Markt-Monitor
Ende der Schwellenländer-Rally?

Der US-Ökonom Barry Eichengreen befürchtet ein rasches Ende der derzeitigen Markteuphorie in den Schwellenländern. Für derartige Aussagen braucht man eigentlich keinen wissenschaftliche Untersuchung, ein Blick auf die Börsen reicht allemal. Der Markt-Monitor - die tägliche Meinung zur Börse auf Handelsblatt.com.

"Die Aktienmärkte und die Anleihemärkte in den Schwellenländern entwickeln sich seit dem Ausbruch der Subprime-Krise außergewöhnlich stark", sagt der Makroökonom von der Universität Berkeley in der Wochenzeitung "Zeit". "Ich glaube aber nicht, dass das so weitergeht. Es gibt jetzt sehr reale Risiken für diese Länder und für die ganze Weltwirtschaft."

Viele Schwellenländer Lateinamerikas hingen im Augenblick vor allem von den Rohstoffpreisen ab, andere Länder wie Mexiko und Südkorea von ihren Wirtschaftsbeziehungen zu den USA. Ihnen ginge es schnell schlechter, wenn es den USA und China schlechter gehe. Für die USA sagt der Wirtschaftswissenschaftler "wahrscheinlich sogar eine Rezession" voraus.

Und in China "könnte es durchaus einen Crash geben, der das chinesische Wirtschaftswachstum von zwölf Prozent auf sechs Prozent halbiert". Eichengreen begründet das mit Spekulationsblasen am Immobilien- und Aktienmarkt in China.

Das die Rally an den asiatischen Schwellenländern-Börsen nicht ständig so weiter gehen kann, dürfte Börsianern klar sein. Die Frage ist nur, wann der Rückschlag kommt. Beispiel Indien: Alleine in den vergangenen zwei Wochen pumpten Anleger 4,6 Mrd. Dollar in indische Aktien - halb so viel wie im ganzen Vorjahr. Das trieb den Sensex innerhalb von 19 Handelstagen auf achtzehn neue Rekordhochs. Seit einem Zwischentief im Zuge der Subprimekrise Mitte August hat der Index um rund 40 Prozent zugelegt. In den vergangenen fünf Jahren stieg der indische Leitindex von 2834 Zähler auf 19 000 Punkte. Anleger sind aber nervös: Gestern brach der Markt zwischenzeitlich um zehn Prozent ein.

Ähnlich ist die Situation in China: In den vergangenen acht Monaten haben sich die Kurse am Aktienmarkt in Shanghai verdoppelt. Experten warnen seit Längerem vor einer Spekulationsblase, die platzen könnte, falls etwa Investmentfonds ihre Mittel abrupt abziehen. Der Shanghai A-Index, dessen Aktien nur Chinesen kaufen können, hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Um 65 Prozent gestiegen ist innerhalb von zwölf Monaten der Hang-Seng-Index, dessen Basiswerte auch Ausländer kaufen können.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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