkturentwicklung schätzt der BHF-Bank-Chefvolkswirt nach wie vor stark ein und erwartet für das Euroland 2000 wie 2001 ein reales Wachstum von rund 3-1/2 %, und das bei Überhitzungsanzeichen an der Peripherie (Irland, Spanien, Finnland) und zunehmenden Wachstumskräften im Inland auch in Deutschland bei einer Wachstumsrate 3,6 % zum Vorjahr im zweiten Quartal mit zunehmender Binnennachfragekraft mit sich abzeichnenden neuen Schubkräften im nächsten Jahr (Steuerreform, hohe Investitionen auf dem Sektor Telekommunikation nach UMTS-Versteigerung).

Das Argument, dass die flache bis teilweise inverse Zinsstrukturkurve im Euro-Währungsraum schon eine ausreichend restriktive Geldpolitik anzeigt, ist nach Überzeugung von Uwe Angenendt nicht richtig. Diese Abflachung sei von den USA ausgegangen und werde sich nach Beruhigung der Euphorie über New Economy und dem US-Wahlkampf wieder teilweise korrigieren. Entscheidend sei, dass das Niveau der flachen Zinsstrukturkurve sehr niedrig ist und damit die Konjunktur alles andere als negativ beeinflusse.

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