Markt-Monitor
Ölpreisanstieg lässt Branchenindex kalt

Seit Jahresanfang hat der Ölpreis kräftig zugelegt. Eigentlich, müsste man meinen, haben insbesondere Öl- und Gaskonzerne davon besonders profitiert. Der Branchenindex zeigt aber ein ganz anderes Bild.
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Weitgehend unberührt vom kräftigen Ölpreisanstieg seit Jahresanfang zeigt sich der Dow Jones Euro Stoxx Oil & Gas-Index, in dem 27 Unternehmen vertreten sind, die eigentlich von höheren Preisen beim "Schwarzen Gold" profitieren müssten. Darunter befinden sich so Schwergewichte wie BP, Total und Royal Dutch Shell. Zum Vergleich: Ein Barrel (159 Liter) Öl der Sorte Brent kostete zu Jahresanfang noch 39,53 US-Dollar, gestern waren es 65,90 US-Dollar - ein Anstieg von 67 Prozent. Der europäische Branchenindex schaffte dagegen nur ein kaum wahrnehmbares Plus von 0,09 Prozent, Dividenden mit eingerechnet.

Der US-Dollar - Verdächtiger Nr. 1, warum der Preisanstieg augenscheinlich nicht bei den Ölkonzernen angekommen ist - scheidet aus. Er hat zwar im gleichen Zeitraum an Wert gegenüber dem Euro verloren. Aber zu wenig, um den Ölpreisanstieg für europäische Anleger zu neutralisieren. Anleger müssen andere Gründe haben, weshalb sie den Schwergewichten der Ölbranche trotz hoher Dividendenrendite und niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) die kalte Schulter zeigen. Und gegen ein Ende des Preisanstieg sprechen derzeit die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Konjunktur, die steigende Nachfrage aus China und Meldungen aus Nigeria über einen erneuten Anschlag auf eine Öl-Pipeline. Außerdem wird im Herbst der Gaspreis der Ölpreisentwicklung folgen. Das dürfte den Gewinn der Öl- und Gasunternehmen weiter steigern.

Während diese zumindest theoretisch zu den Gewinnern gehören müssten, werden andere Branchen nach Expertenmeinung stark unter dem hohen Ölpreis leiden. Gerade die Luftfahrtkonzerne geraten unter Druck. Beispielsweise hat die Lufthansa das intern angesetzte Kerosin-Budget um 150 Millionen Euro auf 3,55 Milliarden Euro erhöht. Im zweiten Halbjahr dürfte die Chemieindustrie von Zusatzkosten belastet werden. Außerdem wird, so die WestLB-Analysten, der private Konsum in Deutschland von höheren Öl- und Gaspreisen in Mitleidenschaft gezogen. Setzt sich der Trend beim Dow Jones Euro Stoxx Oil und Gas-Index fort, fällt für Anleger auch diese Möglichkeit weg, vom höheren Ölpreis zu profitieren.

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