Markt konnte frühe Gewinne nicht verteidigen
Dax schließt erneut im Minus

Siemens stemmten sich trotz roter Zahlen gegen die Markttendenz. Auch MLP konnten sich von ihren jüngsten Verlusten erholen. Größter Verlierer waren am Tag vor der Bekanntgabe ihrer Quartalszahlen Hypovereinsbank.

FRANKFURT/M. Vier Kriterien müssen nach Meinung von Fidel Helmer, Händler bei Hauck & Aufhäuser, erfüllt sein, damit sich die Aktienkurse dauerhaft wieder erholen können: der Euro muss steigen, die Inflationsrate unter drei Prozent bleiben, die Aussichten für das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Quartal sollten sich verbessern und das Umfeld für ausländische Investoren auch.

Bislang jedoch schaffe es der Deutsche Aktienindex (Dax) lediglich, sich im frühen Geschäft gegen die negativen Vorgaben aus den USA und schlechte Unternehmenszahlen zu stemmen. Je näher dann jedoch die Eröffnung an der Wall Street rücke, desto mehr sackten die Kurse in sich zusammen.

So auch gestern: Nach einer positiven Eröffnung drehte das Börsenbarometer noch vor der Mittagszeit ins Minus. Dort blieb es trotz Gewinnen in Übersee dann auch. Der Dax beendete den Handel schließlich bei 5 582,76 Punkten (-1,4 %).

Zwar befinde sich der Markt bei geringen Umsätzen weiter in einer Seitwärtsbewegung, so langsam sollte er jedoch zu Boden kommen, hofft ein Händler der Commerzbank. Er sieht bereits erste Anzeichen für eine leichte Stimmungsverbesserung, da inzwischen nicht mehr ausschließlich Negativmeldungen im Vordergrund stünden. Von einer richtigen Erholung seien die Kurse aber noch weit entfernt. Die Investoren hielten sich weiterhin zurück. Urlaubsbedingt dürfte das Geschäft über die Sommermonate dünn bleiben, fügte ein Marktbeobachter hinzu.

Ein Beispiel für eine Aktie, die sich erfolgreich gegen die schwache Markttendenz stemmen konnte, waren die Anteilsscheine von Siemens (+1,5 %). Trotz ausgewiesener Quartalsverluste drehten die Papiere im Tagesverlauf ins Plus und stiegen zeitweise um knapp 3 %. Siemens seien schon im Vorfeld der Zahlen gedrückt worden. Einige Investoren seien am Mittwoch dann günstiger wieder eingestiegen, erklärt Helmer. Zwar seien die Zahlen schlechter als erwartet, allerdings sei der operative Verlust nicht so groß ausgefallen wie bei der Konkurrenz, äußert sich Alfred Schöngraf, Analyst bei Delbrück Asset Management. Die negativen Überraschungen hielten sich in Grenzen, auch wenn Siemens noch einiges zu tun habe. Deshalb wolle das Unternehmen ja auch im vierten Quartal kräftig restrukturieren, fügt er hinzu.

Zu den wenigen Kursgewinnern gehörten auch Tagessieger MLP, nachdem die Aktie in den vergangenen beiden Tagen mehr als 15 % an Wert eingebüßt hatte. Händler erklärten die Aufschläge zum einen mit einer technischen Gegenreaktion. Zum anderen habe auch die Hochstufung auf "Strong Buy" durch die Investmentbank Morgan Stanley MLP geholfen, hieß es.

SAP (-1 %) legten zunächst zu, nachdem US-Konkurrent Peoplesoft am Vortag nach Börsenschluss besser als erwartete Quartalszahlen vorgelegt hatte. Insbesondere der gute Ausblick des Unternehmens habe die Stimmung für Softwaredienstleister verbessert, hieß es im Handel. BMW gewannen vor dem Hintergrund, dass die Investmentbank Lehman Brothers ihr Kursziel und ihre Gewinnprognosen für das laufende und das kommende Jahr angehoben hatte. Epcos legen heute Zahlen vor. Die Aktie verlor 1,7 %.

Auf der Verliererseite standen unter anderem Henkel und Hypovereinsbank. Letztere litten unter einem Bericht, demzufolge der Verkauf des Chemiearms Cognis ins Stocken geraten könnte, sagte Alexander Kravkov von BNP. Bislang hatte sich der geplante Cognis-Verkauf stützend auf den Kurs ausgewirkt. Zudem hätten schwache Zahlen des weltgrößten Chemiekonzerns DuPont die deutschen Chemietitel unter Druck gesetzt. Henkel wurde jedoch im späten Handel als Tagesverlierer von der Hypovereinsbank abgelöst, die heute ihre Quartalszahlen vorlegt. Die Aktie gab gestern 3,47 % ab.

Der MDax gab 0,7 % auf 4 588,83 Punkte ab. Überwiegend schwächer zeigten sich die Regionalbörsen. Im Plus schlossen zur Kasse lediglich die Papiere in München.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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