Markt-Monitor
Das heilige KGV

Dieser Boom ist anders als der letzte - und deswegen besser. So heißt es. Aber so heißt es in jedem Boom. Wie sicher ist die Börse wirklich? Der Markt-Monitor - zweimal täglich.

Wenn die Börse boomt, dann zeigen sich immer wieder ähnliche Phänomene. Zum Beispiel, dass die breiten Medien die Aktien als Thema entdecken. Oder dass sich das Fusionskarussell immer schneller dreht. Oder dass die Banken sich dumm und dämlich verdienen. Eines zeigt sich auch immer wieder: Die Experten betonen eifrig, dass dieser Boom nicht mit dem letzten Boom zu vergleichen ist. Denn der letzte Boom hatte ja irgenwann ein Ende - und wurde zum Abschwung.

Was sich ändert, ist die Begründung dafür, dass es diesmal anders ist. Im Dot-Com-Bubble hieß es, jetzt werde die ganze Wirtschaft umgekrempelt, und deswegen seien ganz neue Chancen zu erwarten - daher sei kein Ende des Booms auszumachen. Diesmal ist die Begründung - zum Glück - viel schlichter. Es heißt einfach: Die Bewertung ist noch nicht hoch. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist noch - zumindest im Durchschnitt - maßvoll. Das heilige KGV soll also die Börse retten.

Daher werden die Anleger in den nächsten Monaten sehr genau auf die Gewinne achten. Sobald sich dort erste Erosionserscheinungen zeigen, bricht nämlich die Basis für den schönen Boom weg. So wie das KGV trotz steigender Börse moderat blieb, weil die Gewinne immer weiter gestiegen sind - genauso kann es auch umgekehrt laufen.

Wahrscheinlich werden die nächsten Ergebnisse, die in dieser Woche veröffentlicht werden, noch sehr gut aussehen. Aber ewig können die Unternehmen auch nicht die Gewinne steigern. Die Banken geraten allmählich an eine Grenze, weil sie mehr als einen Börsenboom nicht bekommen können, um ihre Erträge zu steigern - und den haben sie schon. Außerdem dürften hier und da auch die Arbeitnehmer ihren Anteil am Kuchen lauter als bisher fordern. Und das würde wahrscheinlich erstmal zu Lasten der Gewinne gehen, ehe es die Inflation antreibt.

Möglicherweise bringt das kommende Kapital den Höhepunkt des Booms - und damit den Zeitpunkt zum Ausstieg.

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