Markt-Monitor
China, die große Unbekannte

Um 7,5 Prozent wird die chinesische Wirtschaft 2009 nur noch wachsen, schätzt die Weltbank. Aber was bedeutet das: Ist das nun viel oder wenig? Und vor allem reicht das aus, um die Weltwirtschaft vor der ganz großen Schwäche zu bewahren?
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Zahlen aus China sind immer mit Vorsicht zu genießen. Und Zahlen über China ebenfalls. Das gilt auch für die jüngste Wachstumsprognose der Weltbank für die Volksrepublik: 2009 wird die chinesische Wirtschaft danach noch um 7,5 Prozent wachsen.

7,5 Prozent klingt zunächst einmal gar nicht so übel, insbesondere wenn man die Wachstums- bzw. Schrumpfungsraten in anderen großen Volkswirtschaften vor Augen hat. Aber angesichts der großen Hoffnungen, die an China als wichtigstem Stabilisator für die Weltwirtschaft hängen, ist das verglichen mit den bisherigen zweistelligen Raten doch ein empfindlicher Rückgang. Zumal die Hälfte des Wachstums vom Staat selbst geschaffen wird.

Nun ist es den Unternehmen erst einmal egal, woher die Nachfrage aus China kommt. Entsprechend betrachten die europäischen Konzerne die Aussichten in China weiter positiv, wie eine Umfrage der Europäischen Handelskammer in China ergab. Danach erwarten die meisten Firmen sogar noch eine steigende Bedeutung des Landes als Wirtschaftspartner.

Doch die zunehmende Fokussierung auf China birgt Risiken. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass China sein langfristig ausgerichtetes Konjunktur- und Wirtschaftsentwicklungsprogramm aufgrund der aktuellen Krise stoppt oder auch nur deutlich zusammenschrumpft. Aber auch die Volksrepublik ist sicher nicht immun gegen die Folgen der Finanzkrise. Schaut man sich an, mit welcher Geschwindigkeit weltweit die Volkswirtschaften in den Sog des Abschwungs geraten, muss man auch an der Standhaftigkeit Chinas zweifeln. Dass Investoren genauso denken, zeigen die deutlichen Verluste und Abflüsse aus chinesischen Aktien, die noch stärker ausfallen als an anderen Aktienmärkten.

Im Übrigen gilt für die Weltwirtschaft grundsätzlich die gleiche goldene Regel wie für die Geldanlage: Diversifizierung ist Trumpf! Will sagen: China allein wird kaum in der Lage sein, den Abwärtsstrudel zu bremsen. 7,5 Prozent Wachstum im Jahr 2009 wären zweifelsohne beachtlich. Aber sie sind weder sicher noch ausreichend – weder für die Weltkonjunktur, noch für die Anleger an den globalen Börsen, die händeringend nach positiven Signalen suchen, die auf eine Trendumkehr deuten.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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