Markt leidet unter Vertrauensverlust – Neue Eurohypo bestimmt Konsortialführer für erste Emission
Branche setzt härtere Standards für Pfandbriefe

Pfandbriefe leiden unter einem Imageverlust. Schlecht gepreiste Emissionen und Ratingherabstufungen einzelner Institute haben zur Kaufabstinenz der Anleger geführt. Das wollen Hypothekenbanken ändern. Die Eurohypo will deshalb mit ihrem ersten Jumbo-Pfandbrief Standards für mehr Transparenz und faire Preise setzen.

FRANKFURT/M. Die neue Eurohypo AG geht an den Kapitalmarkt. Damit emittiert die neue Nummer eins unter den Hypothekenbanken in Europa, die aus der Fusion der Hypothekentöchter der Deutschen, Dresdner und Commerzbank hervorgegangen ist, ihren ersten Pfandbrief. "Dabei wollen wir neue Standards für das Emissionsverhalten von Pfandbriefhäusern setzen", so Eurohypo-Vorstandsmitglied Henning Rasche. Das Institut wird deshalb ihren öffentlichen Jumbo im Globalformat in einem so genannten Pot-Verfahren begeben. Öffentliche Pfandbriefe sind mit Krediten an die öffentliche Hand gesicherte Anleihen. "Normale" Pfandbriefe sind dagegen mit Hypotheken unterlegt. Als Jumbos gelten Pfandbriefe mit einer Mindestgröße von 500 Mill. Euro.

Das Besondere beim Pot-Verfahren ist, dass der Emittent die Auftragsbücher der Konsortialführer und der Co-Lead-Manager einsehen kann und so einen Überblick über die Nachfrage gewinnt. Die HVB Real Estate und die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) haben bereits Jumbos mit diesem Verfahren begeben. Frank Will, Analyst bei West LB Global Financial Markets, erwartet, dass dieses System zum Trendsetter bei der Emission von Jumbo-Pfandbriefen wird.

Konsortialführer der Eurohypo-Emission werden Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank sein. "Die Eurohypo strebt ein Volumen von 3 Mrd. Euro an, damit das Papier auf elektronischen Plattformen gehandelt werden kann", erklärte Rasche im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die Markteinführung solle nach einer Präsentationsreihe im November erfolgen, sagte der Vorstand. Das Mandat bei künftigen Emissionen werde nicht automatisch an die Hauptaktionäre der Eurohypo gehen, betonte er. Die Laufzeit des Jumbos stehe noch nicht fest. Zurzeit gibt es nur wenig Jumbos mit zehnjähriger Laufzeit. Analysten können sich vorstellen, dass die Eurohypo diese Lücke schließen wird.

Marktgerechter Preis

Der Eurohypo ist noch etwas anderes wichtig: Die Emission der Eurohypo, die nach der Fusion der größte Emittent am insgesamt weit über eine Billion Euro schweren Pfandbriefmarkt ist, soll "marktgerecht" gepreist werden. Das ist bei Jumbo-Pfandbriefen nicht selbstverständlich. Früher wurden viele Emissionen in den Markt gedrückt. "Dabei nahmen oft die Konsortialführer einen Teil der Emission auf die eigenen Bücher, nur um das Mandat zu ergattern und damit einen Platz in den begehrten Rennlisten der Lead Manager zu bekommen", erklärte Rasche. Für die Eurohypo schließt er dieses Verhalten aus.

Bessere Konditionen und mehr Transparenz sind wichtig für die Pfandbrief-Emittenten, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Denn Rating-Herabstufungen für einige Pfandbriefe - unter anderem für die der AHBR durch die Ratingagentur Moody?s - haben Anleger skeptisch gemacht. Dass Pfandbriefe nicht mehr generell als sichere Alternative für Staatsanleihen gelten, ist unter Experten unumstritten. "Deshalb müssen die Hypothekenbanken transparenter werden", fordert Rasche. Die Preisfeststellung neuer Jumbos, der Deckungsstock, der den Papieren zu Grunde liegt, und nicht zuletzt die Geschäftsmodelle der einzelnen Banken sollten für Investoren nachvollziehbarer werden. Dabei müssten die Emittenten erkennen, "dass alle in einem Boot sitzen." Opportunistische Emissionen dürfe es bei Jumbos künftig nicht mehr geben. In diesen Fällen nutzen die Hypo-Banken Gelegenheiten, um sich möglichst günstig zu refinanzieren.

Wenn die Hypothekenbanken wieder auf die Investoren zugehen, könnten Pfandbriefe erneut in Mode kommen, meinen Analysten. "Derzeit greifen Anleger bei einem attraktiven Renditeaufschlag wieder zu", beobachtet Ralf Grossmann von CDC Ixis Capital Markets. Zudem honoriere der Markt schon jetzt, dass Banken wie die Eurohypo Wert auf Transparenz legen. Auch West LB-Mann Will sieht Nachfragepotenzial bei Pfandbriefen. "Viele Investoren haben sich mit Unternehmensanleihen die Finger verbrannt und suchen nach Alternativen mit deutlich weniger Risiko."

Mit dem öffentlichen Pfandbrief der Eurohypo gehen sie dabei auf Nummer Sicher. Denn die öffentlichen Pfandbriefe des neuen Hypothekeninstituts bewerten die Ratingagenturen Standard & Poor?s (S&P) und Moody?s mit der Bestnote Dreifach-A. "Ziel der Eurohypo ist es, zunehmend mehr Hypothekenpfandbriefe auf den Markt zu bringen", sagte Rasche.

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