Markt-Monitor
Börse: Die leichten Gewinne sind eingefahren

Für mutige Anleger waren die vergangenen Wochen ein Freudenfest: Zahlreiche Titel glänzten mit Kursgewinnen von 100 Prozent und mehr. Ein Ende der Zwischenrally wird jedoch immer wahrscheinlicher, das Umfeld für Spekulanten trübt sich damit wieder ein.
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Anfang März feierte der Begriff des Pennystocks an den Börsen ein trauriges Comeback. Allein in Deutschland waren mit Infineon, der Hypo Real Estate, Conergy, QSC und Prosieben-Sat1 gleich fünf Unternehmen aus dem HDax der 110 größten Werte unter die Kursmarke von einem Euro gerutscht, der Bezahlsender Premiere hielt sich nur um Haaresbreite darüber.

In welchem Fall der Absturz gerechtfertigt und wo er übertrieben war, soll hier nicht das Thema sein. Fakt ist jedoch, dass die Kurse im Cent-Bereich im Nachhinein für spekulativ orientierte Investoren ein gefundenes Fressen waren. Wer auf oder in der Nähe der Tiefkurse zugriff, kann sich nun über satte Gewinne freuen. Zum Börsenschluss am Mittwoch notierte lediglich die Conergy-Aktie noch auf Pennystock-Niveau. Und auch das Papier des kriselnden Solarunternehmens hat seinen Wert in den vergangenen Wochen von 34 Cent auf 95 Cent fast verdreifacht.

Ähnlich hoch fallen die Gewinne bei den anderen Kandidaten aus: Infineon-Aktien etwa stiegen von 38 Cent auf 1,37 Euro, Prosieben-Aktien haben sich fast verdoppelt und die Titel von QSC liegen heute gut drei Viertel über ihrem Tief bei 75 Cent. Dabei hat sich die fundamentale Lage bei keinem der Unternehmen entscheidend verändert.

Außerordentliche Kurssteigerungen ließen sich aber nicht nur mit spekulativen Nebenwerten erzielen. Auch im Dax haben einige Aktien im März massiv zugelegt - allen voran die Titel der Commerzbank und der Deutschen Bank, die sich verdoppelten. Und das in einer Zeit, in der der Dax selbst "nur" um gut ein Viertel zulegte.

Die Zahlen sind beeindruckend, jedoch gibt es zwei entscheidende Schönheitsfehler: Zum einen haben die wenigsten Anleger den Mut besessen, kurz nach dem Jahrestief in Aktien zu investieren - von Pennystocks mal ganz zu schweigen. Zum anderen sollte niemand davon ausgehen, dass sich die rasante Entwicklung so fortsetzt. Die ganz vorsichtigen positiven Impulse, die beispielsweise aus dem Finanzsektor kommen, rechtfertigen noch keine nachhaltige Rally, die weit über die jetzigen Kursniveaus hinausreicht.

Wer jetzt, angelockt von den hohen Kurssteigerungen, selbst das kurzfristige Glück an der Börse sucht, könnte daher bereits zu spät kommen. Die ganz schnellen Gewinne sind jedenfalls bereits eingefahren. Das Gebot der Stunde lautet für Anleger daher, sich in Geduld zu üben. Behält die Mehrheit der Anlagestrategen Recht, ist eine Korrektur an den Aktienmärkten nur eine Frage der Zeit. Und je stärker diese ausfällt, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie neue attraktive Einstiegskurse mit sich bringt.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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