Markt-Monitor
Ein halbes Dutzend schwarzer Löcher

Es gibt doch noch gute Nachrichten von den Börsen, die Zahlen der Deutschen Telekom gehören dazu. Viele Aktien sind zudem auf einem Niveau, das eigentlich zum Einstieg lockt. Das Problem: Eine Hand voll US-Konzernen hält die Märkte fest im Griff. Ihre Hiobsbotschaften überlagern alles und können die Börsen noch tiefer drücken.
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Zwei gute Nachrichten haben die Börsen in den vergangenen zwei Tagen geliefert. Die erste: Es gibt nach wie vor Unternehmen, die sich besser entwickeln als der Markt dies erwartet hatte. Das jüngste Beispiel lieferte die Deutsche Telekom, die ihren Gewinn mehr als verdoppelte. Die zweite frohe Kunde: Auch schlechte Zahlen führen an der Börse nicht mehr zwangsläufig zu Verlusten. Im Gegenteil: Bei der Allianz und bei BASF griffen Anleger am Donnerstag beherzt zu, nachdem die beiden Dax-Konzerne Übles berichtet hatten.

Nun wäre es fahrlässig, die Kursgewinne nach dem jüngsten Einbruch überzubewerten. Ein Großteil der Bewegungen geht zweifelsohne auf technische Reaktionen zurück. Andererseits zeigt das, dass viele Werte auf einem Kursniveau angelangt sind, auf dem manch ein Investor wieder zum Kauf bereit ist. Das könnte darauf hindeuten, dass der Boden an den Börsen nicht mehr allzu weit entfernt ist.

Der Haken an der Entwicklung: Die These von der Bodenbildung wird so lange eine These bleiben wie die bekannten Belastungsfaktoren die Märkte im Griff haben. Damit ist gar nicht das allgemeine konjunkturelle Umfeld gemeint, von dem niemand auch nur annähernd sagen kann, wann es sich wieder aufhellt. Vielmehr hängen die Börsen im Grunde genommen an gut einem halben Dutzend US-Unternehmen, die mit unschöner Regelmäßigkeiten neue Schockwellen aussenden.

Neben den chronisch klammen Autobauern sind das die beiden einstigen Großbanken Bank of America und Citigroup, der inzwischen verstaatlichte Versicherungsgigant AIG sowie die ebenfalls nationalisierten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Wie schwarze Löcher verschlingen dies Unternehmen Milliarden, die Verlustzahlen sind Schwindel erregend: 30 Mrd. Dollar waren es bei General Motors, Fannie Mae hat nur fünf Mrd. weniger verloren. Und AIG dürfte dem Ganzen die Krone aufsetzen: Am Montag wird der Versicherer voraussichtlich ein Minus von unglaublichen 60 Mrd. Dollar kundtun.

Fürs erste sind diese Zahlen zwar bekannt und so lange der US-Staat die Krisenunternehmen brav auffängt, könnten die Märkte in etwas ruhigeren Bahnen laufen. Doch das Gefahrenpotenzial, das die Verlustriesen für die Börsen bergen, ist nach wie vor enorm. So lange ihre Probleme nicht gelöst sind, sind neue Tiefstände jederzeit möglich.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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