Markt-Monitor
Auf lange Sicht wenig Hoffnung

Was in den vergangenen Wochen am Aktienmarkt vor sich ging, ist mit gesundem Menschenverstand kaum noch zu erklären. Heute ist wieder so ein Tag, an dem Unerklärliches passiert.
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Was in den vergangenen Wochen am Aktienmarkt vor sich ging, ist mit gesundem Menschenverstand kaum noch zu erklären. Heute ist wieder so ein Tag, an dem Unerklärliches passiert.

Von der Wall Street kommen katastrophale Vorgaben. Der Dow Jones geht mit einem Minus von 5,5 Prozent aus dem Handel, der S&P 500 bricht sogar noch etwas stärker ein. Aber der Dax lässt sich davon kaum beeindrucken.

Wie kann das denn sein? Nicht wenige sogenannte Börsianer und Experten sind mit Erklärungen schnell bei der Hand. Jetzt schlagen Schnäppchenjäger zu, heißt es an solchen Tagen immer. Das ist die simpelste Variante. Etwas gewagter ist das schon die gern geäußerte Vermutung: Der Dax koppelt sich vollends von den US-Börsen ab. Vielleicht lässt sich alles auch wieder auf den Ölpreis schieben – fallende Preise stützen die Märkte. Heute kommt außerdem hinzu, dass eine mögliche Aufspaltung der Citigroup deutsche Finanzwerte angeblich beflügeln soll.

Diese wohlmeinenden Rechtfertigungen sind allesamt viel zu simpel, um wahr zu sein. Sie greifen zu kurz. Wer ehrlich ist, muss eingestehen, dass es für heftige Schwankungen von mehreren hundert Indexpunkten am Tag manchmal keine schnelle Erklärung gibt. Vieles scheint in diesen Tagen vom Zufall abzuhängen. Deshalb ist es vernünftiger, nicht jeden zittrigen Ausschlag der Dax-Kurve zu kommentieren, sondern den Blick weiter zu fassen.

Wie hat sich der Dax auf lange Sicht entwickelt, wie könnte es in den nächsten Monaten weitergehen? Ein Blick auf die Tiefstände der letzten großen Krise erweist sich als aufschlussreich. Im März 2003 stand der Dax bei 2 202 Punkten. Davon sind wir auf dem jetzigen Niveau bei über 4 000 Punkten noch weit entfernt. Bis auf Infineon, die Autobauer Daimler und BMW sowie Deutsche Bank und Commerzbank liegen alle Dax-Aktien über ihrem damaligen Stand.

Wenn man nun davon ausgeht, dass die aktuelle Finanzkrise nicht minder schwer auf die Kurse drückt wie die Dotcom-Krise zu Anfang des Jahrtausends, dann haben die meisten Werte noch erschreckend viel Luft nach unten. Eine mickrige Erholung wie am heutigen Tag erscheint dagegen ziemlich unbedeutend.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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