Markt ist hart umkämpft
Eurosport bleibt auf Gewinnkurs

Der Sportkanal Eurosport bleibt trotz der Rezession auf dem Werbemarkt und der starken Konkurrenz durch das Deutsche Sportfernsehen (DSF) auf Gewinnkurs. "Wir werden dieses Jahr trotz des schwachen Werbemarktes in Deutschland weiter profitabel bleiben", sagte Senderchefin Andrea Ott dem Handelsblatt. Genaue Zahlen nennt der europäische Sportkanal, der in 54 Länder ausgestrahlt wird, traditionell nicht.

MÜNCHEN. Im Gegensatz zum defizitären DSF, das sich ausschließlich aus Werbeeinnahmen finanziert, ist Eurosport international aufgestellt und erwirtschaftet nur 40 % seiner Einnahmen aus TV-Reklame. "Wir sind von der Werbekrise in Deutschland weniger betroffen, da wir zum einen europaweit unsere Werbeplätze verkaufen. Zum anderen erzielen wir in anderen Ländern Einnahmen aus der kostenpflichtigen Einspeisung von Eurosport in die jeweiligen Kabelnetze", erläuterte die gelernte Soziologin Ott.

Im vorigen Jahr steigerte der Sportkanal, eine Tochter des französischen Fernsehkonzerns TF 1, seinen Umsatz auf 294 Mill. Euro. Die Werbeeinnahmen legten um 7 % zu. In diesem Jahr erwartet der Kanal, der im August wie sein Konkurrent DSF einen Marktanteil von 1,2 % in Deutschland erzielte, allerdings keine großen Umsatzsprünge mehr. "Der Werbe-Umsatz wird sich 2003 bei Eurosport auf einem stabilen Niveau bewegen", prognostizierte Ott, die den vor 15 Jahren gegründete Spartenkanal führt.

Der Markt ist hart umkämpft. Im Frühsommer hat der Handelskonzern Karstadt-Quelle zusammen mit dem Filmrechteunternehmen EM.TV und dem Investor Hans-Dieter Cleven den ehemaligen Kirch- Sportkanal DSF übernommen und später die Sonntagsspiele der Fußball-Bundesliga gekauft. Damit soll der Sender zum ersten Mal in seiner Geschichte aus den roten Zahlen kommen. Durch die Übertragung der Sonntagsspiele steigerte das DSF nicht nur seine Quote, sondern auch seine Einnahmen. "Wir werden dieses Jahr einen Umsatz zwischen 80 und 90 Millionen Euro einspielen", sagte der neue Senderchef Rainer Hüther. Bisher war der Fernsehmanager von rund 70 Mill. Euro ausgegangen.

Der Zuschauer- und Werbeerfolg des DSF beeindruckt Eurosport allerdings wenig. "Von der Neupositionierung des DSF erwarten wir keine Auswirkungen für unseren Sender. Während das DSF auf deutschen Fußball setzt, zeigen wir alle Sportarten", betonte die Schweizerin Ott. Im Gegensatz zum DSF setzt Eurosport neben Fußball und Tennis verstärkt auf Randsportarten wie Golf, Reiten und Segeln, die vor allem einkommensstarke Zuschauer anziehen sollen. Außerdem baut der Sender auf neue Programmformate. So startet Eurosport beispielsweise am 16. September eine Doku-Soap mit acht Athleten aus Europa, die auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen in Athen begleitet werden.

Die Stimmung bei den Sportsender hat sich in den zurückliegenden Monaten aufgehellt. "Wir bewegen uns auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu. Unsere Kunden beginnen bereits mit höheren Werbeausgaben", berichtet Ott. Die positive Einschätzung wird auch von den jüngsten Zahlen des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft unterstützt. So investierte der Handel 15 % mehr in Werbung in den ersten sechs Monaten. Bei Kosmetikherstellern waren es bereits 43 %.

Von einem Aufschwung im Werbemarkt profitiert auch der Eurosport-Gesellschafter TF 1. Gestern stuften die Analysten der Schweizer Bank Credit Suisse First Boston (CSFB) die TF1-Aktie auf Übergewichten. Bereits im ersten Quartal 2003 steigerte der TV-Konzern den Nettogewinn auf 59,6 Mill. Euro und den Umsatz auf 679,1 Mill. Euro. Das börsennotierte Unternehmen, das sich vor Monaten als Juniorpartner des amerikanisch-israelischen Milliardärs Haim Saban am Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 beteiligen wollte, legt heute seine Halbjahreszahlen vor. CSFB nannte als Kursziel der TF 1-Aktie 33,50 Euro. Gestern pendelte sie um 29 Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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