Markt-Monitor
Porsche-Anleihen: Noch viele offene Fragen

Noch im letzten Herbst machte Porsche die Volkswagen-Aktie zum Spielball seiner Interessen und war auf dem Weg, den Wolfsburger Konzern zu übernehmen. Einige Monate später hat sich das Blatt gewendet. Nun sitzt der Sportwagenbauer auf einem Schuldenberg und ist der Gejagte. Der Jäger ist nun VW. Vom Machtkampf unbeeindruckt zeigen sich bislang noch die Unternehmensanleihen. Das könnte sich mit neuen Nachrichten jederzeit ändern.
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Wie sensibel Anleihen auf das Marktumfeld reagieren, zeigt die Vergangenheit. Noch im Mai brach ein Bond der Porsche-Finanzierungstochter mit einer Restlaufzeit bis Februar 2011 um gut zwei Prozent ein. Marktteilnehmer machen dafür vor allem die damals schlechten Aussichten für die Automobilkonzerne, die anstehende Insolvenz bei General Motors und das große Angebot an neuen Unternehmensanleihen verantwortlich. Seitdem ist der Kurs des Bonds gestiegen und notiert aktuell wieder über knapp 100 Prozent. Damit liegt die Rendite der Anleihe nur noch etwa 0,4 Prozent über einer vergleichbaren Anleihe von Volkswagen Credit Canada. Trotzdem signalisieren Rentenhändler noch eine relative Ruhe bei den Porsche-Anleihen.

"Bei Porsche sind noch viele Fragen unbeantwortet. Solange nicht klar ist, dass Porsche die Finanzprobleme tatsächlich nachhaltig und nachvollziehbar gelöst hat, halten wir an unserem Anlageurteil Underperformer fest", schreibt Markus Rohleder, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Zu den offenen Fragen zählt beispielsweise, wie viel Geld beim Sportwagenbauer durch den Einstieg des Emirats Katar tatsächlich in der Bilanz ankommt und den Schuldenberg drücken kann. An der Person Wendelin Wiedeking die Zukunft und den Erfolg von Porsche festzumachen, würde nach Expertenmeinung allerdings zu weit gehen. Auch wenn die Aufsichtsratssitzungen bei Porsche und VW am kommenden Donnerstag Licht ins Übernahmedunkel bringen könnten. Dann wird sich zeigen, ob welche Richtung der Kurs der Porsche-Anleihen einschlägt.

Zum Hintergrund: Im vergangenen Jahr versuchte der Stuttgarter Autokonzern die Mehrheit an Volkswagen zu übernehmen und sich mithilfe von Optionen 75 Prozent der VW-Anteile zu sichern. Der weltweite Konjunktureinbruch machte die Pläne zunichte - Porsche sitzt nun auf einem Schuldenberg von schätzungsweise neun Milliarden Euro. Eine Erhöhung über den derzeitigen Anteil von 50,8 Prozent kann Porsche nicht finanzieren. Die angedachte Lösung über den Einstieg des Staatsfons von Katar würde allerdings nur zu einer Übernahme von weniger als 20 Prozent der VW-Aktien durch das Emirat führen. Im Gegenzug plant VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, Porsche als zehnte Marke in den Volkswagen-Konzern zu integrieren. Darüber wird von beiden Seiten seit einigen Wochen ein erbitterter Kampf geführt. Marktteilnehmer sehen derzeit Piech im Rennen um die Durchsetzung der Pläne vorne.

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