Markt-Monitor
Jetzt schlägt die Stunde der Software-Aktien

Der Software AG ist mit der angekündigten Übernahme von IDS Scheer ein Paukenschlag gelungen. Dass der überraschende Deal aus dem Software-Sektor kommt, ist hingegen folgerichtig. Die Branche stehe am Wendepunkt zu einem neuen Aufschwung, erwarten viele Experten. Davon sollten auch Anleger profitieren können.
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Die Überraschung hat gesessen. Noch ist die Software-Branche nicht endgültig aus der Krise raus, da traut sich die Software AG, Nummer zwei auf dem deutschen Markt, eine größere Übernahme zu. Für eine knappe halbe Milliarde Euro will das Unternehmen den Konkurrenten IDS Scheer kaufen. Die Offerte von 15 Euro je Aktie bedeutet einen satten Aufschlag von fast 40 Prozent auf den IDS-Schlusskurs am Montag. Gegenüber dem Jahrestief bei gut fünf Euro im Januar bedeutet es sogar eine Verdreifachung.

Ob der Preis hoch oder niedrig ist, müssen Analysten und Anleger bewerten - zumal sich die Software AG knapp die Hälfte der Anteile ja schon früher zu günstigeren Kursen gesichert hat. Wesentlich spannender als die Frage nach dem Preis ist für Anleger aber das Signal, dass die Software AG für die Branche sendet. Nach einem miserablen Jahr traut man sich jetzt wieder etwas zu. Das Ende des Abschwungs scheint nahe zu sein. Darauf deuten auch die vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal hin, die das Unternehmen heute veröffentlichte. Demnach stieg der Umsatz um rund fünf Prozent, wobei das zyklische Lizenzgeschäft überdurchschnittlich zulegte. Die Software AG kündigte zudem an, dass die Ebit-Marge auf rund 25 Prozent steigen und auch der Free Cash Flow höher als im Vorjahr liegen soll. Alles in allem sehr solide Zahlen.

Damit scheint sich zu bestätigen, was zahlreiche Analysten in den vergangenen Wochen vermutet haben: Viele Experten sehen den Software-Bereich am Wendepunkt nach oben und zählen Software-Aktien zu ihren absoluten Top-Empfehlungen. Die französische Bank Exane BNP Paribas stufte den Sektor jüngst von "underperform" auf "outperform" hoch. Sie führt eine Reihe von Gründen für ihre Empfehlung an, neben günstigen Bewertungen und dem Aufholpotenzial gegenüber anderen Tech-Aktien sind dies vor allem erfreuliche Ertragsaussichten sowie die geringe Abhängigkeit vom Konsumenten.

Dass die beiden neuen Partner Software AG und IDS Scheer ihre gemeinsame Strategie "klar auf Wachstum" ausrichten wollen, ist zwar in erster Linie als PR-Floskel zu werten. Das Branchenumfeld dürfte den neuen Konzern ebenso wie den großen Konkurrenten SAP aber in den kommenden Monaten unterstützen. Ab dem dritten Quartal sind wieder deutlichere Steigerungsraten bei Umsätzen und Ergebnissen zu erwarten, da ein anziehendes Geschäft dann mit schwachen Vergleichszahlen aus dem Vorjahr zusammentreffen dürfte.

Wenn nicht der Markt als Ganzes noch einmal auf Tauchstation geht, scheinen Hoffnungen auf steigende Kurse bei Software-Aktien berechtigt. Für Anleger von IDS Scheer werden sie auf jeden Fall Realität.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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