Markt-Monitor
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Geht es Ihnen auch so? Da gerieten die Kurse Anfang der Woche kräftig ins Rutschen. Sie denken, jetzt beginnt die große Korrektur, so dass bald die Zeit zum Einstieg kommt, nachdem es beim ersten Tief im März nicht geklappt hat. Doch kaum hat die Korrektur begonnen, erholen sich die Aktien auch schon wieder. Dumm gelaufen!
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Richtig ist: Die atemberaubende Rally seit März schreit nach einer Korrektur. Denn die Kurse stiegen in der Spitze um mehr als 40 Prozent, ohne dass die Unternehmen Signale für einen Aufschwung erkennen. Im Gegenteil: Der Düngemittelspezialist K+S warnt vor einem schwachen zweiten Halbjahr, nachdem sich die Kasseler zuvor noch einigermaßen optimistisch mit Blick auf die Zukunft geäußert hatten. Und auch die Lufthansa blickt seit einigen Tagen viel pessimistischer nach vorn als noch vor einigen Wochen. Weil sich also die Firmengewinne unverändert im Sinkflug befinden und keine Besserung in Sicht ist, steht jede Börsenrally auf sehr wackligen Füßen.

Richtig ist aber auch: Als der Dax im März bis auf 3599 Punkte gefallen war, hatte die Börse ihren rasantesten Sinkflug aller Zeiten hinter sich. Nicht einmal im großen Crasch 1929 bis 1933 gab es eine Phase, in der die Kurse so rasch so heftig fielen. Deshalb kam die anschließende Erholung nicht überraschend.

Hinzu kommt, dass in den Jahresanfangsmonaten sehr viele Investoren zum Verkaufen gezwungen waren, weil ihnen die liquiden Mittel fehlten. Jetzt laufen vor allem Aktienfondsmanager der Entwicklung hinterher. Sie müssen sich den berechtigten Vorwurf gefallen lassen, dass einschlägige Indizes wie Dax und Euro Stoxx 50 erfolgreicher sind, weil die Fonds während des Sturzflugs verkauften und demzufolge in der anschließenden Rally nicht voll investiert waren.

Hier liegt der Kern für die jetzige Börsenbewegung: Jeden Anfang einer Korrektur nutzen vor allem professionelle Investoren, um endlich doch noch in den Markt hineinzukommen. Dafür kaufen sie Aktien und ersticken so jede Korrektur im Keim. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die jetzige Phase des Anlagenotstands ist endlich. Denn die Mittelzuflüsse bei den meisten Aktienfondsgesellschaften sind überschaubar. In den lauen Sommermonaten erst Recht.

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